Laudes am Karsamstag: P. Franz Pilz SVD

Wir alle kennen die Erfahrungen nach dem Verlust eines Menschen, der uns sehr nahe stand. Es kann zur Lebenskrise werden, die Frage nach dem Sinn unseres Lebens beschäftigt uns. Wir gehen innerlich durch viele unterschiedliche Stufen einer Krise, viele Szenarien spielen sich ab: Verstummen, Zurückziehen, Verhandeln, oder Hadern mit Gott; Zorn und Wut mag hochkommen, Traurigkeit macht sich breit, bis hin zum Annehmen der Situation und neuer Hoffnung – neues Aufbrechen und Weitergehen.
Wo stehen wir jetzt? Wie betrifft mich der Tod Jesu? 


Der Tag nach dem Karfreitag – ein Tag der Stille, der Totenruhe.
Möge es uns gelingen, für eine Weile die Geschäftigkeiten ruhen zu lassen, nicht zu schnell ins Tun, ins Vorbereiten für Ostern gehen zu müssen. Die Leere auszuhalten versuchen, hadern, streiten mit Gott; so mit ihm im Gespräch bleiben. Trauerarbeit leisten … Nichts ist schlimmer, als nach so einer schmerzlichen Erfahrung gleich zum Alltag überzugehen.
In Ghana gibt es im traditionellen Glauben bei den Krobo nach einem „bösen Tod“: z.B. wenn eine schwangere Frau stirbt; keine Begräbnisfeierlichkeiten, keine Riten, keine Trauer – übrig bleiben Unsicherheit und Angst. 


Im Psalm 64 und im Canticum aus dem Buch Jesaja (Jes 38,10-20) haben wir eingestimmt in die Klage, aber auch unsere Hoffnung zum Ausdruck gebracht. 


Jesus ist hinabgestiegen ins Totenreich, er ist „den Verlorenen bis in die sündige Gottesferne nachgegangen“. Das rettende Angebot der Liebe Gottes ist auch dort. Im Ort des Unheils gibt es die Einladung zum Heil (vgl. Jan-Heiner Tück, Der Sonntag, Nr. 16 v. 24. 4. 2011).