Primizpredigt 2011

Liebe Primizianten, Schwestern und Brüder,

Im heute gehörten Wort Gottes und in den Gebeten vom 7. Sonntag in der Osterzeit, dem letzten vor dem Pfingstfest, leuchtet ein Wort besonders auf. Ich zählte nach: 10 Mal kommt es vor, nämlich: das Wort Herrlichkeit bzw. verherrlichen. – So kam der Impuls: Predige darüber! Wenn möglich: theologisch – nicht zu abgehoben und nicht zu weltfremd.

Weltfremd: Denn wo ist in unserer Welt bei dem vielen Elend, den Krankheiten, Kriegen und Katastrophen …wirklich Herrlichkeit?

Am ehesten noch in der Natur: da kann man schon mal staunend sagen: eine herrliche Gegend oder welch ein herrlicher Tag!

Und wie ist das mit einer Primiz? Könnte man das auch noch als etwas Herrliches bezeichnen? In früheren Zeiten wurde Primizen oft noch viel festlicher gefeiert als heute bei uns.

Wenn ich an meine Primiz auf der schwäbischen Alb denke: Am Dorfeingang war ein mächtiger Triumphbogen, die Musikkapelle und die verschiedenen Vereine warteten, das ganze Dorf, Häuser und Straßen waren geschmückt, überall wehten Fahnen. Heute rückblickend macht mich das irgendwie sprachlos…, auch wenn jemand sagen würde: aber das war doch herrlich… .

 

Was ist herrlich?

Was meint die Bibel – und unser Glaube, wenn sie von „Herrlichkeit“ oder „verherrlichen“ reden?

Die meisten von uns kennen wohl das berühmte Lied von Beethoven „Die Himmel rühmen“. So beginnt der Psalm 19: „Die Himmel rühmen die Herrlichkeit, die Ehre Gottes.“

– Da ist an die Herrlichkeit Gottes in der Schöpfung gedacht. Für manche ist die Natur wirklich ein Weg zu Gott.

– Als einst Israel wunderbar trockenen Fußes durch das Rote Meer zog, heißt es: Jetzt seht ihr etwas von meiner Herrlichkeit… Da meint Herrlichkeit: von Gott wunderbar gerettet, befreit und geführt werden.

– Ein Beter (Ps 63): „Ich halte Ausschau nach dir im Tempel, um dort deine Macht und Herrlichkeit zu sehen.“ Herrlichkeit Gottes im Tempel…., in unsern Kirchen, Kathedralen, Domen. Herrlichkeit also auch da, wo wir jetzt sind, in der Hl. Geist-Kirche von St. Gabriel …, bei dieser Primizfeier.

Was wollen wir da jetzt sehen? Wonach halten wir Ausschau … ?

 

Jesus

Jesus spricht von Herrlichkeit, die ihm gegeben sei … und die auf uns übergehen soll.

Also: Herrlichkeit Gottes in Jesus – und von ihm her auch für uns.

Wie sollen wir das verstehen?

Bei der Hochzeit von Kana wandelte Jesus einst Wasser in Wein, damit die Leute feiern konnten. Die Bibel spricht da von „Herrlichkeit“, herrlich, was Jesus da für die Menschen tat und was da in ihm selber zum Vorschein kommt.

Bei dem letzten der sieben großen Herrlichkeits-Zeichen im Johannesevangelium – bei der Auferweckung des Lazarus – sagte Jesus zu Martha: „Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?“

Als der Tote lebendig wurde, sahen sie die wahrhaftig die Herrlichkeit Gottes… Sie schenkt Leben.

 

Paulus

Paulus sagt im 2. Korintherbrief ziemlich selbstbewusst: Wir spiegeln Gottes  Herrlichkeit wider und sie leuchtet in uns immer mehr auf  – von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. Können wir das – überzeugt – auch von uns sagen?

Albert Schweitzer meint: „Es kommt alles darauf an, dass in uns Licht ist (gemeint das Leuchten der Herrlichkeit Gottes) - Und in wem Licht ist, aus dem leuchtet es heraus“. Das gilt für jeden Menschen. Gilt es nicht in besonderer Weise für den Priester?

 

Heute

Vor Jahren feierten wir mit Pfarrer Karl Renner von St. Christoph im benachbarten Baden nicht Primiz, seine erste, - sondern seine letzte heilige Messe. Wir – das war eine kleine Gruppe zu fünft. Drei davon sind jetzt hier in unserer Kirche. Der Pfarrer, rund 40 Jahre alt, war nach kurzer Krankheit sterbenskrank. Wir waren bei ihm im Pfarrhaus. Er bat uns: „Holt mir für diese Messe …dort im Schrank… meine Primizkerze“. Sie war halb abgebrannt und darauf stand ein kleines Wörtchen, nur 3 Buchstaben: FÜR. „Das war mein Leben“ - FÜR …, sagte er mit bewegter Stimme

 

Liebe Primizianten,

Ihr habt gestern bei eurer Weihe Licht und Herrlichkeit empfangen…. Der heutige Tag will Euch nicht sagen: Das war gestern, das war einmal. Er will Euch sagen: Das bleibt. Und bleibend will davon nun etwas sichtbar werden und hineinleuchten in diese unsere Welt. Heute und in Zukunft.

Von Euch kann ich bezeugen, dass Ihr das nicht falsch versteht, nämlich: jetzt schaut auf uns, was aus uns geworden ist. Jetzt sind wir was. Jetzt sind wir Hochwürden.

Machtallüren und andere klerikale Albernheiten würden euer Priestersein verderben. Wenn Ihr eine hohe Würde habt – und die habt Ihr, dann hat das etwas mit der Herrlichkeit Jesu zu tun. Und diese ist Euch gegeben für andere. Dazu seid Ihr geweiht.

Ihr dürft als Mittler zwischen Gott und Mensch, als Diener Christi seine göttliche Heilkraft den Menschen zuwenden und ihnen in Wort und Sakrament Gottes Herrlichkeit bringen.

Eure persönliche Heiligung, etwas sehr Wichtiges, geschieht künftighin vor allem in dem, was Ihr von Gott her für andere tun dürft, durch Euern Dienst an andern, so sagt es das letzte Konzil.

So dürft Ihr im Namen Jesu – in persona Christi – sagen: „Das ist mein Leib – für Euch“. Entsprechend dem Wort bei der gestrigen Weihe: Ahmt nach, was ihr vollzieht…, will dabei von Euch selber, von Eurer Hingabe etwas ausstrahlen wie bei der Primizkerze von Pfarrer Karl Renner.

… Oder wenn Ihr sagen dürft: „Ich spreche dich los … im Namen Gottes…“

… und wenn Ihr Kranken die Hände auflegt und sie mit Öl salbt, sollt Ihr selber mit Eurer eigenen Existenz barmherzig sein, verzeihen können und heilend wirken. – So möge der Hl. Geist Euer Herz erfüllen mit Leidenschaft für Gott und für die Menschen. – Und möget Ihr einst sagen können: Wir haben den guten Kampf gekämpft: den Kampf – gestern Kardinal Schönborn - um das Gebet. Gebet als persönliche Beziehung zu Jesus. Gebet für andere .

Am Ende seines Lebens konnte Jesus sagen: Vater, ich habe dich auf der Erde verherrlicht, und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast….

Verherrlicht hat Jesus den Vater, indem er uns die Liebe des Vaters gebracht und dafür sein Leben hingab.

Dieser Weg Jesu war nicht weltlich-triumphal. Es war ein Weg, der ihn verwundet hat. Es war der Weg der verklärten Wunden, das heißt: der Weg von Tod und Auferstehung. Das ist auch unser Weg. „Stell dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes“ - hieß es gestern bei der Weihe.

So sagt uns heute der 1. Petrusbrief (- damals geschrieben für Christen in Kleinasien, in einer polytheistischen, esoterischen, und feindlichen Umwelt - ): „Wenn ihr wegen des Namens Christi leidet, seid ihr seligzupreisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes ruht dann auf euch.“

Ihr verherrlicht Gott, wenn Ihr – auch in feindlicher Umwelt – zu Euch selbst und zu Jesus steht. – Ihr verherrlicht Gott. Gott verherrlichen…

Ordensgemeinschaften erkannten, dass das, worum es ihnen zuletzt und zutiefst geht: die Herrlichkeit Gottes ist.

So heißt es bei den Benediktinern: Dass Gott in allem verherrlicht werde. Alles zur größeren Ehre Gottes.., bei den Jesuiten. Im Karmel sind es vor allem die Worte des Propheten Elia: Voll Eifer bin ich eingetreten für die Herrlichkeit, für die Ehre des Herrn. Es lebt der Herr, vor dessen Angesicht ich stehe.

In unserm Missionsorden könnten wir vielleicht stärker an das Wort des hl. Irenäus denken: gloria dei – homo vivens:Die Ehre Gottes ist der erlöste, lebendige Mensch.

 

Lieber Edwin, Puplius und Severin:

Ihr seid zu Priestern geweiht und dazu bevollmächtigt, dass Menschen erlöst und lebendig werden, dass Jesus in ihnen seine Herrlichkeit aufleuchten lasse… und zwar in jedem Menschen… aus welchem Land und welcher Nation er auch sein mag.

Wir Steyler Missionare und viele Menschen – vor allem hier in Europa – sind stolz auf Euch … und auch auf Eure Landsleute. Ihr versteht es recht, wenn wir Euch sagen: Eure Primiz - heute in unserer Mitte ist etwas Besonderes, ist etwas Herrliches.