2. Fastensonntag: Ver-Sicherung

Abraham wollte alles: Er war hinter dem Segen Gottes her wie der Teufel hinter der armen Seele. Alles unternahm er dafür: Er verließ seine Heimat, zog rastlos weiter, tat alles Mögliche um einen Nachkommen zu bekommen (legal, von seiner Sklavin). Als ihm klar war, dass er schließlich seinen eigenen Sohn opfern musste für mehr Segen, hatte er keinen Zweifel.

Im Innersten, im Herzensgrund, geben wir der Gier nach Segen und Fülle nach: Erbarme dich, Herr!

—In Brasilien und vielen anderen Ländern gibt es „Kirchen“, die sich auf den Wohlstand spezialisieren. Es geht ihnen um die Sicherung des Reichtums, Zeichen des Segens. Dazu muss man den letzten Rest Geldes ausgeben, ins Spiel einsteigen: Sie stellen Gott als reichen Banker dar, der seinen Reichtum denen geben will, die ihren Besitz ins Spiel bringen. Solchen Marketingunternehmen, die sich als Kirchen ausgeben und aufführen, fallen oft gerade die Armen zum Opfer, weil sie in keiner Weise ihr Leben gesichert haben.

Die Unersättlichkeit kennen wir auch: Es reicht nicht, wenn wir für unser Leben ein Auskommen finden. Die zentralen Fragen nach Essen, Wohnung, Kleidung, Bildung, Arbeit und Freizeit drängen uns nach einem immer größeren Konsum.

—Abraham ist unser Ahnvater in diesem Hunger nach Segen (ich stelle ihn von seiner Schattenseite dar; er bleibt unser Vater im Glauben!): Er suchte mit allen seinen Kräften den Segen zu sichern: Einen Sohn noch im Alter, wenn schon nicht anders, dann mit einem legal möglichen Vorgang über eine Sklavin. Schließlich erlangt er doch noch mit seiner eigenen Frau einen Sohn des Segens. Es ging ihm gut damit. Aber es war nicht genug: Mehr Segen brauchte mehr Opfer. Der größte Segen brauchte das größte Opfer: Den eigenen Sohn, die ganze Zukunft aufs Spiel setzen. Dazu war er bereit. Wer Segen in Fülle will, muss Opfer in Fülle bringen.

Wir sind Abraham: Wir bringen alle möglichen Opfer, um unser Leben mehr zu sichern, seine Fülle mehr auszuleben.

—Jesus ist in der Glorie mit seinen Jüngern: Auf dem hohen Berg, im Gespräch mit Elija und Mose. Das ist der Himmel auf Erden, das ist Vollendung.
Petrus möchte diesen flüchtigen Moment der Vollkommenheit institutionalisieren: Hütten sollen gebaut werden, der Moment eingefangen und festgemacht werden. Das ist so, wie viele Gemeinschaften mit ihrer Mission umgehen: Wenn man eine Mission aufmachen will, also die Utopie umsetzen will, wird zuerst ein Haus gebaut mit Mauern, Türen, Schlüsseln – der Widersinn der Freiheit. Petrus wusste nicht, was er sagte: Das ist Unsinn, es geht nicht.
Wir werden mit Petrus auf die Brüchigkeit einer unsichtbaren Stimme verwiesen: Das ist mein Sohn, hört auf ihn. Keine größere Sicherheit und Möglichkeit auf dieser Erde als das Wort, das von einer Utopie redet.

—Für unser Leben wird uns keine Sicherheit und keine Erfüllung angeboten, trotz unserer Opfer und unseres unermüdlichen Suchens, als das Versprechen und die Zusage einer Vision: „Auferstehung der Toten“, unverständlich auch für die engsten Freunde Jesu. Unser Vertrauen kann nicht von der Festigkeit der Institution kommen, sondern gründet sich in der Leichtigkeit der Utopie.
P. Christian Tauchner SVD