Die Sprachentwicklung der Kinder fördern
Bei der Sprachförderung unserer Kinder handeln wir Eltern meist intuitiv richtig. Wir legen schon in der Schwangerschaft die Hand auf den Bauch und versuchen Kontakt zu unserem ungeborenen Kind aufzunehmen, wir reagieren auf das Weinen unseres Babys und unterscheiden schon bald zwischen Schreien aus Hunger, Missbehagen, Müdigkeit oder Langeweile. Wir begleiten unsere Tätigkeiten sprachlich („So mein Schatz, jetzt darfst du baden …“), lachen, lallen und plaudern mit unseren Kleinen.
Wichtig: gut hören und Mundmotorik trainieren Damit ist schon eine wichtige Basis für die Entwicklung von Sprache gelegt. Sowohl Sprachproduktion, das ist die Fähigkeit, Wörter richtig auszusprechen, als auch Sprachverständnis, die Fähigkeit, ein Wort stellvertretend für eine Person, einen Gegenstand oder eine Eigenschaft einzusetzen, können wachsen.
Dazu braucht es neben dem Sprachvorbild der Eltern jedoch noch weitere Voraussetzungen: ein intaktes Hörvermögen und Sprechwerkzeug, um zwischen ähnlich klingenden Lauten zu unterscheiden und diese auch nachahmen zu können. Die dazu benötigten Muskeln und die Mundmotorik werden von den Kindern beim Saugen und Kauen, aber auch beim Spielen trainiert.
Erfahrungen im Spiel erweitern den Wortschatz Spielen bedeutet für ein Kind, sich aktiv mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen, und ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Sprache. Erst durch das eigene Hantieren mit verschiedenen Gegenständen werden diese und ihre Funktionen für das Kind begreifbar. Diese Wahrnehmungen mit allen Sinnen werden vom Kind verarbeitet und miteinander in Verbindung gebracht. Zum Beispiel wird ein Kind bei dem Wort Ball anfangs vielleicht nur an die Abbildung aus seinem Bilderbuch denken oder an den eigenen roten Ball. Doch bald schon wird es erfahren, dass ein Ball viele verschiedene Farben haben kann. Er ist nicht kreisrund, sondern vielmehr kugelrund. Mehrere davon heißen Bälle und es gibt sie in verschiedenen Größen. Man kann sie rollen, werfen und fangen und damit mit anderen spielen. Sie schmecken und riechen unterschiedlich, sind also aus verschiedensten Materialien. Manche Bälle sind weich, andere wiederum hart.
Je mehr persönliche Erfahrungen das Kind machen kann, desto mehr Merkmale werden dabei einem Wort zugeordnet. Dadurch wachsen im Kind das Sprachverständnis und der Wortschatz.
Natürlich ist auch die Umwelt des Kindes von großer Bedeutung. Dazu gehören sowohl die sozialen und kulturellen Bedingungen, unter denen ein Kind aufwächst, als auch alle Personen, die mit ihm in Beziehung stehen.
Viele dieser Aspekte gehören zum täglichen Umfeld unserer Kinder. Deshalb können wir also gelassen, voller Vertrauen in die individuelle Entwicklung unserer Kinder, sie spielerisch die Welt der Sprache entdecken lassen. Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können:
Sprachliches Vorbild sein:- Sprechweise dem Kind gegenüber auf das Niveau des Kindes abstimmen
- „Wie spreche ich mit anderen?“
- Alltagshandlungen sprachlich begleiten
- Dinge aus dem täglichen Leben benennen
Sprechfreude erhalten und fördern:- Blickkontakt suchen, dem Kind Gehör und die nötige Zeit zum Sprechen und Erzählen schenken
- Angenehme Gesprächssituationen schaffen und das Kind ernst nehmen
- Nicht ständig verbessern und korrigieren
- Bilderbücher, Lieder, Reime und Gedichte
Förderung der Fein- und Mundmotorik:- Matschen, kneten und gestalten mit verschiedenen Materialien
- Malen und zeichnen
- Seifenblasen, Luftballon aufblasen
- Papierschnitzel mit Strohhalm ansaugen
- Teller mit der Zungenspitze abschlecken
- Grimassen schneiden
Förderung der Wahrnehmung:- Dem Kind ausreichend Zeit geben, die Welt zu erkunden
- Merkfähigkeit und Differenzierung unterstützen durch kleine Aufträge, Geschichten nacherzählen, Reimwörter finden usw.
- Spielmaterial suchen oder sortieren
- Beobachtungen in der Natur
Dem Kind genügend Zeit und Raum zum Spielen zur Verfügung stellen:- Das Kind selbstständig mit anderen Kindern in Kontakt kommen lassen
- Die Phantasie nicht durch zu perfektes Spielmaterial einschränken
- Spielideen und -dauer auf das Alter abstimmen
Buchtipp:Walburga Brügge, Katharina Mohs: SO LERNEN KINDER SPRECHEN. Die normale und die gestörte Sprachentwicklung, Ernst Reinhard Verlag, 106 Seiten, € 10,20
Das Buch zeigt, was Eltern für die Sprachentwicklung ihres Kindes tun können. Zahlreiche Spielvorschläge regen zu einem kreativen Umgang mit Sprache an.
Birgit Fedorcio ist diplomierte Kindergärtnerin und Elternbildnerin. Sie arbeitet als Referentin von „Fit-for-Family“-Seminaren, die vom Katholischen Bildungswerk und Katholischen Familienverband in Tirol angeboten werden.
Lesen Sie im Mai: Konflikte und Aggressionen gehören zum Leben.
In Stadt Gottes April 2008, Seite 34