Iquique ma wo Lotte is...

Charlotte Anders - Chile

Chi Chi Chi le le le - viva Chile!!! So oder so ähnlich hat man es in meinen ersten Wochen hier durch Iquique und vermutlich durch ganz Chile rufen hören. Grund dafür war der Nationalfeiertag am 18. September, an dem Chile dieses Jahr seine 200 jährige Unabhängigkeit zu Spanien feierte. Eine Feier jagte die nächste, ausnahmslos jedes Haus war mit mindestens einer chilenischen Fahne geschmückt und die chilenische Nationalhymne wurde rauf und runter gesungen.

Vor 4 Wochen habe ich nun den Rockzipfel meiner Heimat losgelassen und mich auf den Weg nach Chile gemacht. Meine Anreise hat zwar etwas länger gedauert als geplant, aber über Umwege habe ich dann doch noch meinen Einsatzort, das wunderschöne Iquique, erreicht. Iquique ist eine Stadt im Norden Chiles, ist direkt am Meer gelegen und in alle anderen Himmelsrichtungen von Wüstenbergen der Atacamawüste umringt. Eine Stadt also, die mit viel Küste, langen Stränden und beeindruckenden Bergen ringsherum, einem, egal wo man hinschaut, ein schönes Bild schenkt. Es ist, wie ich schon sagte, eine wunderschöne Stadt.

Zu meinen Wohnbegebenheiten: Ich wohne hier zusammen mit dem Steyler Bruder Paul Oden, Daniel und Mauricio, und mit Peter, meinem Mit-MaZler. Peter hat so wie ich auch, die Vorbereitung für das Einsatzjahr bei den Steyler Missionaren gemacht und ist auch ein MaZ, Missionar auf Zeit. Daniel und Mauricio 23 und 20 Jahre alt und leben nun seit 10 Jahren bei Bruder Paul, weil ihr Mutter zu Hause keinen Platz mehr für sie hatte. Bruder Paul kommt ursprünglich aus Pirmasens/Rheinland Pfalz, lebt jedoch seit nun mehr 56 Jahren in Chile und seit 14 Jahren in Iquique. Hier hat er die „Fundación Niños en la Huella", was übersetzt "Kinder auf dem Pfad" bedeutet gegründet. Es ist ein Projekt mit verschiedenen Einrichtungen, unter anderem einem Kindergarten, womit wir schon bei meiner momentanen Arbeitsstelle wären: Ja, jeden Morgen mache ich mich auf den Weg in den Kindergarten “Huellitas”. Der Kindergarten liegt ungefähr 15 Minuten von meinem momentanen Wohnort entfernt. Ich fahre dort mit einem Colectivo hin. In dem Kindergarten arbeiten 17 Erzieher, die sogenannten “tias”, „Tanten“, die von Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr um die 130 Kinder zwischen 3 Monaten und 5 Jahren betreuen. Ich gehe in die Gruppe der 3-4 jährigen Kinder. Meine Aufgabe dort ist es, die beiden Tias, die diese Gruppe leiten zu unterstützen, indem ich mit den Kindern spiele, den Kindern beim Essen helfe oder einfach nur da bin, wenn die Kinder jemanden brauchen, der sie in den Arm nimmt. Die Kinder in diesem Kindergarten kommen sowohl aus schwierigen Familienverhältnissen, die oftmals von Armut, Drogen und Gewalt geprägt sind, als auch aus gesunden Familienverhältnissen. Was ich in dem Kindergarten bis jetzt jedenfalls gelernt habe, ist, dass Kinder ganz viel Zuneigung und Körperkontakt brauchen und dass die Kinder, die das zu Hause nicht bekommen, versuchen, sich das bei den Tias im Kindergarten zu holen. Ich bin übrigens „Tia Lotte“... und das sind ein paar von den anderen Tias.

Abends spielen wir, also Peter, Bruder Paul und manchmal auch Mauricio und Daniel oft Canasta oder wir sitzen einfach nur beisammen und unterhalten uns bei einem Tässchen Tee. Am Wochenende machen wir, also Peter und ich oft Ausflüge mit Bruder Paul.

Ja, nun komme ich langsam zum Ende meines ersten Berichtes aus Chile. Hoffentlich hab ich das Gefühl vermitteln können, dass ich mich hier wohl fühle, und dass es mir gut geht, so ist es nämlich. Ich habe mich hier sehr schnell sehr gut eingelebt, und würde hier am liebsten wohnen bleiben. Mitte Oktober ziehe ich zu einer Mitarbeiterin der Fundación. Sie hat zwei Kinder und in diesem Haushalt kann niemand Deutsch. So werde ich gut Spanisch lernen können. Ansonsten sage ich mir immer wieder das, was Reinhard Mey in seinem Lied „Danke liebe gute Fee“ sagt: „Die wahre Weisheit liegt in Dankbarkeit für das was man nicht kriegt...nur wen die Götter strafen wollen, dem erfüllen sie jeden Wunsch.“ Alles Gute!

Lotte

 
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