Nachruf Pater Hermann Hochegger SVD 1931-2009

Hermann Hochegger wurde am 17. März 1931 in Köppling, Pfarre St. Johann ob Hohenburg, Diözese Graz-Seckau, geboren.
Er besuchte das Gymnasium in St. Severin / Fürstenfeld und in St. Rupert / Bischofshofen, wo er 1953 die Matura ablegte. Am 8. September 1953 wurde er ins Noviziat in St. Gabriel aufgenommen. Die ersten Gelübde legte er im September 1955, die Ewigen Gelübde vier Jahre später ab. Am 26. Mai 1960 wurde er zum Priester geweiht.

Nach einem Jahr Sprachstudium (Französisch) begann er das Studium der Ethnologie an der Universität Löwen. Dort erwarb er 1963 das Lizenziat.
Von 1963 bis 1965 arbeitete er als Professor am College in St. Paul, Bandundu, Kongo, dann in der Pastoral an der Basis unter den Bayanzi im Inziagebiet
Von 1965 bis 1998 war er Direktor des Kulturinstitutes CEEBA.

Von 1970 bis 1973 studierte er in Paris an der Sorbonne. Er schrieb in seinem Doktorat über die Ba-Boma. Das Material hatte er als Pfarrer in Ito gesammelt.

In seinem Bestimmungsland, dem Kongo, war er insgesamt 34 Jahre als Pfarrer, Professor, Studienleiter und Forscher tätig. Um nach dem blutigen Konflikt zwischen Hutus und Tutsis Wege der Versöhnung zu finden, wurde er 1997 nach Burundi berufen.

Im Jahre 1998 kam er nach Österreich zurück und dozierte im selben Jahr und auch drei Jahre später Kulturanthropologie am Institut für Indische Kultur in Mumbai, Indien.

Bis zu seinem Tod war er wissenschaftlich tätig. Die Liste seiner Publikationen in seinem Fachgebiet ist beachtlich.

Seit den letzten beiden Generalkapiteln sehen die Steyler Missionare im Dialog eine Haltung von Solidarität, Achtung und Liebe, die all unser Tun durchdringen soll. Ganz im Sinne von Gaudium et Spes des 2. Vat. Konzils. Gemeinsam mit ihren Gesprächspartner hoffen sie, die Stimme des Geistes Gottes zu hören, der sie in Kirche und Welt vorwärts drängt. P. Hocheggers große Leidenschaft war Dialog mit den Kulturen Zentralafrika’s zu führen und den religiösen Hintergrund der Zentralafrikaner zu erforschen und bekannt zu machen.

Er hat den jüngeren Missionaren immer wieder gezeigt, wie sich der christliche Glaube in allen Bereichen des Lebens auswirkt, wie ihm neben der religiösen auch eine psychologische, soziale und wirtschaftliche Bedeutung zukommt.

P. Hochegger hat unendlich viel Material über den kulturellen Hintergrund der afrikanischen Menschen zusammengetragen und veröffentlicht. Er hat anderen geholfen, sie mit eingebunden, diesen Hintergrund zu erforschen und schriftlich festzuhalten. Seine Arbeiten und Forschungen kreisten um die großen Themen: Geburt, Heirat und Tod.

Sein Lebenswerk ist eine ganze Bibliothek mit Büchern über Symbole, Riten, Mythen, Sprichwörter, Grammatiken, Wörterbücher im Herzen Afrikas.
Einen wichtigen Dialog führte er in seiner Zusammenarbeit mit dem Bibelinstitut in Bandundu woraus die „Bibel im afrikanischen Kontext“ entstand.
Gastfreundschaft war immer einer seiner unvergesslichen und markanten Züge. Sie zeigte sich in den kleinen Dingen des Alltags: In der Ethnologenmission B’Lute war jeder immer willkommen. Ebenso in Ito, wo er einen guten Koch hatte. Für die große Gemeinschaft von Bddu machte er fast regelmäßig ein Früchteeis zum Mittagessen, wenn er das dazu nötige Material zur Verfügung hatte. Schon ganz zu Anfang hat er die Missionare zusammengeführt in den ethno-pastoralen Studienwochen. Das war in den ersten Jahren der Diözese Kenge sehr wichtig, um eine einheitliche Pastoral zu finden. In wenigen Jahren waren aus vier Missionen, die die Steyler Missionare 1951 von den Jesuiten übernommen hatten, ganze 25 Pfarreien geworden –das in einem Gebiet so groß wie Belgien.

Die jungen Missionare hatten Theologie, Missiologie und Völkerkunde studiert. Sie säten den Samen der christlichen Lehre, er wuchs, bei Tag und bei Nacht, aber sie wussten nicht wie? P. Hermann Hochegger half ihnen, kritisch zu beobachten, aufmerksam zu sein, auf alles, was um sie herum geschah.
Er hatte immer eine offene Tür für seine Mitmissionare, immer offene Ohren, immer ein offenes Herz. Im Gespräch miteinander wurde gerungen und gestritten und viel voneinander gelernt, worauf es jeweils ankam. Alle waren miteinander unterwegs. Manchmal traurig und suchend wie die Emmausjünger. Manchmal verzweifelt, aber immer überzeugt von der unerschütterlichen Treue Gottes.