Allgemeine Gebetsmeinung des Papstes - November 2017

November 2017

Für die Christen in Asien, dass sie im Geist des Evangeliums den Dialog mit anderen Religionen suchen und das Verständnis füreinander fördern.

Simone Nefiodow, Dipl. Theologin

Warum miteinander reden? Warum Verständnis für den anderen entwickeln? Was wäre denn die Konsequenz von mehr Verständnis? Eine der möglichen Konsequenzen wäre weniger Gewalt, denn wer Verständnis für den anderen zeigt, der greift nicht sofort zu Unterdrückung oder Verfolgung, wenn unterschiedliche Meinungen oder andere Glaubensvorstellungen aufeinandertreffen.

Aber – gibt es denn nach all den vielen Treffen und Gesprächen und wissenschaftlichen Diskussionen wirklich spürbar mehr Verständnis? Vielleicht hier und da, aber wenn man auf die vielen alten und neuen Konfliktherde in Asien schaut, dann fehlen die großen Durchbrüche noch. Warum also hat das bisher so wenig funktioniert?

Unser Papst hat mit dem Gebetsanliegen dieses Monats auf das hingewiesen, womit die Christen bei ihren Dialogangeboten wirklich einen Unterschied machen: der Dialog im Geist des Evangeliums. Das mag zunächst harmlos klingen, aber wenn man ein wenig darüber nachdenkt, dann steckt in diesem Geist viel Sprengkraft und viel Verantwortung für unsere christlichen Geschwister.

Denn im Geist des Evangeliums zu den anderen zu sprechen bedeutet Zeuge für die Wahrheit zu sein – die Wahrheit des christlichen Glaubens.

Wenn die Christen das Gespräch von diesem Geist geleitet suchen, dann demonstrieren sie, dass Gottes- und Nächstenliebe nicht nur leere Worte sind, sondern dass sie ihren Worten Taten folgen lassen. Wir Christen betonen immer wieder die Bedeutung von Vergebung und Versöhnung – ist es nicht genau das, was die asiatischen Christen mit ihrer Dialogbereitschaft bezeugen? Dass sie für Verständnis werben, anstatt einander die Fehler der Vergangenheit vorzurechnen?

In keiner anderen Religion steht die Liebe so im Mittelpunkt wie bei uns Christen. Und die Liebe, die wir unseren Mitmenschen spüren und erleben lassen, macht uns zu Zeugen für die Botschaft Jesu. Ist es nicht genau das, was ein Gespräch im Geist des Evangeliums von allen anderen Gesprächen unterscheidet?

Mit ihrer Dialogbereitschaft und ihrem Werben für Verständnis bezeugen die Christen in Asien, dass sie den Auftrag Jesu ernst nehmen und in der ganzen Welt seine Zeugen sein wollen. Sie zeigen, dass das Reich Gottes für jeden Menschen offensteht, dass jeder Mensch Abbild Gottes ist und von Gott geliebt wird.

Es bedeutet, dass sich die Christen in Asien für Gerechtigkeit einsetzen, weil Gott das Recht liebt und das Unrecht hasst. Es bedeutet, dass unsere christlichen Geschwister Licht für die Welt sind. Und das alles sollen sie im Dialog mit den anderen Religionen bezeugen? Was für eine Verantwortung!

Wir sollten ihnen einen Teil dieser Verantwortung abnehmen und kraftvoll für sie beten, dass ihnen diese gewaltige Aufgabe gelingt. Beten wir dafür, dass die Christen in Asien sich tatsächlich vom Geist des Evangeliums leiten lassen. Beten wir für alle, die am Dialog zwischen den Religionen teilnehmen, dass Gott ihr Herz öffnet, in ihnen Verständnis weckt und sie sich für das Evangelium begeistern lassen.