Armut: Bewusst leben

Berufen in Armut Christus nachzufolgen

Impulse zu Lk 9,51-56:

Entschlossen geht Jesus seinen Weg nach Jerusalem. Obwohl sich sein Weg in Jerusalem in unüberbietbarer Weise in das Leben Gottes hinein vollendet, ist es ein Weg in die Armut, in die Entäußerung, in das Dunkel des Leidens und des Kreuzes. Es ist ein einsamer Weg. Derjenige, der ihn geht, geht ihn allein. Auf menschliche Nähe kann er nicht hoffen. Im Gegenteil, diejenigen, deren Lebensweg er kreuzt, lehnen ihn ab, und diejenigen, die ein Stück weit mit ihm gehen, verstehen ihn nicht. Er geht seinen Weg, treu sich selbst und der Macht, die ihn trägt und führt. Das allein zählt. Das allein schenkt die Zukunft eines Lebens, in dem sich das liebende Antlitz Gottes offenbart. Er lebt von der Hoffnung, die sieht, was da werden will.

Dieser Weg und derjenige, der ihn geht, faszinieren Mutter Teresa. Sie beginnt, gerade diesen Weg und denjenigen, der ihn so geht, in neuer Weise zu lieben. Das bringt sie selbst auf diesen Weg und in eine innigere Nähe, zu dem, der ihn geht. Von der Dynamik dieses Geschehens lässt sie sich tragen und führen und findet darin ihren eigenen Weg, den Weg zu den Armen, zu den Kranken und Sterbenden in Kalkutta. Es ist ein einsamer Weg. Sie geht ihn weitgehend allein, sich selbst treu und demjenigen, der sie führt und trägt. Aber gerade den erfährt sie lange nicht. Er ist abwesend. Ihre jetzt veröffentlichten Briefe sprechen von dieser geistlichen Erfahrung. Mutter Teresa erlebt ihren Weg als „Trockenheit“, „Einsamkeit“, „Dunkelheit“, „Folter“ und „Hölle“. Es ist ein geistlicher Weg in die Entäußerung, in die Leere, in die Armut, in das Sterben. Dass dennoch über ihrem so erlebten Weg ein Licht aufgeht, das ist ihre Hoffnung. In dieser Hoffnung, die „sieht“, was da werden will, stirbt sie.

Wir Menschen dürfen unseren Lebensweg gehen. Dazu sind wir berufen. Oft ist es ein einsamer Weg. Oft gehen wir ihn allein. Oft ist es ein Weg ins Dunkel, in die Armut, in die Leere, in das Leiden, ans Kreuz. Werden wir ihn gehen, treu uns selbst und treu dem, der uns letztlich trägt und hält? Werden wir ihn gehen wie Mutter Teresa, getragen von der Dynamik des Weges Jesu, in der Hoffnung, dass sich auch unser Leben in das Leben Gottes hinein vollendet, in der Hoffnung, die „sieht“, was da werden soll?

P. Franz-Josef Janicki SVD