Beten für andere – was bedeutet das?

Ratgeber-Glauben

Was ist vom „stellvertretenden Gebet“ zu halten? Und davon, dass man auch für völlig unbekannte Menschen beten kann?

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes Juni 2007

„Irgendjemand muss es doch tun“ – so kann man bisweilen von Menschen hören, gefragt, warum sie eine Aufgabe übernehmen, die ihnen nicht nur Lob und Dank einbringt, sondern bisweilen auch viel Ärger, ja die auch zu einer großen Belastung werden kann. Hier sind wir auf der Spur dessen – ohne zugleich den großen Unterschied zu leugnen – was Jesus anspricht, wenn er den Emmausjüngern gegenüber „erklärt“:

Der Messias „musste“ viel leiden, um so die Beziehung zwischen Gott und den Menschen wieder in Ordnung zu bringen (Lk 24,26). 

Stellvertretung im Glauben schließt immer wieder auf die eine oder andere Weise an diese Stellvertretung Jesu an. Sie möchte da, wo Liebe verweigert wird, umso mehr Liebe leben und so Gott die Möglichkeit geben, sein Heilswerk unter den Menschen fortzusetzen und ganz zum Durchbruch kommen zu lassen.

Stellvertretung ist somit eine, wenn nicht die, Grundwirklichkeit im biblischen Drama der Heilsgeschichte. Auch das christliche Beten ist davon geprägt. In einer Welt, in der viele vor Gott stumm bleiben, möchte es anstelle und für die anderen das Schweigen brechen, auf dass Gottes Gnade immer wieder Einbruchstellen in diese Welt findet. Auch das in solchem Gebet bewusst angenommene Leiden bekommt hier seinen ganz eigenen christlichen Sinn. Stellvertretendes Beten lebt auch aus dem Glauben der Verbundenheit aller Menschen durch den mystischen Leib Christi, wie er sich in der Kirche verwirklicht, wie er aber auch darüber hinaus alle Menschen umfasst:

Wir haben alle miteinander zu tun und sind aufeinander angewiesen, ob wir es wollen oder nicht, die heutige Umweltproblematik macht das deutlicher denn je. Stellvertretendes Beten „nutzt“ diese Verbundenheit zum Heil aller Menschen, gerade derjenigen, die sich bewusst oder unbewusst für Gott verschließen. Es realisiert sich immer sehr konkret in Lebensformen der kontemplativen Klostergemeinschaften, aber grundsätzlich ist jedes wahrhaft christliche Beten davon geprägt: Es geht nie nur um die eigenenAnliegen, sondern immer schon um „die vielen“, um alle. Es macht die Größe des Gebetes deutlich und erinnert zugleich an den Anspruch, im Gebet nicht nachzulassen, geht es doch zutiefst hier um die Öffnung und das Offenhalten der Welt für Gott. Nicht umsonst ist die letzte Gründung des heiligen Arnold Janssen eine kontemplative Schwesterngemeinschaft. Die Steyler Anbetungsschwestern leben ganz aus dem Gebet, der Anbetung.

In stadtgottes Dezember 2007, Seite