Laudes am Gründonnerstag Provinzial P. Josef Denkmayr SVD

Gründonnerstag, der Eingang in diese ganz besonderen Tage der Karwoche.
Und in der Kurzlesung der Laudes hören wir, fast vorweggenommen, eine Erklärung für alles, was jetzt kommt. Fast eine Rechtfertigung für das kommende Leiden, wenn es da heißt: „Es war angemessen, dass Gott den Urheber des Heiles durch Leiden vollendete.“ 


Der Urheber des Heiles, Jesus Christus, wird also durch leiden vollendet. Da wird etwas abgeschlossen, ganz gemacht, vollkommen gemacht…
Irgendwie habe ich das Gefühl, so etwas kann man nur im Rückblick sagen. Erst im Zurückschauen auf das Ganze, können solche Worte niedergeschrieben werden. Und so war es ja auch. Viel später wurden diese Worte geschrieben: „Es war angemessen, dass Gott den Urheber des Heiles durch Leiden vollendete.“ 


Gründonnerstag: Heute Abend feiert Jesus Abschied mit seinen Freunden.
Solche Worte, wie aus der heutigen Lesung, kommen da nicht aus Jesu Mund. Das wäre auch vermessen. So hat Jesus vermutlich nicht in der Stunde seines Abschiedes, seines bevorstehenden Leidens, zu seinen Freunden sprechen können. Vermutlich hat er nicht gesagt: „Es ist jetzt angemessen, passend, es ist jetzt gut, dass ich leiden werde. Denn dadurch werde ich vollendet, ich, der Urheber des Heiles.“ So stelle ich mir Jesus am Gründonnerstag nicht vor. 


Wie stelle ich ihn mir vor? Dürfen wir uns ihn vorstellen? Aber zumindest hinein fühlen, ja, das möchte ich mich schon. 


Die Bibeltexte in diesen Kar- und Ostertagen kennen wir schon sehr gut. Aber es ist immer wieder tröstend zu hören, wie Jesus hier das wirklich Menschlichste erlebt hat und wie er menschlich gefühlt und reagiert hat: das ersehnte Abschiedsfest im Abendmahlssaal, die Angst und Verzweiflung am Ölberg, das Hadern mit dem Schicksal und das Gefühl der Verlassenheit am Kreuz. 


Jesus hat die zutiefst menschlichen Gefühle gekannt und durchlitten. Es ist gut, wenn wir in diesen Kar- und Ostertagen einmal das so sehr Menschliche an Jesus betrachten. 


Jesus kannte die Liebe. „Da er die Seinen liebte ...“. Und dann erzählt der Evangelist Johannes von der Fußwaschung. Jesus erweist denen die er liebt, einen Liebesdienst. Er beugt sich nieder. Er macht sich klein. Jetzt setzt er sich zu Füßen anderer. 


Jesus kennt auch die Sehnsucht. So erzählt Lukas „Wie sehr habe ich mich danach gesehnt mit euch dieses Mahl zu feiern“. Jesus kennt die Sehnsucht nach den Menschen, die er liebt. Das müssen wir uns einmal wirklich versuchen vorzustellen, oder besser mit dem Herzen zu spüren. Jesus kennt die Liebe und Jesus kennt die Sehnsucht nach dieser gelebten Liebe.
Und wie zeigt Jesus diese Liebe? Wie drückt er seine Sehnsucht aus? Er umgürtet sich mit einem Leinentuch, gießt Wasser in eine Schüssel und wäscht seinen Freunden die Füße. 


Stellen wir uns Jesus ruhig so vor. Nicht ein Jesus mit fertigen Antworten, mit theologischen Erklärungen und Rechtfertigungen für sein Leiden.
Stellen wir uns Jesus als einen vor, der Sehnsucht nach dem Heil hat, der sich nach liebevoller Begegnung sehnt. 


Als einen, der vielleicht auch Angst hatte vor dem, was jetzt kommt…
Ich meine, wir dürfen uns ihn so vorstellen. Und gehen wir mit dieser Vorstellung in diesen Tag, in den heutigen Gründonnerstag.