Gottes Bund ist für die ganze Schöpfung

1. Die Lesung aus Genesis, mit dem Bund Gottes mit Noach, ist eine gute Nachricht für heute. Gott war ja verzweifelt mit seiner Schöpfung, vor allem den Menschen. Wenn man sich den Vater des Noach anschaut, ist das kein Wunder: Lamech ist ein übler Schläger (Gen 4,23f). Der Wettergott will also neu anfangen. Nur Noach und seine Arche überleben die Flut. Mit diesen Überlebenden schließt Gott einen Bund. Das ist mit der gesamten Schöpfung. Gott hängt seinen Kriegsbogen an den Nagel (Gen 9,13). Seither gilt: Die Schöpfung Gottes ist für alle da (nicht nur Juden, nicht nur Christen, sondern alle Menschen und Tiere).

2. Der Lateinamerikagipfel der EU in Wien im Mai wird sich um Verträge und Kontakte bemühen, von denen man sicher sein kann, dass es sich nicht um die Mehrheit des Volkes handelt, sondern den Konzernen soll Tür und Tor für ihre Geschäfte geöffnet werden. Ein Beispiel könnte der Landeshauptmann von Mato Grosso in Brasilien sein, Hr. Blairo Maggi: Der Staats-„diener“, wie er sich selbst bezeichnet auf der offiziellen Homepage des Staates, ist ein großer Sojaproduzent. Leuten wie ihm dienen Staat und Menschen, Technik und Beziehungen. Seinem Betrieb fallen Urwald und Arbeiter, Ökologie und Zukunft zum Opfer, „aber er ist ein ehrenwerter Mann“ (Shakespeare).

Bei diesem Lateinamerikagipfel wird es wahrscheinlich also nicht um das Heil für alle gehen (das wäre der Bund mit Noach), sondern um den Vorteil weniger Kapitalisten.

3. Jesus wird in der Wüste versucht. Vielleicht keine schlechte Situation: er lebte mit den wilden Tieren zusammen, die Engel dienten ihm. Er könnte dort geblieben sein, als Einsiedler. Ein ruhiges Leben und er wäre heilig geworden.

Als aber Johannes der Täufer eingesperrt wird –ein politischer Häftling–, geht auch Jesus an die Öffentlichkeit. Nicht im Zentrum der politischen und religiösen Macht (Jerusalem), sondern am Rand der Gesellschaft, in Galiläa. Dort, am Rand, hat er seine Wurzeln und von dort kommt er her. Dort beginnt er mit der öffentlichen Verkündigung: Das Reich ist nahe, glaube an das Evangelium (Mk 1,15).

Auch das Wort „Evangelium“ ist ein Wort aus dem politischen Bereich der zivilen Welt. Markus führt es in die christliche Literatur ein mit seinem Bericht. Das Wort bezieht sich auf die Botschaft von einem Sieg (zum Beispiel, der Marathonläufer brachte dieses „Evangelium“ nach Athen).
Jesus nimmt also seine Mission im öffentlichen Bereich auf, vom Rand der Gesellschaft her, von Galiläa ausgehend.

4. Das passiert auch uns so: vom Rand unserer Gesellschaft kommt uns die gute Nachricht, dass das Heil für alle bestimmt ist. Daher auch der Aufruf nach unserer Sinnesänderung und Bekehrung: Es geht darum, das Heil für alle Menschen einzufordern, im öffentlichen Diskurs unserer Gesellschaft, im Namen des Reiches Gottes.

P. Christian Tauchner SVD