Predigt beim Begräbnisgottesdienst von Pater Winfried Glade

Schriftlesungen: Röm 5, 1-5; Joh 16, 28-33

Liebe Angehörige, Freunde und Bekannte von Pater Winfried,
liebe Mitbrüder und Schwestern unseres Missionsordens!

Bei seinem Abschied aus dieser Welt, sagte Jesus:
„Vom Vater bin ich ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater“.
Seine Jünger darauf: das ist eine klare Sprache.
Und was du da sagst, das glauben wir.
Darauf Jesus: Das glaubt ihr jetzt?
Es kommt die Stunde, – und sie jetzt schon da – da werdet ihr mit diesem eurem Glauben durch große Erschütterungen und Bedrängnisse hindurch gehen.
Mich werdet ihr allein lassen …
Aber – ich bin nicht allein; denn der Vater ist bei mir.
Und deswegen bin und bleibe ich im Frieden.
Das habe ich euch jetzt gesagt. Damit auch ihr –in mir – Frieden habt.
„In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber hat Mut! Ich habe die Welt besiegt“.

Bedrängnisse in dieser Welt – wir können an Lebende und an Tote denken – Bedrängnisse können von außen kommen – und auch von innen.
An den Flüchtlingen dieser Tage können wir ablesen, wie Bedrängnisse von außen, Krieg und Terror, Menschen in die Flucht treiben können.
Und auf der Flucht können dann innere Bedrängnisse aufbrechen:
Was wird auf uns zukommen, wo werden wir landen, was wird aus uns werden?

Pater Winfried hatte – neben Sternstunden, besonders in dieser unserer Kirche - auch – vor allem in seinem letzten Lebensabschnitt – Bedrängnisse, Krankheit – und was sich dabei in ihm selber abspielte… Es gibt nur einen, der Herz und Nieren erforschen kann. Er weiß es.
Dennoch kann an uns die Frage gerichtet bleiben:
Wie steht es in solchen Fällen und überhaupt in unserem Leben mit unserer Empathie, mit unserem Uns-hinein-fühlen-können in den andern.
Kritische Menschen weisen heute auf ein Zurückgehen einer solchen Empathie hin. Die digitale Medienwelt (Computer, Smartphone, Facebook, Handy) treibe da zu sehr ins Vielerlei und damit in Ablenkungen. Man könne dann äußerlich anwesend – aber innerlich abwesend sein.

So kann es sein, dass, wenn ein Mensch gestorben ist, die Frage aufkommt.
Wie warst du bei ihm und mit Ihm?

Paulus konnte so bei und mit Menschen sein, dass er ihnen Mut machte und in ihnen die Hoffnung stärkte - auf die kommende Herrlichkeit Gottes.
Dabei war Paulus keineswegs weltflüchtig. Er stellte sich – wie Jesus - den Bedrängnissen in dieser unserer Welt: Er weiß von Not, Verfolgung, Verleumdung, Hunger, Kälte, Gefahr, Schwert (mit dem dann auch sein Leben beendet wurde).
Inmitten von solchem machte Paulus aber die Erfahrung, dass da von innen eine Kraft aufbrechen kann, alles zu überwinden - und zwar - wie er sagt - durch den, der uns geliebt hat und liebt.
Diese Liebe Jesu, von der uns niemand scheiden könne, sei in unsere Herzen eingegossen. Anders gesagt: sie sei wie ein Feuer in unseren Herzen.
Der Brandstifter dabei, ein guter Brandstifter, sei der Hl. Geist.

In den vergangenen Tagen sagte mir jemand: Das Einzige, was mir noch zu hoffen übrig bleibt in meiner Krankheit und Depression, ist ärztliche Hilfe…
Ich versuchte, zu dieser „einzigen Hoffnung“ … die Hoffnung auf das Jenseits mit ins Spiel zu bringen.
Damit kann ich gar nichts anfangen. Für ihn gelte – wie er es neulich auch in einer Ärztepraxis gelesen habe: Ich glaube an das Leben vor dem Tod. Darauf sagte ich nur. Im Buch des Predigers (Kohelet) ist zu lesen:
Gott hat die Ewigkeit in unser Herz gelegt.
Und am Schluss des Credo bekennen Christen:
Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das Ewige Leben.

In dieser Welt habt ihr Bedrängnis, sagte Jesus.
Aber habt Mut! Ich habe die Welt besiegt.

Lieber Winfried! Dieses Wort Jesu dürfen auch wir dir jetzt zusprechen.
Du hast Schönes erlebt, aber auch Bedrängnisse gehabt. – Sie sind nicht das Letzte, das es für dich gibt. – Das Letzte ist: Hab Mut! Ich habe die Welt besiegt.
In deinen Liturgievorlesungen und in der Feier der Eucharistie, sagt Jesus, hast Du meinen Tod verkündet und meine Auferstehung gepriesen bis ich komme in Herrlichkeit.
Und so war dein Sterben das Auslöschen der Lampe im Morgenlicht,
nicht das Auslöschen der Sonne.

Pater Ludwig Hauser SVD