Mein Mann will immer recht behalten!

Ratgeber-Glauben

Mein Mann leitet einen kleinen Betrieb, den er selbst aufgebaut hat. Darauf ist er sehr stolz. Dort sagt er immer, wo es lang zu gehen hat. Meistens hat er auch recht. Aber dieses bestimmende Verhalten überträgt er auch auf unsere Beziehung – er hat immer recht! Andere Meinungen lässt er nicht gelten. Er glaubt auch, dass man in einer Ehe immer der gleichen Meinung sein muss, vor allem in politischen Fragen. Oft gab es deswegen Streit. Darum habe ich immer nachgegeben. Aber lange halte ich das nicht mehr aus. Was soll ich tun?

Franz-Josef Janicki SVD

Ja, das ist schon ein Kreuz mit den dominanten Männern. Das Problem, das Sie schildern, teilen Sie mit vielen Frauen in einer so genannten ehelichen „Partnerschaft“. Die Männer bestimmen und setzen „ihre“ Frauen unter Druck, wenn sie nicht der gleichen Meinung sind wie sie selbst. Um des lieben Friedens willen geben viele (nicht alle!) Frauen nach und ordnen sich unter – oft bis zur Aufgabe ihrer eigenen Persönlichkeit. Und das sehen viele (nicht alle!) Männer als echten Ausdruck ehelicher Liebe an. Aber damit hat das wenig zu tun und mit Partnerschaft schon gar nichts. Es ist doch eigentlich selbstverständlich: Auch als Ehefrau sind Sie eine eigenständige Person, die ein Recht auf ihre eigene Meinung hat. Das Ideal ehelicher Liebe besteht nicht darin, in den Meinungen und Überzeugungen gleichsam eine Symbiose zu bilden, sondern sich in einem partnerschaftlichen Austausch und Dialog den Raum der Freiheit zu schenken, in dem sich die Partner ergänzen und mit- und aneinander zu selbstverantwortlichen Persönlichkeiten wachsen und reifen. In diesem Prozess wird es natürlich immer wieder Auseinandersetzungen und auch Streit geben. Aber sie sind keine Katastrophe. Sie können vielmehr Schritte zu einer größeren Freiheit und gegenseitigen Wertschätzung werden. Uns fehlt allerdings weithin eine humane Streitkultur, die nicht nach dem Motto „hier Sieger und da Besiegte“ handelt, sondern den Austausch der Argumente fördert und mit unterschiedlichen Auffassungen und ungelösten Fragen leben lernt.

In stadtgottes Dezember 2009, Seite