Sattheit 1. Fastensonntag

Sattheit ist uns bekannt, wir sind satt: Übersättigt von Essen, von Bildern, von Nachrichten — Fastenzeit ist angesagt: Abspecken, weniger, frei werden, den Blick auf Wesentliches konzentrieren.

Was haben wir satt? Hier geht es nicht mehr nur um das Freiwerden, sondern um das Frei-Machen: Unser Einsatz für andere!

– Schöpfer der Welt: Befreie uns in dieser Welt, die du allen gegeben hast, vom Ansammeln, vom Raffen und unserer egoistischen Unersättlichkeit – Kyrie eleison

– Erlöser der Welt: Du hast dein Leben für uns gegeben, damit wir frei werden für den Dienst an unseren Schwestern und Brüdern – Christe eleison

– Vollender der Welt: Du führst eine neue Welt herauf, in der alle teilhaben sollen am Leben und an den Lebensmöglichkeiten und Lebenssinn und Heil finden – Kyrie eleison
Predigt zu Mk 1,12-15

– Johannes hatte es satt (vgl. seine Predigt nach Mt 3,1-10; Lk 3,1-20): die Pharisäer mit ihrer Scheinfrömmigkeit, aber inneren Haltlosigkeit, ihrer formellen Gesetzestreue; die Soldaten mit ihren Erpressungen; die Priesterschaft mit ihren Machenschaften, ihrer Unterdrückung, ihren politischen Verbindungen; Herodes: der König mit seiner Schwägerin als Frau: Johannes forderte öffentliche Moral, ethisches Leben. Das kostete ihn Kopf und Kragen.

– Jesus begibt sich in die Wüste: Geleitet vom Heiligen Geist, setzt er sich aus: Unter den wilden Tieren lebt er, Engel bedienen ihn. Er lebt also mitten in der Welt, wie wir sie kennen: Zwischen Raubtieren (siehe unsere Zeitungen jeden Tag) und Engeln (hoffentlich auch rund um uns). In dieser Welt entwickelt er seine Option: Für das Leben, für die anderen, für das Reich Gottes. Auch er bekommt diese Welt satt: Als Johannes ins Gefängnis geworfen wird wegen seiner öffentlichen Predigt, übernimmt Jesus diese Mission, kündigt das Reich Gottes an, führt die Sendung des Johannes fort, wenn auch ganz anders.

– Wir und unsere Welt: Ich habe es satt, dass unser Leben offenbar in einem immer perverseren Konsumdruck seinen Sinn finden soll (Autos verschrotten); ich habe es satt, dass auch unser Staat unvorstellbare Summen den ewig gleichen Schwindlern und Spekulanten mit vollen Händen zusteckt; ich habe es satt, dass unsere Kirche zu diesen Themen von Zivilisation, Lebenssinn, Weltgestaltung, Gesellschaftspolitik nichts zu sagen weiß und sich statt dessen in internen Richtungskämpfen ergehen muss. Ich habe es satt, dass wir als Kirche, als Gemeinschaft Jesu, uns immer noch um den eigenen Nabel drehen, im Kreis gehen, uns in unserer Aussichtslosigkeit ergehen.

– Mit Jesus ist es an der Zeit, aus der Wüste herauszukommen, die Situation unserer Tage zu konfrontieren und klar anzukündigen: Das Reich Gottes ist nahe, ein anderes Wertsystem, ein anderer Lebenssinn ist möglich. Kehrt um! Glaubt an die Frohbotschaft.

Diesen Auftrag nehmen wir mit in die Woche, darin besteht unser Beitrag zur Gesellschaft um uns.
P. Christian Tauchner SVD