Auferstehungsgottesdienst für Wendelin Kaufmann SVD

„Wenn Gott mich heim ruft zu sich, ist meiner Seele höchster Feiertag; denn ich gehe zu dem, der mich am meisten liebt."
(Augustinus)

Lieber Wendelin,
nun bist du heimgekehrt zu deinem Schöpfer, du bist zu dem gegangen, der dich am meisten liebt.

Ich habe dich zum letzten Mal während der Zonenversammlung im vergangenen Oktober hier in St. Gabriel getroffen. Ich sass am Abend mit Otmar Auinger im Stüberl und pünktlich um halb 10 Uhr hast du dich dazu gesellt und mit uns zusammen ein Bierchen getrunken. So haben wir dich alle in Erinnerung, ein geselliger und interessierter Mitbruder; du hast dich für andere eingesetzt und dich selber dabei nicht geschont.

Das ist ganz bestimmt der Grund, warum dein plötzlicher Heimgang zum Gott des Lebens so grosse Anteilnahme ausgelöst hat. Aus aller Welt sind die Briefe eingetroffen, um Anteil zu nehmen am schmerzlichen Verlust. Unser Mitbruder Walter von Holzen schreibt aus Paraguay: „Ich habe von meinen Sedos- Jahren in Rom eine wunderbare Erinnerung an Wendelin. Mit seiner Ruhe und Hilfsbereitschaft hat er mir damals – und vielen, vielen anderen – oft aus einer Computerpanne herausgeholfen. Von vielen anderen Dingen gar nicht zu reden.“ Und auf seinen unerwarteten Tod Bezug nehmend schreibt Walter: „Wir sind jeden Tag ausschliesslich in Gottes Hand.“

Wendelin, du bist am 26. September 1941 in Kulmerau in der Nähe von Luzern in der Schweiz geboren. Deine Eltern Jakob und Verena Kaufmann schenkten 11 Kindern das Leben, von denen du das Zweitjüngste warst. In der geborgenen und von tiefem Glauben geprägten Atmosphäre deiner Familie ist deine Berufung zum Steyler Missionar gewachsen. Nach der Primarschule in deinem Heimatort hast du in der Marienburg in der Ostschweiz das Gymnasium der Steyler Missionare bis zur 6. Klasse besucht, dann hast du in das Lyzeum der Stiftschule Einsiedeln gewechselt, wo du 1963 die Matura gemacht hast.

Nach dem Noviziat und dem Studium der Theologie in St. Gabriel bist du 1970 in der Marienburg zum Priester geweiht worden. Dort hast du anschliessend ein Jahr lang im Unterricht mitgearbeitet. Die nächsten Jahre waren in München den höheren Studien der Naturwissenschaft und der Philosophie gewidmet, die du mit dem Doktorat abgeschlossen hast. Ab 1981 hast du an den Hochschulen hier in St. Gabriel, später auch bei den Zisterziensern im Stift Heiligenkreuz und bis zuletzt in Sankt Augustin bei Bonn unterrichtet.

Acht Jahre lang warst du Assistent des Novizenmeisters Rudi Pöhl. In dieser Zeit war ich Novize in St. Gabriel. Ich kann mich sehr gut an diese Zeit erinnern. Wir waren 5 Novizen und der Novizenmeister und du, ihr hattet alle Hände voll zu tun mit dieser kleinen Gruppe. Herbert Thanner und Leo Leeb aus Österreich, Kruno Ognjenovic und Zeljko Zivkovic aus Kroatien und ich aus der Schweiz. Das war eine bunte internationale Gruppe, die zu bändigen war. Du Wendelin warst zuständig für die manuelle Arbeit und hast dich darum gekümmert, dass wir Novizen immer genug Beschäftigung hatten. Wir haben verschiedene Hauslager geräumt, Zimmer neu eingerichtet und gestrichen und immer wieder Gartenarbeit verrichtet. Du hast es ausgezeichnet verstanden, uns in dieser Zeit des Handwerkes deine vielen Fähigkeiten zu zeigen und auch unsere Begabungen zu fördern. Bei einem Gläschen Bier haben wir anschliessend so manches Gespräch geführt über die Berufung eines Steyler Missionars, über unsere Visionen und natürlich auch über unsere alltäglichen Sorgen und Probleme. Bis heute sind Leo Leeb, Professor in Peking in China, und ich bei den Steyler Missionaren, ausgestattet mit viel Allgemeinbildung, die wir dir zu verdanken haben.

Was unvergessen bleibt sind auch die zahlreichen Ausflüge, die uns mit dir Jumbo, wie wir dich liebevoll nannten, nach Steyl und Oies und bis nach Zadar in Kroatien führten. In Steyl haben wir den Gründer Arnold Janssen besser kennen gelernt, in Oies den ersten Steyler Chinamissionar Josef Freinademetz und in Zadar den Wirkungsort unserer Mitbrüder und die wunderschönen Strände an der Adria.

In St. Gabriel hast du auch als Vize-Rektor und Hausrat gewirkt und dich für die Anliegen der Mitbrüder eingesetzt. Neben deiner wissenschaftlichen Tätigkeit hast du gerne auch verschiedene pastorale Aufgaben übernommen, die dich in den Ferien bis ins Südtirol geführt haben. In den Vorlesungen für Philosophie warst du für die Logik zuständig und diese Wissenschaft hast du uns Studenten damals mit viel Begeisterung und Einsatz beigebracht, auch wenn die Zahlen und Satzmuster trockene Materie waren und eher nach Mathematik aussahen. Mit einfachen und praktischen Beispielen aus dem Alltag hast du es verstanden, uns in diese Kunst einzuführen.

Wenn du, lieber Wendelin, von einigen Mitbrüdern als hartnäckig oder unnachgiebig bezeichnet wurdest, dann ist das darauf zurück zu führen, dass du eifrig warst im Diskutieren.
Du konntest bis spät in die Nacht am selben Thema mitdiskutieren und deine logischen Standpunkte vertreten. Nun, da es in der „Brettl-Bar“ keine Vorlesungen waren, war es uns Studenten schon auch mal gestattet, dir zu widersprechen, was dann aber eine noch tiefere Diskussion auslöste.

Die Arbeit mit dem Computer gehörte zunächst zu deinen grossen und nützlichen Hobbies. Du hast dich dann immer mehr darin vertieft und warst wesentlich am Aufbau der EDV am Provinzialat und für die Finanzabteilung am Generalat verantwortlich. Du warst massgeblich an der elektronischen Vernetzung in St. Gabriel und am Internetauftritt in der deutschsprachigen Teilzone beteiligt. Bei deinen Mitbrüdern, Mitarbeitern und auch in Rom warst du ein gesuchter und viel gefragter Nothelfer und Berater, der sofort zur Stelle war.

Und genau aus diesem Grund hast du auch dieses Mal wieder in Italien geweilt. Wie in den vergangenen Jahren bist du vor Weihnachten nach Rom gefahren, um das Computersystem unseres Generalats zu betreuen. Ab dem Stefanstag hast du dich nicht wohl gefühlt. Du wurdest in die Notaufnahme eines Krankenhauses gebracht, wo die Ärzte einen schweren Herzinfarkt feststellten. Dein Zustand verschlechterte sich zusehends, sodass am Ende keine Hilfe mehr möglich war. Am
2. Januar 2010, um 12.30 Uhr, hat dein Herz zu schlagen aufgehört, heimgekehrt in die Geborgenheit deines Schöpfers.

Herbert Scholz schreibt aus dem Generalat in Rom: „Als die Nachricht vom Tode Wendelins im Collegio bekannt wurde, traf sie alle als ein grosser Schock. Niemand hatte im Entferntesten damit gerechnet. Alles kam so schnell und unerwartet. Wir haben einen lieben und sehr fähigen Mitbruder, der so oft hier zu Gast war, verloren. Darüber hinaus ist sein Tod auch ein grosser Verlust für das Generalat, aber natürlich auch für die Provinzen OES und GER. Unsere Gedanken gehen auch an die Geschwister Wendelins. Obwohl sie sicher von St. Gabriel aus benachrichtigt wurden, muss ihnen der so plötzliche und völlig unerwartete Tod Wendelins einen ganz tiefen Schmerz bereitet haben. P. General und die römischen Mitbrüder teilen diesen Schmerz.“

Die Nachricht von deinem plötzlichen Tod, lieber Wendelin, hat unsere Mitbrüder in der Schweizer Provinz und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr getroffen. Du wirst uns als ein bescheidener, hilfsbereiter und freundlicher Mitbruder in Erinnerung bleiben. Gott schenke dir für immer seinen himmlischen Frieden. Er ist es, der dich, lieber Wendelin, am meisten liebt. Amen.

P. Hans Weibel SVD