Berufung - wozu? Zum Leben!

Berufung ist mein Weg zu meiner Mitte. Berufung ist eine ständige Suche nach der Liebe Gottes. Sie ist eine Begegnung mit Gott. Diese Begegnung weckt Sehnsucht nach lebendigem Leben. In der biblischen Sicht ist die Begegnung mit Gott die Geburtsstunde der Berufung. Wir reden vom Gott, der uns geformt, geschaffen hat. Er hat uns berufen zum Leben. Damit ist Berufung eine Einladung zum Leben, Leben in Fülle. Diese Berufung zum Leben ist dynamisch und eine ständige Erneuerung, ein Prozess zur Menschwerdung. So erlebt man zunächst die Berufung Gottes zur Menschwerdung.

Gott sagt: „Ich habe dich beim Namen gerufen. Du gehörst mir“ (Jes 43,1). Das ist der Ruf Gottes. Diesen Ruf, diese Stimme, diese Einladung Gottes erleben wir täglich in unserem Alltag. Als Christen dürfen wir diesen Ruf Gottes zunächst einmal bei unserer Taufe erleben, worin wir alle im Namen Jesu Christi zur größeren Gemeinschaft aufgenommen sind. So erleben wir weiterhin die Berufung Volk Gottes zu sein.

Als Berufene sind wir auch Stimme bzw. Repräsentant Gottes. Wir machen auf menschliche Weise Gottes Liebe und Freude erfahrbar. Dies tun wir, in dem wir eine Antwort auf den Ruf Gottes geben. Die Qualität unserer Antwort auf den Ruf Gottes wächst mit der Entschiedenheit, mit der Treue zum berufenen Leben. Madeleine Delbrel sagt: „Nicht unsere Berufung macht die Heiligkeit aus, sondern die Treue, mit der wir ihr folgen.“ Und jeder von uns gibt seine Antwort in seiner Art und Weise. Damit sind wir alle berufen Zeugen Gottes zu werden.

Ich persönlich gebe meine Antwort auf den Ruf Gottes, in dem ich ein Steyler Missionar geworden bin. Das ist mir eine große Freude, dass ich meine Berufung zu einem missionarischen Leben entdecken durfte. Ich darf so die Freude und die Botschaft Gottes verkünden. Gott erwartet von mir nicht mehr als was ich kann und bin. Er fragt mich nicht, ob ich Großartiges geleistet habe. Er will nur, dass ich meine Berufung zum Leben lebe und sie in Fülle leben.

Heilige sind nicht deswegen Zeichen und Modelle für die Nachfolge, weil sie Großes getan haben – nicht weil sie viele Missionarinnen und Missionare für die Verkündigung der frohen Botschaft in die ganze Welt geschickt haben, wie Pater Arnold Janssen, nicht weil sie sich für Menschen bis zum eigenen Tod eingesetzt haben wie Pater Josef Freinademetz, und nicht weil sie den negativen, lebensverneinenden Mächten widerstanden haben, so wie unsere seligen Steyler Märtyrer - sondern weil sie in ihrer Zeit und den sie einfordernden Situationen wie Jesus Christus ganz Mensch wurden und ihren je eigenen Weg der Liebe gefunden haben, der sie zu Gott geführt hat, sie selbst werden ließ und in ihrer eigenen Mitte die Wirklichkeit Gottes selbst aufscheinen ließ.

Weil die Heiligen, wie Arnold Janssen und Josef Freinademetz mit ihrem unerschütterlichen Gottvertrauen, Gott in der Tiefe des eigenen Selbst erfahren konnten, erkannten sie ihn in ihren Mitbrüdern bzw. im anderen Menschen. Das war ihre Berufung zum Leben. Berufung zum Leben , zum Leben in Fülle. Das bedeutet noch mal für mich, dass ich mit meinen Mitmenschen menschlich umgehe, dass ich gemeinschafts- und dialogfähig bin, dass ich ständig versuche, wie unsere Heiligen den Willen Gottes zu suchen, und dass ich in meinem missionarischen Leben und Wirken die Freude meiner Berufung ausstrahle.

P. Xavier Alangaram SVD
 
Es keimt und wächst etwas in uns!
 Berufung leben
Ein neuer Weg liegt vor die!
Ein neuer Weg liegt vor die!