Große Töne

Orgelrenovierung in St. Gabriel

Christian Tauchner SVD

Die „Königin der Instrumente“ begleitet den Alltag und die Feste der Kirchengemeinden, auch in Konzerthäusern fehlt sie nicht. Im Missionshaus St. Gabriel wurde im April die Rieger-Orgel renoviert, jetzt präsentiert sie sich in erneuertem Klang.

Musikpflege hat im Missionshaus St. Gabriel eine lange Tradition: Knabenchor (Sängerknaben vom Wienerwald, 1921) und Choralschola, kleine Opern und Oratorien, aufwändig gestaltete Gottesdienste, Blasmusik und Bands machten den Alltag und die Feste St. Gabriels aus.
Die Renovierung der großen Heilig-Geist-Kirche 1980 passte die Kirche an die liturgischen Anforderungen des Konzils an. Da eine Instandsetzung der großen Orgel aus den 1920er-Jahren zu teuer war, traf das Missionshaus eine mutige Entscheidung: Es kam eine neue Orgel von der Firma Rieger aus Schwarzach (Vorarlberg) in die Kirche, die ganz vorne in der Apsis aufgestellt wurde. Sie wurde dem damaligen, erneuerten Interesse an Barockmusik entsprechend gestimmt: Damit konnte man auf ihr besonders die alten Meister (wie J. S. Bach) sehr gut wiedergeben. Diese Rieger-Orgel wurde im Mai 1982 feierlich eingeweiht.
Nach 30 Jahren war eine gründliche Wartung der Orgel angesagt: Im Lauf der Jahre hatte sich in der Orgel Staub angesammelt, Schimmelpilz hatte sich eingenistet und es gab einige kleinere Wehwehchen, die vor allem der Hausorganistin Angela Amodio aufgefallen waren.
Drei Wochen lang arbeiteten zwei Orgelbauer daran, die Orgel wieder in Schuss zu bringen. Gleich nach Ostern nahm Martin Parzer, ein Orgelbauer der Firma Rieger, das Instrument unter die Lupe. „Auf die habt ihr aber gut geschaut“, lobte er die Steyler. Aber er war auch voll des Lobes für seine Firma: „Unsere Leute haben hervorragende Arbeit geleistet, die Orgel ist ja nach den 30 Jahren noch sehr in sehr gutem Zustand“, sagte er.
Dann ging er mit seiner Arbeitskollegin Marianne Kort daran, die Pfeifen herauszunehmen und jede einzelne durchzuputzen. Bei einem Register gab es allerhand nachzubohren, damit wurde der Ton der Pfeifen etwas verändert.
Nach den Pfeifen wurden die verschiedenen Züge und Hebel der mechanischen Orgel überprüft, die Gegengewichte und Federn neu eingestellt, um das Spielen – die Verbindung zwischen Taste und Orgelpfeife – wieder zuverlässig zu machen.
Der vielleicht schwierigste Teil der Arbeit kam am Ende, als es darum ging, die Orgel wieder zu stimmen und die Klangfarbe festzulegen. Das ist eine sehr spezialisierte Arbeit, in der die Tonschritte von einem Ton zum anderen festgelegt werden.
War die Orgel früher auf eine barocke Stimmung ausgerichtet, wurde jetzt eine weniger radikale Lösung gesucht, die es ermöglicht, mit besseren Ergebnissen auch spätere und modernere Orgelmusik (etwa von den französischen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts) zu spielen. Da mussten sich Martin Parzer und Marianne Kort nicht nur mit dem Instrument plagen, sondern auch mit Temperaturschwankungen. In der Kirche wurde es nach Ostern so schnell warm, dass Temperaturunterschiede die Arbeit erschwerten.
Am 13. Mai war es soweit: Die Rieger-Orgel von St. Gabriel wurde wieder eingeweiht und erstrahlte in neuem, reinem und hellem Klang, dass es eine Freude war. Der neuen Stimmung entsprechend wurde eine Messe des französischen Komponisten Maurice Duruflé aufgeführt. Die Hausorganistin Angela Amodio, viele Gottesdienstbesucher und Orgelkenner gratulieren den Steylern seither zur gelungenen Renovierung und zum herrlichen Klang der Orgel in der großen Heilig-Geist-Kirche im Missionshaus St. Gabriel.

Die jüngste Orgelbauerin

Musik hat Marianne Kort immer schon interessiert. Sie spielte Querflöte und sang in Chören. Sie wollte ihr Interesse an Musik mit einem Handwerk verbinden – als Orgelbauerin kommt sie damit auf ihre Rechnung. Sie kennt sich jetzt in mehreren Berufen aus: Tischlerei, Zimmerei, Elektrik, Lackieren und Malen gehören genauso zu ihren Arbeiten wie Klavierspielen und das Stimmen. Sie legte im März ihre Gesellenprüfung ab (mit Auszeichnung, übrigens) und ist damit eine der jüngsten Orgelbauer in Österreich. Seit 2008 arbeitet sie bei Rieger.
„Die Orgel ist so ein faszinierendes Instrument“, schwärmt die zierliche Frau. „Sie ist so groß und komplex. Du drückst eine Taste und damit entsteht so viel Klang, so viele Pfeifen können
anziehenden Seiten ihrer Arbeit.
„Bei Rieger werden wir noch zu kompletten Orgelbauern ausgebildet. Da arbeitet man noch von Anfang bis Ende an einer Orgel“, erzählt Marianne Kort. „Oft fahren wir auch auf Montage und stellen eine Orgel auf, nach Bratislava genauso wie nach Korea, Neuseeland oder Südafrika“. Das ist natürlich faszinierend, selbst wenn sie monatelang ihre Familie nicht sieht.
„Das Schönste an meinem Beruf ist, wenn nach unserer Arbeit der Organist nicht mehr von der Orgel weg will, weil sie so gut gelungen ist“, findet Marianne Kort. „Beim Arbeiten an einem solchen Instrument legt man immer auch ein Stück der Seele hinein. Und wenn ich merke, dass das gelungen ist – das macht mich sehr glücklich ...“

Magnificat


Die renovierte Orgel mit ihrer neuen Stimmung war wie eine unwiderstehliche Provokation. So gut wie jetzt hat die Orgel in St. Gabriel schon jahrelang nicht geklungen. Also wurde eine CD mit Orgelmusik aufgenommen, die die vielfältigen Klangmöglichkeiten des Instruments vorstellt. Die Organistin von St. Gabriel, Angela Amodio, war die treibende Kraft hinter dem Projekt.
Sie stellt auf der CD ein Programm vor, das von barocker Musik (Scheidt, Bach, Arauxo) über französische Komponisten (Alain, Vierne) bis zu gegenwärtiger Musik (Di Rosa, Bräutigam) reicht. In mehreren Kompositionen wird das Thema „Magnificat“ angesprochen: Kirchenmusik hat immer mit dem Lob Gottes zu tun, und darum geht es auch den Steyler Missionaren in St. Gabriel und in der ganzen Welt.
Angela Amodio kam über den Pfarrer in ihrer Heimatstadt Triggianello (bei Bari in Süditalien) zur Kirchenmusik. Don Pasquale fragte sie immer wieder: „Na, wann wirst du die Kirchenorgel spielen, Angela?“ Damals ging sie noch nicht zur Schule. Aber so fing ihr Weg zur Kirchenmusik an, der sie an das Konservatorium in Bari, nach Freiburg und nach Wien führte. Hier schloss sie ihr Musikstudium bei Michael Radulescu ab. Seit 2002 spielt sie in St. Gabriel bei den Gottesdiensten und bei vielen Konzerten, etwa den Maria Enzersdorfer Orgeltagen im September.

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Magnificat
Orgelklänge aus St. Gabriel
CD Ambiente „Audio“ ACD 1058
14,98 € zzgl. Porto

Bestellungen:
Zeitschriftenverlag St. Gabriel
T: 02236 803 258
service@steyler.at

In Stadt Gottes November 2012, Seite 04