Friedwald – kirchlich erlaubt?

Ratgeber-Glauben

Ist eine Bestattung auf dem „Friedwald“ wirklich eine christliche Art der Beerdigung? Ist sie kirchlich erlaubt? Und wie sieht eine christliche Bestattungskultur aus?

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes Oktober 2008

Was die Formen der Bestattung betrifft, so gibt es keine ausdrücklichen kirchlichen Verbote. Auch die früher verbotene Feuerbestattung ist heute kirchlich erlaubt, es sei denn, sie wird aus Gründen gewählt, die der christlichen Glaubenslehre eindeutig widersprechen, so das Kirchliche Gesetzbuch im Canon 1176. Empfohlen wird an gleicher Stelle „die fromme Gewohnheit, (...) den Leichnam Verstorbener zu beerdigen“. Der Erdbestattung wird in der christlichen Tradition auch deshalb eine gewisser Vorzug eingeräumt, weil sie der Bestattung Jesu in einem Grab am nächsten kommt. Für Christen war seit den frühesten Anfängen die Bestattung zugleich auch immer ein Bekenntnis zur Auferstehung Christi und aller Toten. Die frühchristlichen Katakomben in Rom und anderswo geben reichlich Zeugnis von dieser Glaubenswelt.

Christlicher Glaube spricht von der Hoffnung, dass die Verstorbenen Gott schauen „von Angesicht zu Angesicht“, wie wir immer wieder im II. Hochgebet der Eucharistiefeier beten. Für Christen sind die Verstorbenen nicht „irgendwie irgendwo“, sondern sie leben im „Angesicht Gottes“. Hier haben sie bleibend „Platz und Namen“. Eine christliche Begräbniskultur wird darauf achten, dass die Verstorbenen einen Platz und einen Namen behalten. Sowohl Erd- als auch Urnenbestattung sollten etwas von diesem „Platz und Namen“ zum Ausdruck bringen. Eine anonyme Beerdigung steht in Gefahr, der Anonymität des Todes und des Sterbens Vorschub zu leisten. Berührungsangst vor dem Tod und Fühllosigkeit gegenüber den Toten, wie sie oftmals in unserer Gesellschaft anzutreffen ist, wird durch solche Art der Bestattung nur gefördert. So ist alles, was einem „einfach nur weg“ nahekommt, wo man geradezu den Eindruck eines „Entsorgens“ bekommt, mit einer christliche Begräbniskultur nicht zu vereinbaren. 

Wie weit ein „Friedwald“ oder „Ruheforst“ die personale Gemeinschaft mit Gott angemessen zum Ausdruck bringt, darf dahingestellt bleiben. Hierbei werden die Verstorbenen in einem Waldstück unter den Bäumen beigesetzt, oftmals aus finanziellen Gründen oder auch weil keine Angehörigen da sind, die sich um die Gräber kümmern können. Das Waldstück bleibt weiterhin als normaler Spazierbereich zugängig. In einer kirchlichen Stellungnahme heißt es dazu: „Es besteht die Gefahr, dass privatreligiöse, naturreligiöse oder pantheistische Vorstellungen gefördert, die Verstorbenen noch mehr aus dem alltäglichen Leben in einen oft weit entfernten Wald verbannt werden, sowie zum weiteren Verblassen einer christlich geprägten Kultur und in gewisser Weise auch zu einer verstärkten Kommerzialisierung beigetragen wird“ (Seelsorgeamt Bistum Münster). Jenseitsvorstellungen, die sehr stark geprägt sind von einem Aufgehen in die Natur oder reduziert sind auf ein Weiterleben in den Nachkommen, entsprechen nicht unserem christlichen Glauben. Wir übergeben die Toten letztlich nicht dem „Schoß der Erde und der Natur“, sondern dem Schöpfer und Erlöser Jesus Christus.

In stadtgottes Dezember 2008, Seite