Manchmal ist mein Glaube weg

Ratgeber-Glauben

Manchmal bin ich schlicht über-wältigt von der schier unendlichen Menge an Bosheit und Sinnlosigkeit in dieser Welt. Wenn ich dann auch noch von deprimierenden körperlichen Tiefs überfallen werde, dann habe ich das lähmende Gefühl, dass mein Glaube weg ist und die Dunkelheit in mir endgültig gesiegt hat.

Pater Eugen Rucker SVD aus: Stadt Gottes Oktober 2007

Fast alle Heiligen und auch Jesus selbst kennen solche Erfahrungen. Da scheint Gott mit uns ein aufreibendes Versteckspiel zu spielen, und wir erfahren das Bibelwort „Niemand hat Gott je gesehen.“ Ja, Gott will und muss geglaubt werden. Gerade in solchen extremen Momenten eines Blackout des Glaubenkönnens erfahren wir das Einmalige des Glaubens und der Gnade des Glaubenkönnens. Gewöhnlich werden zwei Ursachen für solche krisenhaften Glaubensbedrohungen gegeben. Einmal: Du bist deinem Gott gegenüber untreu gewesen. Du hast es versäumt, ihn zu suchen, auf ihn zu hören und ihm zu gehorchen.

Zum anderen: Diese Versuchungen sind nicht nur keine Sünden, sondern besondere Zeichen der Auserwählung. Gott will darangehen, dich bei deinem Namen zu nennen und dich in ein tieferes Verbundensein mit ihm hineinführen.

Zunächst einmal muss ich mich dieser Erfahrung, wie bedrohlich ich sie auch empfinde und wie sehr ich sie auch verdrängen möchte, aufrichtig stellen. Ohne falsche Schuldgefühle muss ich der Tatsache meiner Unfähigkeit und Armut ins Gesicht schauen und muss einsehen lernen, dass ich mir die Gewissheit meines Gottes nicht machen kann, dass ich IHN mit meinem Denken und Wollen nicht ergreifen, begreifen, umgreifen kann.

In diesem Stand, in dem ich Gott offen bleiben möchte, ziehe ich mich in mein Innerstes, in meinen „Seelengrund“ zurück und widerstehe der Versuchung, meine Leere mit äußeren Ablenkungen und kurzfristigen Befriedigungen des Tätigwerdens und Genießens ausfüllen zu wollen. So „in mich eingekehrt“, besinne ich mich auf meine Grundentscheidung für Gott. Denn ich weiß doch, dass ich mich nicht selbst geschaffen habe, dass mir mein Leben geschenkt ist. Ich werde gewirkt.

Und schließlich verdichtet sich diese Gott erwartende Seelenstimmung in eine im Innern leise vernehmbare Einladung zu einem „Stoßgebet“ ins Dunkel hinein: „Oh mein Gott!“ „Gott, ich möchte glauben; hilf meinem Unglauben!“ Solche Stoßgebete sind wie Pfeiler im reißenden Strom.

In stadtgottes Dezember 2007, Seite