Noviziat

Hallo liebe Interessenten

Was bedeuten die 12 Monate Noviziat für mich oder allgemeiner formuliert, was ist das Noviziat überhaupt? Unter dem Punkt "Steyler werden" wird über das Noviziat folgendes aufgeführt:

„Mit dem Eintritt ins Noviziat beginnt eine intensive Auseinandersetzung mit der persönlichen Nachfolge Christi als Steyler Missionar. Das Noviziat dauert ein Jahr und beginnt jeweils Anfang September. Das gemeinsame deutschsprachige Noviziat befindet sich in Berlin. Am Ende des Noviziates legt der Novize zum ersten Mal für ein Jahr die Gelübde der Armut, Ehelosigkeit und die des Gehorsam ab (evangelische Räte). Damit bindet er sich auf Zeit an die Gemeinschaft.

Nun wechselt er ins Juniorat. Das sagt noch nicht allzu viel. Ich möchte mehr über meine Erfahrungen als Novize der SVD berichten. Gern nutze ich als Antwort auf die Frage, was unter Noviziat zu verstehen ist den Vergleich mit der Beamtenlaufbahn im öffentlichen Dienst: Es ist die Anwartschaft auf die Vollmitgliedschaft in der Gesellschaft des göttlichen Wortes. Die Zeit der Anwartschaft besteht aus Postulat, Noviziat und zeitlichen Gelübden.

Es hat gewisse Ähnlichkeit mit einer Schul- und Berufsausbildung mit dem Ziel der Vorbereitung auf das Leben. Es ist vergleichbar mit der Fahrschule, die das Ziel hat, den Führerschein und die Mobilität zu erlangen. Es hat aber auch Ähnlichkeit mit dem Studium, das durch Forschung und Lehre die Welt begreifen und beschreiben will.

Alle diese Ähnlichkeiten beginnen mit einer bewussten Entscheidung, Anmeldung, Registrierung und Betreuung und sind nicht der Beliebigkeit unterworfen wie die vielen Hobbys, welche ich im Laufe meines Lebens begonnen und nicht zu Ende geführt habe.

Ich probiere unter realen Umständen das Leben als Ordensmann in einer Gemeinschaft mit Priestern und Brüdern, um zu prüfen, ob die innere Berufung zur Nachfolge auch alltagstauglich ist und trägt. Deshalb gibt es das kanonische Jahr, deshalb gibt es einen Novizenleiter, deshalb gibt es eine Gemeinschaft, deshalb gibt es Arbeit- und Gebetszeiten.

Das klingt alles sehr einfach und unkompliziert. Doch versucht es einmal und ihr werdet schnell auf Probleme, Ärger und Frust stoßen. Denn so romantisch und harmonisch ist das Leben in einer Gemeinschaft von vielen Individuen nicht. Da kommt der Gedanke, doch einfach damit aufzuhören und einen anderen Wege zu gehen. Nun kommt die Grundvoraussetzung, Eignung und Hauptmotivation auf den Prüfstein. Soweit es mich betrifft, beurteile ich als erstes die Situation bzw. Konflikte mit mir und Gott im Gebet, um dann auf der weiteren Ebene der zwischenmenschlichen Beziehung zu reagieren oder zu agieren.

Somit ist das Noviziat weniger abhängig von der Qualität eines Novizenleiters oder der Gemeinschaft, sondern es ist mehr die Sache zwischen Gott, seinem Sohn und mir selbst.

Marion Nitche