Was sind Quatembersonntage?

Ratgeber-Glauben

Quatember bedeutet

P. Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes Januar 2010

Alle drei Monate hört man in der Liturgie den Begriff „Quatember“. Was bedeutet das eigentlich?

Man versteht darunter jeweils den Mittwoch, Freitag und Samstag von vier Wochen im Jahr, die ungefähr mit dem Beginn der vier Jahreszeiten zusammenfallen und die man in Rom seit dem 8. Jahrhundert als „Quattuor tempora“ (vier Zeiten) bezeichnet. Woher diese Tage genau kommen, ist bis heute nicht ganz geklärt. Auf jeden Fall hängen sie früh mit den vier Jahreszeiten zusammen und betonen im Zusammenhang mit dem Kreislauf des Jahres die Notwendigkeit des Bittund Dankgebetes und der ständigen Läuterung. Sie waren immer mit Fasten verbunden. Sicherlich spielen bei der Entstehung des Quatember heidnisch-römische Bräuche im Rahmen von Erntedankfesten mit. Über die römische Liturgie und ihre Verbreitung kam das Quatemberfasten in die ganze westliche Kirche. Im Laufe der Zeit wurden als Termine festgehalten die erste Fastenwoche, die Woche nach Pfingsten und nach Kreuzerhöhung (14.9.) und die Woche nach Luzia (13.12.). Aufs Ganze gesehen lässt sich der Inhalt so zusammenfassen: Einerseits geht es um ein asketisches Bemühen in Gebet, Fasten und Almosen und zugleich damit verbunden um den Dank für die verschiedenen Ernten des Jahres. In früher Zeit schon waren die Quatemberdaten auch beliebte Termine zur Spendung der Weihen, weshalb sie heute oftmals mit einem besonderen Gebet für Priester- und Ordensberufe verbunden sind. Auch wenn sie im liturgischen Leben der Kirche nicht besonders auffallen, so sind sie doch beibehalten. Ihre terminliche Festlegung jedoch ist den einzelnen Bischofskonferenzen überlassen. Heutige thematische Schwerpunkte des Gebetes sollten ähnlich wie an den Bitt-Tagen vor Himmelfahrt die großen Anliegen der heutigen Zeit sein: der Friede, die Gerechtigkeit und der Hunger in der Welt. Das Messbuch enthält für jede Jahreszeit eigene Quatembermessen. Quatember ist ein Beispiel dafür, wie alte heidnische Bräuche, die tiefe menschliche Anliegen zur Sprache bringen, christlich getauft wurden und so Gebet und Liturgie in den jeweiligen Problemen und Fragen der Zeit verorten. Dies ist ständige Aufgabe der Kirche.

In Ausgabe 11-2010, Seite