Gehorsam: Hinhören

Berufen Seine Stimme zu hören

Impulse zu Röm 4,18-22:

Für Paulus ist Abraham der Typus des Glaubenden. Deshalb ist er der Stammvater nicht nur des Alten, sondern auch des Neuen Testamentes. Am Anfang der Heilsgeschichte steht also ein Mann, der die Stimme Gottes hörte und ihr gehorsam folgte, auch wenn alles dagegen sprach. Er sollte Stammvater eines großen Volkes werden. Aber dazu bedurfte es einer Bedingung: Er musste von zu Hause, seinem natürlichen Lebensbezug, wegziehen. Das Ziel war ein Land, das Gott ihm erst zeigen würde, nachdem er sich auf den Weg gemacht hat. Gott fordert von ihm einen Schritt ins Unbekannte. Im Gepäck hatte er nichts, weder einen Sohn, noch eine fruchtbare Frau, noch seine Jugend. Sein Schritt ins Unbekannte war menschlich gesprochen zum Scheitern verurteilt. Dass er ihn trotzdem tat, ist allein seinem Glauben an den lebendigen Gott zuzuschreiben. Diesem Gott traute er alles zu. Glaube ist hier im Ursprung mit Gehorsam verbunden. Dieser Glaubensgehorsam ist das Fundament jedes christlichen Lebens.

Jesus sagt: „Nicht jeder, der zu mir Herr, Herr sagt, wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt“ (Mt 7,21). Die Bereitschaft, den Willen des anderen zu tun, ist Gehorsam. So lässt sich die Nachfolge Jesu kurz als Gehorsam gegenüber seinem Ruf beschreiben.

Deshalb bleibt Abraham auch im Neuen Testament der Vater des Glaubens, weil er den Ruf Gottes gehorsam in ein Tun umgesetzt hat. Dieser Gehorsam aber verlangt Vertrauen, Risikobereitschaft und Hingabe. Erst im Gehen erfährt man den Sinn des Glaubensschrittes. Die Geschichte Abrahams aber zeigt auch, dass Gott immer wieder neu ruft und jeweils in neue Richtungen weist. Glaubensgehorsam erfordert deshalb eine lebenslange Bereitschaft zu hören und zu folgen. Im Vertrauen auf Christus aber lässt sich dieser Weg gehen.

Im Ordensgehorsam geben wir ein Zeichen für die ständige Bereitschaft, auf Gottes Ruf zu hören und ihn praktisch zu verwirklichen.

P. Martin Neuhauser SVD