Horoskope – ist das nicht bloß Aberglaube?

Ratgeber-Glauben

Immer wieder hört man, dass Menschen ihre Entscheidungen nach Horoskop, Tierkreiszeichen und Ähnlichem ausrichten. Ist das bloßer Aberglaube – oder ist da vielleicht nicht doch etwas dran?

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes Dezember 2006

Durch Horoskope oder Tierkreiszeichen seine Zukunft zu erforschen und daraus Entscheidungshilfen zu bekommen, hat schon immer eine eigenartige Faszination auf Menschen ausgeübt. Auch für die Menschen der Bibel gab es dieses Problem. So schreibt Paulus der Gemeinde in Galatien: „Wie aber könnt ihr jetzt, da ihr Gott erkannt habt, vielmehr von Gott erkannt worden seid, wieder zu den schwachen und armseligen Elementarmächten zurückkehren? Warum wollt ihr von neuem ihre Sklaven werden? Warum achtet ihr so ängstlich auf Tage, Monate, bestimmte Zeiten und Jahre? Ich fürchte, ich habe mich vergeblich um euch bemüht!“ (Gal 4,9-11)

Unter Elementarmächten versteht Paulus das, was wir mit den Horoskopen meinen. Und er spricht davon, dass man, indem man an diese Dinge glaubt, „ein Sklave“ werden kann, der „ängstlich“ um diese Dinge besorgt ist. Die psychische Abhängigkeit, die sich aus solchem „Glauben“ ergibt, ist das eigentlich Gefährdende.

Gerade in heutiger esoterisch gefärbter seelischer Wetterlage gilt es hier kritisch aufmerksam zu sein. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass der Mensch nicht mehr die Verantwortung für sein Leben in einer freien Entscheidung übernimmt, sondern diese Mächte für sein Leben verantwortlich macht und sich so aus seinem Leben „herausstiehlt“. Im selben Brief schreibt Paulus: „Zur Freiheit hat euch Christus befreit.“ (5,1) Was er damit sagen will: Im Glauben an Christus seid ihr nicht mehr diesen Mächten unterworfen, sondern ihr habt die Freiheit, selbst zu entscheiden, was ihr mit eurem Leben machen wollt oder nicht.

Etwas ganz anderes ist der Einfluss von Jahreszeiten, Wetterlage, Mondphasen auf unser körperliches und seelisches Empfinden. Unser Eingebundensein in den Kosmos der ganzen Schöpfung kommt darin zum Ausdruck. Aber auch hier gilt es festzuhalten, dass wir all diesen Dingen nicht hilflos ausgeliefert sind und so nicht das schlechte Wetter als Ausrede benutzen, um zum Beispiel unsere Ungeduld gegenüber anderen und uns selbst zu entschuldigen. Das Wetter mag sein, wie es will, die Frage ist, wie man sich darauf einstellt und was man daraus macht: Und da sind wir wieder bei unserer persönlichen Freiheit und Verantwortung.

In stadtgottes Dezember 2006, Seite