Das Postulat

Was ist ein Postulat?

Das Wort Postulat kommt vom lateinischen Wort "postulare" und das heisst "fordern/ anfordern". Das bedeutet also, dass ein Interessierter „(an)fordert“, in eine Ordensgemeinschaft einzutreten.

Bei der Gesellschaft des Göttlichen Wortes heißt dies konkret: Wenn ein Interessierter, nach den ersten Kontakten mit der Ordensgemeinschaft und einer Zeit des Kennenlernens, diese noch näher kennenlernen bzw. eintreten möchte, geht er in das Postulat. Dies ist dann ein ca. sechsmonatiges Mitleben in einer Steyler Gemeinschaft. Es ist eine Zeit des ersten Erprobens im Ordensleben.

Der Betreffende lebt, betet und arbeitet in der Gemeinschaft mit. In dieser Phase wird er von einem erfahreren Mitbruder begleitet. Eventuell gibt es mehrere Postulanten, die dann gemeinsame Zeiten und „Lerneinheiten“ haben. Die Ausbildung wird auf den individuellen Stand des Postulanten abgestimmt.

Wozu dient das Postulat?

Das Ziel im Postulat ist die Eignung und Berufung zum Ordensleben als Missionar des Göttlichen Wortes des Interessierten zu prüfen, einzuschätzen und zu fördern.

Was tut man im Postulat?

Inhaltlich ist das Programm des Postulats eine religiös-geistliche, intellektuelle und praktische Einführung in die Ordensgemeinschaft der SVD.

Dies geschieht durch:

  • Erprobung im religiösen Leben
  • einüben oder/ und vertiefen der persönlichen Gottesbeziehung
  • gemeinsames und persönliches Gebet und Betrachtung
  • tieferes Erkennen der persönlichen religiösen Berufung (Welchen Weg hat Gott mit mir vor?)

Leben in Gemeinschaft als

  • Erprobung von Gemeinschaftsfähigkeit
  • Bereitschaft zur Versöhnung 
  • Fähigkeiten zum Dialog und zum Alleinsein 
  • zusammen arbeiten und sich gemeinsam erholen
  • Ausgewogenheit im Leben (Gebet, Arbeit, Erholung, Sport, Natur …)

Vertiefung von Glaubenswissen im Sinne von Glaubensunterweisung/ Katechese. Konkret heisst dies, den Bedürfnissen des Postulanten entsprechende Einführung in Kirchenjahr, Liturgie und Stundengebet, Messfeier, Heilige Schrift, Kirche, Sakramente, Gebetsformen, kirchliche Dienste, Missionsverständnis…

Kennenlernen  

  • des Lebens und der Spiritualität des heiligen Arnold Janssen, des Gründers
  • der SVD-Spiritualität und des Ordens-Charismas
  • der Geschichte der SVD
  • Hilfestellung zur weiteren Klärung der Berufung und Entscheidung
  • Teilnahme an Seminaren/ Fortbildungen mit Postulanten anderer Gemeinschaften
  • pastoraler Einsatz/ Praktikum

Außerdem steht natürlich in dieser Phase des Kennenlernens von Leben und Sendung der Missionare des Göttlichen Wortes im Vordergrund und die Prüfung des Kandidaten.

Einerseits ist da die Selbstprüfung des Kandidaten mit Fragen wie:

  • Wie ist meine Beziehung zu Gott?
  • Habe ich Freude an diesem Leben, dem Gebet den täglichen Arbeiten?
  • Können meine Begabungen hier gefördert werden, kann ich meine Talente einbringen?
  • Bin ich fähig zum Gemeinschaftsleben?
  • Inspiriert mich das Leben in der SVD? Bin ich gerne hier?
  • Bin ich den Anforderungen eines Steyler Missionars gewachsen?
  • Kann ich mir ein Leben nach den evangelischen Räten (Keuschheit, Armut und Gehorsam) vorstellen?
  • Fühle ich mich dazu berufen?

Andererseits steht da die Prüfung des Kandidaten durch den Orden und Begleiter:

  • Ist der Postulant für das missionarische Ordensleben geeignet?
  • Erkennt man Interesse am Missionar-Sein?
  • Zeigt er Flexibilität und Offenheit?
  • Kann er auf Menschen zugehen?
  • Welche Grundhaltungen im Leben vertritt er?
  • Hat er die nötige menschliche/ emotionale Reife?
  • Ist er fähig zu einem Leben nach den evangelischen Räten?
    Ist er gemeinschaftsfähig?
  • Wie ist sein Umgang mit Menschen des anderen Geschlechts?
  • Entscheidet er frei?
Richard Gröber