Ökumenisch getraut – geht das?

Ratgeber-Glauben

Was ist von einer „ökumenischen Trauung“ zu halten? Und in welcher Konfession werden dann die Kinder erzogen?

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes Januar 2008

 Um es von vornherein offen und ehrlich zu sagen: Eine ökumenische Trauung gibt es nicht, so wie es eine ökumenische Taufe und ein ökumenisches Abendmahl bzw. eine Eucharistiefeier nicht gibt. So schmerzlich das im konkreten Fall sein mag, diese Klarheit ist nötig, um nicht unerfüllbare Erwartungen zu wecken, die nur verwirren und einer konfessionellen Identität hinderlich sind. Auch wenn bei einer konfessionsverschiedenen Ehe Geistliche beider Konfessionen anwesend sind und mitwirken, so nimmt doch immer nur ein Geistlicher den Ehekonsens, das sogenannte „Ja-Wort“, entgegen, wodurch die Ehe dann katholisch oder evangelisch geschlossen ist. Darum ist die offizielle Bezeichnung einer solchen Eheschließung nicht „ökumenische Trauung“, sondern „Gemeinsame kirchliche Trauung für konfessionsverschiedene Paare unter Beteiligung der Pfarrer beider Kirchen“. Der katholische Partner müsste sich bei einer Trauung in der evangelischen Kirche durch einen evangelischen Pfarrer von der sogenannten „Formpflicht“, also der Eheschließung in der katholischen Form, durch den zuständigen katholischen Pfarrer dispensieren lassen. Entscheidend für die Eheschließung ist immer, wer den Ehekonsens entgegennimmt. Dementsprechend ist das Paar dann katholisch oder evangelisch getraut, was die jeweilige konfessionelle Identität jedoch nicht berührt: Der jeweilige Partner bleibt auch nach einer solchen Trauung in der anderen Kirche Mitglied seiner Kirche mit allen Rechten und Pflichten. Den Kirchen, und vor allen Dingen der katholischen und auch den orthodoxen Kirchen, ist entschieden daran gelegen, dass hier kirchliche Identitäten klar gewahrt werden, dass jedermann weiß, wo er dran ist. Von daher müsste man eigentlich jeweils von einer katholischen, evangelischen oder orthodoxen Trauung unter betender, predigender, segnender Anwesenheit eines Geistlichen einer anderen Konfession sprechen. Zugleich wird der katholische Partner verpflichtet, dafür zu sorgen, dass seine Kinder katholisch getauft und erzogen werden, mit dem vielsagenden Beisatz „soweit das in Ihrer Ehe möglich ist“. Damit wird deutlich, dass es sich bei diesen Fragen um tiefgehende Gewissensfragen handelt, wo der Respekt vor der Gewissensentscheidung der Partner unerlässlich ist. Oftmals fällt die Entscheidung für die Konfession der Mutter, da diese meistens den stärkeren emotionalen Bezug zu den Kindern hat. Diese Entscheidung darf nie zu einem Machtkampf in der Ehe führen, sondern muss in einem aufrichtigen Gespräch geklärt werden. Wie auch immer die Entscheidung ausfällt, sie ist gerade von den Seelsorgern zu respektieren, wenn sie auch für die Beteiligten mit Schmerz verbunden sein kann.

In stadtgottes Dezember 2008, Seite