Reinheit soll Freiheit ermöglichen

Die Lesung aus dem Alten Testament (Ex 20,,1-17) stellt die “10 Gebote” vor, eine Lebensregel, wie es sie auch in vielen anderen Kulturen in ähnlicher Form gibt. Es geht darum, Gott anzuerkennen und von daher das geschwisterliche und solidarische Zusammenleben zu regeln. Damit ist eine Doktrin gegeben, die auch in unseren Tagen wieder als Grundlage für das kirchliche Leben und für die Einheit in der Kirche angesehen wird (vgl. die Erklärung des Papstes zur Piusbruderschaft in seinem Brief). Für das Alte Testament hat das Festhalten an der Doktrin der 10 Gebote seinen tiefen Grund in der Berufung zur Freiheit, zum Leben im Gelobten Land. Dieses Leben in Freiheit und Geschwisterlichkeit möchte Gott überreich segnen (Ex 20,5f).

– Es zeigt sich allerdings auch, dass diese Doktrin nicht genug ist. Zur Zeit Jesu hat es immer wieder auch eine Anstrengung gegeben, über diesen Sinnraum der Freiheit hinaus auch noch einen Rahmen abzustecken, um sich mit Opfern den Segen Gottes zu erzwingen. In unseren Tagen reichen uns die Richtlinien der Doktrin nicht, um Entscheidungen in der Kirche zu treffen, sondern oft spielen auch Überlegungen von Kirchenbeitrag usw. eine entscheidende Rolle.
Jesus tritt im Evangelium diesem Markt und seiner Ausrichtung auf Opfer entgegen. Er reinigt den Tempel von solchen Sicherungen und dem Gerümpel, das sich gegen Gott und seinen Segen in der Freiheitstradition stellt. Dabei wird auch klar, dass er wieder auf den Menschen selber setzt: “Er sprach vom Tempel seines Leibes”. Es geht Jesus also nicht um äußerliche Rahmenbedingungen und Regeln, sondern um den Menschen selber. Als Menschen sollen wir frei werden für den Segen, den das Leben in Freiheit („aus dem Sklavenhaus heraufgeführt“) ermöglicht.

– Wenn wir auf unsere Opfer und Sicherheiten setzen, werden wir in Jesus einen Gegner finden, der bereit ist, das Gerümpel unserer Strukturen, unserer Märkte und Geschäfte auszuräumen und zu reinigen. Dann soll es wieder möglich werden, Gott direkt zu begegnen und das zu leben, was die Gebote beabsichtigen: Solidarität, Lebenssinn, shalom.
P. Christian Tauchner SVD