Lebenslauf P. Josef Scherer SVD

Josef Scherer wurde am 13.9.1935 in Quirschied im Saarland (Diözese Trier) geboren und ist dort mit seinen Geschwistern aufgewachsen. Von 1948 bis 1954 besuchte er das Missionsgymnasium der Steyler Missionare in St. Wendel. Nach der Matura 1954 in St. Wendel begann er im gleichen Jahr sein Noviziat in St. Gabriel und studierte dort auch Philosophie und Theologie. Nach den ewigen Gelübden 1960 wurde er am 19.3.1961 in St. Wendel zum Priester geweiht. Er studierte dann weiter Philosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, schloss mit dem Lizentiat ab und setzte seine philosophischen Studien an der Wiener Universität fort.
Er wirkte als Kaplan in der Pfarre Alxingergasse in Wien. Während seiner Studien in Wien war er Hausgeistlicher der Missionsschwestern SRA und Seelsorger im Krankenhaus Goldenes Kreuz. Seit 1972 dozierte er Philosophie und Philosophiegeschichte an der Theologischen Hochschule St. Gabriel. Philosophie war ihm nie eine weltfremde Wissenschaft. Von seinen Schülern wurde er als der lustige und tiefe Philosoph erlebt. Zeitweilig war er Assistent des Theologenpräfekten in St. Gabriel. Seit 1978 war er Assistent der Katholischen Frauenbewegung der Erzdiözese Wien.
Wo immer er wirkte, setzte er sich mit seiner ganzen Person ein. Vor allem Kranke und Menschen in schwierigen Lebenssituationen danken ihm für weites verständiges und mitfühlendes Herz, für seine vielfältige Hilfe und sein immer bereites Verständnis.
Besonders die letzten Wochen seines Lebens waren von leidvoller Krankheit gezeichnet, die er mit Geduld, tiefer Innerlichkeit und dem ihm eigenen Humor zu tragen wusste.

Gedanken zu P. Josef Scherer SVD

„Glaube, der verständige Einsicht sucht“, das sollte einmal der Buchtitel des frühmittelalterlichen hl. Anselm von Canterbury sein. Glaube, der verständige Einsicht sucht, könnte auch als das Lebensprogramm von Josef Scherer gelten. Aber so wie Anselm seine Einsicht nicht für sich allein suchte, sondern auch für die Menschen, (er sagte einmal, er meditiert, um andere Menschen fröhlich zu machen), so war auch Josef Scherer immer offen für die Menschen, die ihn brauchten. Er lebte aus einem lebendigen, wohl auch kritischen und niemals naiven Glauben. Er war ergriffen von diesem Glauben an Gott und Jesus Christus und er suchte zu begreifen, was ihn ergriffen hatte.

Entsprechendes deuten die biblischen Texte an. Die Stelle aus dem Johannes-Evangelium spricht vom Glauben an Jesus Christus, fasst in diesen wenigen Sätzen die ganze Christusbotschaft zusammen: In diesem Mann aus Nazaret begegnet Gott. In seinem Wort und in seinem Handeln, in seinem Leben und Sterben, wird Gottes Absicht mit uns Menschen in einmaliger Weise hörbar und erkennbar. Er ist das Licht. Und in diesem Licht wird dem Glaubenden der Sinn der Welt und der eigenen Existenz offenbar. Und Gott will das Heil aller Menschen, nicht ihr Verderben. Jesus ist Gottes Einladung an alle zum Leben.

Hier im Evangelium ist der Glaube angesprochen, das unmittelbare sich Öffnen auf sein Wort. Aber Glaube ist nicht Verzicht auf Denken. So sehr der Glaube auch Geschenk ist, er will bedacht und verstanden sein. Der denkende Mensch will begreifen, was ihn ergreift. Da setzt die Weisheit ein. Das lateinische Wort für Weisheit, sapientia, kommt von sapere, schmecken. Der Weise ist ein Mensch, dem die Dinge schmecken, wie sie sind. Ein weiser Mensch hat den klaren Blick für die Wirklichkeit. Er ist um Einsicht bemüht, Einsicht in der doppelten Bedeutung des Wortes: Hineinsehen, die Wirklichkeit in ihrem Kern erfassen, und in eins sehen, den offenen und verständigen Blick für das Ganze der Wirklichkeit behalten. Und er macht solche Einsicht für das Leben mit anderen und für andere fruchtbar. Weisheit führt zu vernünftigem Handeln.
Die alttestamentliche Weisheit geht noch tiefer. Unser Text ist eine Lobrede auf die Weisheit, schildert ihr Wesen und Wirken, ist Einladung, sie zu erkennen und enthält die Bitte an Gott, von ihr erfüllt zu werden. Sie ermöglicht dem Menschen nicht nur, seine Aufgaben im Jetzt zu erkennen und zu erfüllen. Sie führt zu Gott selbst zurück, ist ein „Hauch der Kraft Gottes und Widerschein des ewigen Lichtes, ungetrübter Spiegel von Gottes Kraft, das Bild seiner Vollkommenheit.“

Josef Scherer, der Jahre lang an schmerzlichen Krankheiten litt, konnte von sich sagen: „Ich liebte sie mehr als die Gesundheit.“ Aber vor allem darf von ihm gelten: „Uneigennützig lernte ich, und neidlos gebe ich weiter. Ihren Reichtum behalte ich nicht für mich.“ Er war ja nicht nur Philosoph, sondern ein begehrter und weithin geschätzter Seelsorger, der immer offen und bereit sich den Menschen widmete. Kranke konnte er trösten; Verzagte ermutigen, Verzweifelte aus ihrer Not befreien und vielfältige priesterliche Dienste ganz selbstverständlich übernehmen. Wo immer er wirkte, setzte er sich mit seiner ganzen Person ein. Vor allem Kranke und Menschen in schwierigen Lebenssituationen danken ihm für sein weites verständiges und mitfühlendes Herz, für seine vielfältige Hilfe und sein immer bereites Verständnis.

P. Josef Salmen SVD