Predigt beim Begräbnis von Br. Karl Schütz von P. Provinzial Josef Denkmayr SVD

„Mach mich gesund und lass mich wieder genesen“.
Eindringliche Worte, die voller Hoffnung sind.

Liebe Gottesdienstgemeinde!

Es könnten Karls Worte sein – die verzweifelten Worte des Königs Hiskija.
Die Worte von Karl klangen ähnlich:
Am 14. Juli schreibt Karl auf einen Zettel: „Frühzeitig aus diesem Erdenleben scheiden!? Das würde mir sehr leid tun. So gerne hätte ich von meinem reichhaltigen und wohl vielfältigen Leben aufgeschrieben. Einige Enttäuschungen und Schweres gab es oft zu meistern. Es folgten höchst interessante Erfahrungen. Schreiben, auch Briefe, war immer schon ein Hobby von mir. Ein Buch vielleicht, letztlich als kleines Lebenswerk.“
Kein Buch am Ende.

Das Buch Jesaja behält recht: „Wie ein Weber hast du mein Leben zu Ende gewoben, du schneidest mich ab wie ein fertig gewobenes Tuch.

Kein Buch am Ende.
Nur einige handgeschriebene Seiten – vieles ist nicht mehr so leicht zu lesen: „Die so ermüdende Chemotherapie lässt mich nicht mehr schreiben. Auch die Hände zittern. Kannst alles entziffern?" – steht auf einer anderen Seite, mit einem Fragezeichen zum Schluss.
Und da werden die wenigen Seiten doch irgendwie zum Buch – weil es immer so war. Karl hat mit wenigen Worten viel gesagt.
Und wenn Gott ihm nicht mehr die Zeit geschenkt hat mehr zu schreiben, dann wohl deshalb, weil das Tuch fertig gewoben war. Ein buntes Tuch, das Leben unseres Mitbruders Karl Schütz. Ein buntes, schönes Tuch – fertig gewoben. Ich glaube nicht, dass noch was gefehlt hätte.

Als ich Bruder Karl Anfang Juli von Wels abholte, die ersten Symptome seiner schweren Krankheit zeigten sich, da wollte er zuerst gar nicht mitfahren. Die Stadt Gottes, die Förderinnen, so vieles hätte er noch zu tun…
Und dann hat er plötzlich zu sich selber gesagt: „Es wird alles zu was gut sein“ – ist eingestiegen und wir sind gefahren.
Es wird alles zu was gut sein – sich selber hat er diese Worte zugesprochen, sich selber zu dieser Gelassenheit wieder gemahnt – weil diese Gelassenheit so ganz das war, was den Karl ausgemacht hat. Und von da an hat, neben seiner Hoffnung, auch die Gelassenheit den Alltag seiner Krankheit bestimmt: Hoffnung und Gelassenheit nebeneinander, wie zwei Geschwister. Und deshalb passen die Worte der Hoffnung aus der Lesung zu den Worten des Evangeliums, welche von der Gelassenheit reden:
„Sorgt euch also nicht“.

Lieber Karl: Deine Weise zu hoffen und deine Weise, in Gelassenheit die Dinge anzunehmen, ich wünsche mir so sehr, dass wir sie nicht vergessen. Weil man leider ohnehin so schnell vergisst…
Und da ist mir in der aktuellen Stadt Gottes ein Artikel geradezu ins Auge gesprungen, und ich meine, dass es dem Karl nur recht ist, wenn ich daraus kurz vorlese:
Zwischen vergessen und erinnern – ein kurzer Artikel auf der vorletzten Seite, da lese ich:
Anfangs dachte ich, ich hätte mich verhört. "Wir werden sie vergessen“, Worte, ausgesprochen vor vielen Jahren von unserem Pfarrer beim Begräbnis meiner Tante Maria. Wir werden sie vergessen! Und sogar wir, die wir unsere Tante gekannt haben, werden sie vergessen? (Fragezeichen) – nur ein kurzer Ausschnitt des Artikels.

Kann es sein, dass wir den Karl vergessen?
Und das, was ihn ausgemacht hat? Das was ihm so wichtig war? Das, was er weniger gepredigt aber vielmehr gelebt hat?
Seine Verbundenheit zur Natur… Seht euch die Vögel an… die Lilien des Feldes… Und er hat es immer noch so sehr genossen, wenn er hier in St. Gabriel im Garten sitzen konnte, ein gemütlicher Lehnstuhl eigens für ihn hergerichtet, das war ihm dann sein Paradies – so hat er es selber bezeichnet.

Kann es sein, dass wir den Karl vergessen?
Seine Weisheit vergessen?: „Ich frage nicht mehr Warum ich krank bin… ich frage – Wofür!“ Auch das hat Karl einmal gesagt. Unser Rektor hat es auf die Parte geschrieben. Ja stimmt, er hat es auch zu mir einmal gesagt, als ich ihn besuchte. Und ich habe nachgefragt: Wofür? Wofür glaubst du, dass deine Krankheit vielleicht einen Sinn haben könnte? Und Karl hat gesagt: Damit wir wieder mehr dankbar sind für das, was wir haben. Dass wir UNS haben - hat er gesagt. Und er hat ergänzt: Dass wir uns HABEN und dass wir uns MÖGEN.

Er war so dankbar für jeden Besuch, für jedes gute Wort, für ein interessantes Gespräch: „Da leb ich wieder auf!“ hat er gesagt und voller Dankbarkeit hinzugefügt: Wenn ich einmal drüben bin, dann rede ich über euch nur Gutes!
Soviel Weisheit aus Karls Mund. Soviel Güte! Irgendwie war er schon ein besonderer Mensch. In einer guten Weise eigen-artig. Ich hoffe, dass wir ihn nicht so schnell vergessen. Und dass wir vor allem das nicht vergessen, was uns Bruder Karl lernen kann, nämlich:
Das hoffnungsvolle Vertrauen in das Gute und, die Gelassenheit, mit sich und mit der Welt versöhnt durchs Leben zu gehen. Das konnte Bruder Karl wirklich gut.

Und die Worte des heutigen Evangeliums waren ihm vermutlich nicht nur ein Lebensmotiv, sondern er selber hat diese Worte ganz und gar gelebt.
„Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen. Dann wird euch alles andere dazugegeben.“
Bruder Karl hat sich ganz dafür eingesetzt: Für das Reich Gottes, damit es hier schon beginnen kann, durch seinen Einsatz für Gerechtigkeit; durch sein Engagement in der Bewahrung der Schöpfung; durch seine Bemühungen um Frieden; durch sein Interesse am Leben der Anderen… so vieles könnte aufgezählt werden. Es ist nicht nötig. Ihr habt ihn alle gut gekannt.
Hier in Österreich und bis nach Papua Neuguinea. Bruder Tony schreibt von dort in einer Mail:
„Mein herzliches Beileid für euch, die ihr um ein lächelndes Gesicht ärmer geworden seid.“

Wir haben viel Grund, Gott für Karl zu danken. Und wir tun es mit ihm, mit Bruder Karl, denn auch er dankt in seinen letzten Zeilen wo er schreibt:

„Dann werde ich getrost und zufrieden von dieser oft leidvollen Erde Abschied nehmen, wo es doch auch so viel Schönes gibt und so viel höchst beglückende Liebe, Freude, ….
Vom Innersten her danke ich allen Menschen, jenen großen Personen, von denen ich Wunderbares erfahren durfte. Mein Kopf ist durcheinander und meine Hand zittert seit heute Früh. Karl Schütz"