Predigt am Ostersonntag: Provinzial P. Josef Denkmayr SVD

„Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste“ – so das Evangelium heute am Ostersonntag.

Liebe Schwester und liebe Brüder im Herrn!
Sie wussten es noch nicht – die beiden Jünger, und auch nicht die Frauen, auch nicht die anderen Jünger. Sie wussten es noch nicht. Und deshalb viel es ihnen auch so schwer, diese Botschaft zu glauben.
Wir wissen es. Aber können wir es glauben?? 


Jesus Christus ist auferstanden. Er hat den Tod besiegt und lebt. „Die Botschaft hör ich wohl – allein mir fehlt der Glaube“. So heißt es in der bekannten Tragödie Faust von Johann Wolfgang Goethe.
Allein mir fehlt der Glaube, so könnte man das Gefühl des Simon Petrus beschreiben wie er da vor dem Grab steht und hineinschaut. Überhaupt ist dieses Osterevangelium noch ein sehr zaghaftes Verkünden der Frohbotschaft von der Auferstehung Jesu. Viel von österlichem Halleluja – Lobpreis hört man da nicht durch. 


Was uns im heutigen Evangelium erzählt wird, verweist uns zu einem großen Teil noch auf den Tod . Da ist das Grab und der Stein, und ganz genau wird das Innere des Grabes beschrieben: die Leinenbinden und das Schweißtuch – genau beschrieben wie und wo es lag. 


Obwohl hier schon Auferstehung verkündet wird, wird der Blick noch einmal auf den Tod gerichtet. Obwohl schon langsam die Freude der Auferstehung durchbricht, wird der gewesene Tod noch einmal in den Blick genommen. So, als darf man den Tod nicht verleugnen, wenn man die Auferstehung verkündet. Ja, und es stimmt ja auch: Man kommt am Tod nicht vorbei, wenn man sich an der Auferstehung freuen möchte.
Die Auferstehung macht die Realität des Todes nicht ungeschehen. Die Freude über das ewige Leben kann nicht die Trauer über den zeitlichen Tod ganz verdrängen. Ich denke, da würden wir uns einfach überfordern. Keine Angst vor dem Tod zu haben, keine Trauer zu spüren, wenn liebe Menschen uns verlassen, so einfach ist das wohl nicht. Es war für die Jünger damals nicht einfach und nicht für die Frauen. Warum sollte es uns heute anders gehen. 


Grab und Tod – das ist natürlicherweise mit Dunkelheit, Angst und Trauer verbunden. Und das darf auch bei einem gläubigen Menschen so sein. Der Auferstehungsglaube darf wachsen und reifen. Und da darf auch die Unsicherheit und Angst weiter bestehen. Beides darf sein.
Die Botschaft hör ich wohl. Allein mir fehlt der Glaube. 


Petrus ist es sicher so gegangen. Er hat länger gebraucht um zu begreifen. Johannes hat sich leichter getan. Vielleicht weil er der war, den Jesus liebte. So sagt es uns das heutige Evangelium. Vielleicht hat der Auferstehungsglaube etwas mit Liebe zu tun. 


Und wenn Sie, liebe Schwestern und Brüder, wenn Sie heute am Ostersonntag, am Tag der Auferstehung Jesu, vielleicht auch an einen lieben Menschen denken… In Liebe an jemanden denken, der nicht mehr bei ihnen ist, der ihnen wertvoll war und viel bedeutet hat… Wenn wir in Liebe an diese Menschen denken, vielleicht fällt es uns dann auch leichter das zu glauben was wir heute feiern: die Auferstehung von den Toten. Zumindest aber, es zu erhoffen. Darauf zu hoffen, dass mit dem Tod nicht alles endgültig aus und vorbei ist. Darauf zu hoffen, dass wir unsere Lieben einmal wiedersehen. 


Weil Jesus Gottes geliebter Sohn war, hat er ihn vom Tod auferstehen lassen. Weil wir Gottes geliebte Kinder sind, wird er auch uns einmal auferwecken zum ewigen Leben, in der alle Freude und alle Liebe ihre Vollendung finden wird. 


„Ihr seid mit Christus auferweckt“ – jetzt schon. Diese Zusage haben wir im Brief des Apostel Paulus an die Kolosser gelesen. Und weiter: Darum strebt nach dem, was im Himmel ist. 


Wir sollen unsere Sinne, unseren Blick auf das Himmlische richten meint Paulus und nicht auf das Irdische. Auch wenn sich die irdischen Dunkelheiten immer wieder in unser Blickfeld drängen, die konkreten Schweißtücher und Leinenbinden „Reißet von Banden freudig euch los – besingt es der Chor in Goethes Faust. Wir sollen nicht aufhören, den Blick auf das Himmlische zu richten und an unsere Auferstehung zu glauben.
Diese Verheißung der Auferstehung ist uns heute wieder aufs Neue zugesprochen, auch wenn uns manchmal, wie dem Petrus oder wie in Goethes Faust, der Glaube fehlt, dies auch in seiner ganzen Fülle zu begreifen.

Ich möchte schließen mit dem Schlusschor bei Faust: 

Christ ist erstanden
Aus der Verwesung Schoß.
Reißet von Banden
Freudig euch los!
Tätig ihn preisenden,
Liebe beweisenden,
Brüderlich speisenden,
Predigend reisenden,
Wonne verheißenden
Euch ist der Meister nah,
Euch ist er da!

Amen!