Es fällt schwer, an Gottes Vorsehung zu glauben

Ratgeber-Glauben

Glauben an Gottes Vorsehung

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes April 2006

Eine Frage, die durch alle Zeiten hindurch immer wieder die Menschen bewegt hat!

Auffallend ist zunächst, dass der Begriff Vorsehung so in der Heiligen Schrift praktisch nicht vorkommt. Er kommt aus der griechischen Philosophie, mit der man in den frühen Jahrhunderten der Kirche den Glauben und die Glaubenserfahrung in die Sprache der damaligen Zeit übersetzen wollte. In der Geschichte ist er auch oft missbraucht worden, um irgendwelche zufälligen Machtansprüche religiös zu rechtfertigen, wie es bei den Nationalsozialisten in erschreckender Weise geschah.

Dennoch behält dieser Ausdruck seinen Wert: in all dem Auf und Ab eines menschlichen Lebens und der gesamten Geschichte festzuhalten, dass alles letztlich von Gott getragen und geführt ist. Hierbei ist aber das Wort „letztlich“ wichtig: Vor dem Letzten gibt es den Raum der Freiheit und den Raum der Naturgesetze, die Gott respektiert und in die Gott nicht ständig eingreift. Die Naturgesetze und die menschliche Freiheit stehen dafür, dass Gott die Welt in der Schöpfung in ein Eigen-Sein entlassen hat. Das heißt auch, dass er den Dingen ihren Lauf lässt beziehungsweise die Freiheit des Menschen respektiert. Wenn das nicht so wäre, dann würde die Schöpfung auf ein Marionettentheater hinauslaufen, wo Gott alle Fäden in der Hand behielte und weder die Natur noch der Mensch in seiner Freiheit einen eigenen Spielraum hätten. Wir hätten dann zwar eine „perfekte Welt“, alles würde buchstäblich „wie am Schnürchen“ gehen, aber Eigenleben in Freiheit wäre dann nicht mehr möglich.

Der Preis dieses Freiraumes ist allerdings, dass es bisweilen so geht, vor allen Dingen in den Katastrophen welcher Art auch immer, wie wir es uns nicht wünschen und man sich fragt, ob es denn nicht besser wäre, wenn Gott mehr direkt eingreifen würde.

Wenn wir von Vorsehung sprechen, geben wir dem Glauben und der Hoffnung Ausdruck, dass in all diesen Dingen Gottes gute Pläne mit der Welt doch noch zum Zuge kommen. Dabei ist hier nicht so sehr ein Vorauswissen Gottes gemeint, sondern eher die grundsätzliche Einstellung Gottes gegenüber seiner Schöpfung, die sich in Fügung und Fürsorge konkretisiert.

Am ehesten ist sie noch mit der Haltung von Eltern zu vergleichen, die ihre Kinder mit Sorge umgeben, sie aber dennoch in die Freiheit entlassen (müssen), damit sie selbstständige Menschen werden, mit all dem Risiko, das damit verbunden ist. Wenn Gott darum in Vorsehung über der Welt waltet, so auf die Weise, dass er den Menschen in seine Liebe mit einbezieht, einer Liebe, die ihn immer auch als verantwortliches Gegenüber respektiert.

Ein alter Weisheitsspruch hat die Spannung zwischen Vorsehung und Freiheit einmal so formuliert: „Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt.“ Hier ist ein Moment des Sich-Überlassens drin, aber auch die Verantwortlichkeit für das Leben bekommt ihren Platz.

Im Auf und Ab sich getragen und geführt wissen: das Vertrauen in diesen Grund und die Offenheit gegenüber dieser Führung – darum geht es bei der Vorsehung Gottes.

In stadtgottes Dezember 2006, Seite