Unanständige Gedanken beim Beten

Ratgeber-Glauben

Obwohl ich ein anständiges Leben führe, drängen sich mir beim Beten in der Kirche öfter ungewollt unanständige Vorstellungen auf, sodass ich mich schuldig fühle und nicht mehr wage, zur Kommunion zu gehen. Was hilft mir?

Pater Eugen Rucker SVD aus: Stadt Gottes Januar 2008

Von Sünde kann man nur sprechen, wenn man frei ist und freiwillig handelt. Bei Ihnen fehlen aber in diesen Fällen diese Voraussetzungen. Werfen Sie also künftig alle Sündenangst ab und gehen Sie daran, diese Schwäche in Ihrer Psyche Schritt für Schritt zu heilen. Bei streng erzogenen Menschen kann dafür das Folgende Ursache sein: Bei der Erziehung wurden im Heranwachsenden Gott und Sexualität wie absolute Gegensätze auseinandergehalten und als unversöhnlich dargestellt. Man hat nie gelernt, dass Gott sich über die Geschlechtskräfte, die er in seine Geschöpfe hineingelegt hat, freut, wenn er sie sich entwickeln sieht. Eltern und Erzieher überfrachteten die Unordnungen im sechsten Gebot und sorgten, ohne das eigentlich zu wollen, dafür, dass im jungen, unerfahrenen Menschen dort Strafängste auftauchten, wo sie gar nicht am Platz sind. Dementsprechend würde ich Ihnen raten, regelmäßig Gott für Ihre Geschlechtlichkeit zu danken und die geschlechtlichen Regungen dankbar als Ihnen geschenkte Potenz zu erleben. Wenn Sie sich nun schrittweise aus dem Bann der Angst lösen können und Triebregungen in Ihrem Alltag, wie bisher, erfahren und ins Ganze Ihres Alltags eingeordnet und nicht verdrängt haben, wird auch der Sonderraum der Kirche keine Strafängste mehr hervorrufen können. Im Übrigen fände ich es schade, wenn Sie Ihre noch bestehende Schwäche weiterhin vom Gang zum Tisch des Herrn abhalten würde. Nicht die Gesunden, die Kranken brauchen den Arzt. Und Jesus ist vor allem Arzt und nie Richter, solange wir auf dem Pilgerweg sind.

In stadtgottes Dezember 2008, Seite