Hilft der Glaube gegen meine Ängste?

Ratgeber-Glauben

Ich bin ein sehr ängstlicher Mensch. Vieles macht mir Angst, was andere einfach hinnehmen und mit dem sie leben. Das macht mein Leben schwer. Dabei bin ich sehr gläubig. Ohne meinen Glauben hätte ich sicher noch mehr Angst. Sie selbst haben doch sicher auch Angst, oder? Wie hilft Ihnen Ihr Glaube, mit Ihren Ängsten zu leben? Vielleicht können Sie mir einige Hinweise geben?

Pater Franz-Josef Janicki SVD aus: Stadt Gottes Mai 2009

Sicher, auch ich habe Angst. Aber ich habe ein wenig gelernt, mich nicht vor meiner Angst zu verbarrikadieren, die Augen und das Herz vor ihr zu verschließen und so zu leben, als gäbe es sie nicht. Ich weiß aus Erfahrung, es macht wenig Sinn, vor der Angst zu fliehen, mich ihr durch alle möglichen Ablenkungen zu entziehen oder in Panik zu geraten. Ich lasse die Angst wahr sein und versuche, sie in aller Ruhe anzuschauen, sie wahrzunehmen und mich mit ihr anzufreunden. Das klappt nicht immer, aber doch immer wieder. Dabei hilft mir mein Glaube. Er eröffnet mir mitten in meiner Welt der Angst neue, erhellende Perspektiven. Durch ihn darf ich erleben, dass ich in diesem bedrohten Dasein durch Gott, der sich im Lebensvollzug Jesu als bedingungslose Liebe zeigt, gewollt, angenommen, bejaht und geliebt bin. Durch Gott, der sich im Lebensereignis Jesu, vor allem in seinem Sterben als der „Ich-bin-Da“ erweist und der den alle menschliche Angst durchleidenden Jesus in eine neue Dimension des Lebens hineinführt, erfahre ich, dass er auch in meinem Leben als der „Ich-bin-Da“ gegenwärtig ist. „Gott begann niemals, uns zu lieben. Wir sind ohne Beginn gekannt und geliebt“, sagt die Mystikerin Juliana von Norwich. Ich darf deswegen mein Leben in seine Zukunft hinein entwerfen und mich mit der Lebensfülle Gottes beschenken lassen. Es mag geschehen, was will, nichts wird diese Lebenszusage zerstören können. In ihr bin ich ein für alle Mal geborgen. Das erfüllt mich trotz aller Angst doch mit einem großen Vertrauen. Ich darf unbedingt sein. Ich versuche, aus der Wirklichkeit zu leben, die der Theologe Helmut Thielicke so formuliert hat: „Gott liebt uns nicht, weil wir so wertvoll sind, wir sind so wertvoll, weil Gott uns liebt.“ So kann ich mit meiner Angst leben.

In stadtgottes Dezember 2009, Seite