Gebetsmeinung des Papstes - April 2018

April 2018

Wir beten zu Gott, unserem Vater, für alle Menschen, die in der Wirtschaft Verantwortung tragen: dass sie den Mut haben, neue Wege zu gehen zum Wohle aller.

Simone Nefiodow, Dipl. Theologin, Sankt Augustin

Als in Deutschland die soziale Marktwirtschaft eingeführt wurde, wollte man – einfach ausgedrückt – dem Kapitalismus ein soziales Gesicht geben. Einerseits hatte der Kapitalismus enorm viel Potential und Kraft, und das wollte man für die Zukunft erhalten. Aber der Kapitalismus hatte eben auch enorm viele Nachteile, sein ausbeuterisches Potential beispielsweise war kaum zu bändigen. So wurde eine Art Kompromiss gesucht, der den Kapitalismus bändigen und sozialer werden lassen sollte, ohne ihn aufzugeben. 

Also veränderte man die Strukturen und die Rahmenbedingungen des Kapitalismus und schuf die soziale Marktwirtschaft, um die positiven Kräfte des Kapitalismus zu erhalten und gleichzeitig seine negativen Seiten zu begrenzen. Ich finde, das ist den Deutschen wirklich gut gelungen. Ja, natürlich könnte alles wie immer besser sein, aber unser System der sozialen Marktwirtschaft ist eindeutig besser als das, was in anderen Ländern im Namen des Kapitalismus passiert. 

Das ist jetzt alles sehr schlicht zusammengefasst, aber wenn ich die aktuelle Gebetsmeinung lese, dann macht es den Eindruck, als wolle der Papst eine vergleichbare Entwicklung der Wirtschaft auf globaler Ebene erreichen, sprich: die Rahmenbedingungen und Strukturen der Weltwirtschaft sollen sich so verändern, dass sie sozialer werden, dass die strukturellen Benachteiligungen von vornherein verhindert werden. Denn wenn die Strukturen stimmen, dann tragen sie das System, auch wenn Menschen versagen. Das ist ohne Frage theoretisch machbar. 

Aber: Nur sehr wenige der Akteure können ein Interesse daran haben, die Strukturen entsprechend umzugestalten. Und zweitens: Die Weltwirtschaft, das sind irgendwie alle. Also wer soll den Wandel initiieren und umsetzen, der dann alle Länder der Welt betrifft und von dem unser Papst spricht? Deswegen war mein erster Gedanke, als ich die aktuelle Gebetsmeinung las, dass das eine völlig utopische Idee ist. Ja, das wäre es auch, wenn es sich „nur“ um ein Programm oder eine politische Forderung handelte. Aber unser Papst hat uns Beter mit dieser Aufgabe betraut. 

Unser Papst wäre nicht unser Papst, wenn er von uns Betern nur das „Mögliche“ erwarten würde, und nicht auch das „Unmögliche“. Denn für unseren Gott ist nichts unmöglich. Eine Weltwirtschaft, die von ihren Strukturen und Regeln keine Benachteiligten schafft – für so eine Strukturreform sollen wir also beten. Also gut. Es gibt nichts, was eine Armee von Betern nicht erreichen kann. Verbünden wir uns im Gebet und versuchen wir das Unmögliche: eine Strukturreform der Weltwirtschaft. Wir Beter sind die Einzigen, die das erreichen können, denn unser Gott hört auf unser Flehen, er kennt Wege, die uns Menschen unbekannt sind, er öffnet Türen, wo wir Menschen keine sehen, und er schafft Veränderungen, die uns völlig unmöglich erscheinen. Also beten wir!