Geistliche Berufung - Berufen zum Ordensleben?

Was heißt das "Berufen sein zum Ordensleben"? Sondert Gott da Menschen aus, für einen bestimmten Dienst etwa? Zunächst einmal müssen wir festhalten, dass alle Menschen berufen sind. Alle Menschen sind von Gott berufen, sie sind von Gott ins Leben gerufen, zum Leben berufen. Jedes Leben hat seinen Ursprung in Gott und ist somit zum Leben ge - oder berufen.

Seit Jesus Christus gibt es Menschen, die zum Christsein berufen sind. Das sind jene Menschen, die seine Botschaft vernommen und aufgenommen haben, und ihr Leben danach ausrichten. Sie schließen sich in christlichen Gemeinden rund um den Globus zusammen als die eine Kirche, oder den Leib Christi, mit seinen vielen Gliedern. Innerhalb dieses Körpers des Christentums gibt es wiederum verschiedene Berufungen. Gott ruft die einen zum Leben in der Ehe. Das ist wohl die Mehrheit der Christen, andere wiederum ruft er zum ehelosen Leben, die Singles. Und einen Teil wiederum ruft er zum Leben in seiner engen Nachfolge, zum Leben als Mönch, als Priester, als Schwester oder Bruder, in den verschiedensten Gemeinschaften, die sich über die Jahrhunderte bildeten. Jedes Leben also ist berufen und von Gott dazu gesegnet. Jedes Leben steht gleich vor Gott da als einzig und unersetzlich. Egal wie und wo.

Wie sieht nun so eine Berufung, ganz konkret in unserem Falle, als Ordensbruder oder Priester aus? Im Prozess einer Berufung geht die Initiative von Gott aus. Durch seine Gnade lädt er Menschen ein, seine Liebe anzunehmen und mit ihrem ganzen Leben darauf zu antworten.

(Vlg. Das wichtigste Gebot Jesus Mk 12,28). In diesem weiteren Sinne ist jeder Mensch gerufen, Gott mit seinem ganzen Leben zu antworten. Die Berufung zum Ordensleben ist dabei eine spezielle Form der Nachfolge Christi auf dem Weg der Evangelischen Räte. Gott spricht Menschen an ganz für ihn dazu sein, in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Die Antwort auf einen solchen Ruf setzt voraus, dass die Freiheit, das höchste Gut des Menschen, nie verletzt sonder immer geachtet und geschätzt wird. Gott möchte, dass der Mensch in Freiheit und Würde antwortet. Nun gibt es auch innerhalb dieser Berufung zum Ordensleben wieder Unterschiede. Und zwar werden hier die Menschen zu den verschiedensten Gemeinschaften gerufen. Da gibt es Mönche, Missionare, Schulbrüder, Jesuiten, Franziskaner, Salesianer, Benediktiner, Steyler und so weiter. Jede dieser Lebensformen unterscheidet sich von der anderen in der Ausrichtung ihrer Spiritualität, ihrer Ziele und ihre Inhalte. Die Betonung liegt bei jeder Gemeinschaft anders. Die Steyler zum Beispiel sind eindeutig ein missionarischer Orden, ein aktiver Missionsorden.

Unsere Spiritualität gründet in der Dreifaltigkeit (Spiritualität ist eine Lebensform). Dass alle Menschen eins in Gott werden. Wie der Vater den Sohn sandte, so sendet der Sohn uns. Eine schwierige Frage. Es ist nicht einfach da Alles in Worte zu fassen. Trotzdem kann man vieles dazu sagen. Zu allen Zeiten ruft Jesus Menschen in seine engere Nachfolge. Menschen sind fasziniert von Jesus, fühlen sich zutiefst angesprochen, möchten alles für Jesus aufgeben, ihm nachgehen, koste es was es wolle. Warum?

Sie sind fasziniert von Jesus, seinem Leben, seiner Botschaft, seiner grenzenlosen Liebe. Sie möchten mehr davon erfahren, möchten sich ganz, ohne Reserven auf Ihn einlassen.

Und sie möchten das, was Jesus ihnen gibt, weitersagen. Jesus ist ihr Vorbild, ihr Ursprung und Ziel zugleich. Man kann auch sagen, dass sie sich in Jesus verliebt haben.

Die Voraussetzung zum Ordensleben ist diese Liebe zu Jesus, zu Gott. Darauf baut das ganze Ordensleben auf. "...Und hätte ich die Liebe nicht,..." (1 Kor 13 ) Die Arbeit, die Dienste, die sie tun, die Männer und Frauen rund um die Welt, schöpft ihre Kraft in der Liebe zu Jesus, in der Gottesbegegnung. Ihre innere Freude und Begeisterung hat da ihren Ursprung. Deshalb müssen auch die aktiven Orden ein gutes Gebetsleben führen.

Da ist zum Beispiel Franz von Assisi, Mutter Teresa, unvergessen, unvergleichlich, Elisabeth von Thüringen, Arnold Janssen, Josef Freinademetz.. Menschen, die diese Liebe so ausdrücklich lebten, dass die Gemeinschaft der Christen sie zu Vorbildern machte, zu Heiligen. Deshalb kennen wir sie alle. Die unzähligen anderen gibt es aber auch, die, die man nicht kennt, überall auf der Welt verrichten sie ihre Dienste, ihre Gebete, bringen die Liebe Gottes zu den Menschen, Ordensleute, Väter und Mütter, Großeltern. Manche predigen in der Öffentlichkeit. Andere wirken im Verborgenen. Die Lebensstile sind verschieden, der Inhalt, die Liebe ist aber gleich. Straßenkinder, Obdachlose, Drogenabhängige, Aidskranke, die Armen, die ohne Land, die an den Rand gedrängten: das sind die Gesichter, wo sich Jesus gerne aufhält, die Gesichter durch deren Augen er uns anschauen will. Die Evangelien sind voll davon. "Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan."(Mt 25) Jesus hat uns einen Weg gezeigt: einer helfe dem andern, seid barmherzig, liebt einander, einer trage des andern Last. Denken wir an die Bergpredigt. Wie Jesus wollen und sollen sie Licht in die manchmal so dunkle Welt bringen. Das Licht, das Jesus selbst ist. Jesus selbst geht mit denen die er ruft. Er sagt: "Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt". Jesus sucht Menschen, die seine Botschaft leben und verkünden. Und er hat sie und wird weiter welche finden.

Das Bild des Ordenslebens wandelt sich mit der Zeit, denn jede Zeit hat ihre eigenen Sorgen und Nöte. Ich denke in der Zeit der Vereinsamung von Menschen hat Gemeinschaft zum Beispiel eine ganz neue Bedeutung bekommen. Das Leben in Gemeinschaft als solche. Wo Materialismus die einen lebensmüde werden lässt, spricht ein einfacher Lebensstil für sich. Mission in Europa sieht dabei anders aus als Mission in Asien oder sonst wo. Asiatische Missionare bringen heute die Frohe Botschaft nach Europa. Grundsätzlich geht es überall darum, das Leben lebenswert zu gestalten. Und zwar aus den Impulsen heraus, die Jesus für unser Leben gab: Liebe, Reich Gottes, Gott unter den Menschen...

von Br. Roland Scheid SVD