Aschermittwoch

Das närrische und ausgelassene Treiben hat allerorts ein Ende gefunden. Heute strömen viele Menschen in die Kirchen um ein bisschen Asche aufs Haupt gestreut zu bekommen. Asche ist Zeichen der Vergänglichkeit. „Mensch, bedenke doch wer du bist, vergänglich, zerbrechlich“. Vergiss nicht, was wesentlich ist im Leben, worauf es letztlich ankommt.

Es beginnt ein neuer Abschnitt im Kirchenjahr, die österliche Bußzeit: Wir haben jetzt knapp 40 Tage vor uns, um sie mit Leben zu füllen, um uns neu nach Gott auszurichten. Es ist die Zeit, anders zu leben: Etwas freier, ein bisschen leichter. Keine Ausreden gelten lassen, sondern das tun, was ich mir schon lange vorgenommen hatte: Einige Wochen dem nachgehen, was mir wirklich wichtig ist und was mich leben lässt.

Wenn wir auf unser Leben blicken, da werden wir uns eingestehen müssen, dass es da und dort Kurskorrekturen anzubringen gilt.

Die Kirche akzentuiert in dieser vorösterlichen Bußzeit 3 Aspekte des christlichen Lebens: Gebet, Fasten und (Werke der) Nächstenliebe.

Gebet
Es gilt vor Gott hinzutreten und sich so zu zeigen wie man ist. Nichts zu beschönigen. Mich von ihm anzuschauen zu lassen mit all meinen Schwächen und Schattenseiten. Er schaut mich an und verurteilt mich nicht. Nur wenn die Wahrheit über einen selbst in den Blick kommt, ist das Gebet befreiend. Vor Gott darf ich mich zeigen, wie ich bin, ich kann meine Masken ablegen.
Gebet bedeutet nicht Gott bestürmen, mit vielen Worten, dass Er tut, was ich will. Gebet bedeutet sich langsam dafür öffnen, was Gott für mich will und in seine Pläne einwilligen.
Ich möchte ein Bild gebrauchen: Das Gebet ist für den Christen das, was der Scheibenwischer fürs Auto ist. Bei strömendem Regen ist eine Fahrt ohne funktionierende Scheibenwischer undenkbar.
Ist echtes christliches Leben ohne Gebet denkbar? Aber hier ist Gebet nicht gemeint als Erfüllung eines Pensums. Ich habe gebetet, ich kann nun beruhigt sein. (Durch das Gebet wird mein Blick geschärft für die Realität, durch die Gott mich anspricht.

Fasten
Fasten ist nicht ein Um sich selbst Kreisen. Fasten steht im Dienst am Nächsten. Der andere gerät in den Blick, der andere, der leidet und hungert.
Wir können die großen Probleme der Welt nicht lösen und fühlen uns so oft ohnmächtig. Aber wir können da ein Zeichen setzen. Und wenn viele ein Zeichen setzen, dann kann eine Veränderung bewirkt werden.
Christliches Fasten hat zutiefst mit Solidarität zu tun. Viele Menschen haben den Hunger satt. „Wir haben den Hunger satt“ – das ist auch der Titel einer Ausstellung, die ab heute im Kreuzgang unseres Hauses zu sehen ist. Mögen uns die Bilder in Unruhe versetzen, uns inspirieren, unseren Beitrag zu leisten, damit auf der Welt weniger Menschen hungern müssen. Der Hunger in der Welt ist ein Skandal, an den man sich nicht gewöhnen kann.
„Viele Menschen sterben vor Hunger und viele Schoßhündchen sterben an Herzverfettung“, meint der Schriftsteller Norman Mailer.
Fasten heißt auch verzichten. Das Wort verzichten hat jedoch für viele einen negativen Beigeschmack. Sie wollen die Gaben der Schöpfung genießen. Sie wollen sich nicht unter Druck setzen lassen, sich ihre Freiheit nicht beschneiden lassen.
Wer fastet, nimmt die eigenen Ansprüche zurück. Er entzieht sich den Konsumzwängen. Er will sich nicht länger verplanen und manipulieren lassen, sondern sein Leben aktiv gestalten.
Viele Genussmittel, aber auch altgewohnte Verhaltensweisen und Aktivitäten sind durchaus verzichtbar. Wer fastet, besinnt sich auf das Notwendige und Wesentliche und verzichtet auf das, was träge, besinnungslos und abgestumpft macht. Verzichten kann ruhig ein bisschen weh tun, auf Alkohol verzichten, auf’s Bier an den Donnerstagen, auf Süßigkeiten oder auf Fleisch. Aber es geht nicht darum zu verzichten, um des Verzichtens willen.

Mach dich auf den Weg
Nicht in Sack und Asche gehen, nicht ein finsteres Gesicht machen:
Nach innen gehen, lass dich nicht ablenken – von dir.
Rede dich nicht heraus – aus der Verantwortung.
Wenn ich faste, wirklich verzichte, werde ich frei.
Der Körper entschlackt sich, die Gedanken werden frei
von Asche und Staub, von der Asche verbrauchter Gewohnheiten,
vom Staub der alten Konsumhaltungen.
Neues kann werden, so ein Fasten liebt Gott.
Mach dich auf den Weg, bleib nicht auf deiner Asche sitzen.
Steh auf aus deinen Trümmern. Suche das Neue.
Suche die, die auch suchen.

                                                                                     (H. Grysar)

P. Elmar Pitterle SVD