Mein Schwager ist gestorben. Wie tröste ich meine Schwester?

Ratgeber-Glauben

Schwager gestorben

01.06.2010 | P. Franz-Josef Janicki SVD aus: Stadt Gottes Juni 2010

Der Mann meiner Schwester ist ganz plötzlich, ohne eigentlich krank zu sein, gestorben. Meine Schwester hadert sehr mit ihrem Schicksal. Ich möchte ihr gerne helfen. Aber ich komme mir so hilflos vor und weiß nicht so recht, wie ich das anstellen soll. Guter Wille allein genügt da wohl nicht.

Es ist gut, dass Sie sich um Ihre Schwester kümmern wollen. Ihnen einen Rat zu geben, wie Sie sich konkret ihr gegenüber verhalten sollen, ist für mich nicht so ganz einfach, da ich ja Ihre Schwester nicht kenne. Auf jeden Fall ist es angebracht, dass Sie Ihre Schwester nicht mit vielen guten Ratschlägen zudecken. Ich würde an Ihrer Stelle zunächst überhaupt nicht viel sagen, sondern eine Atmosphäre schaffen, dass sie selber redet. Zum Trauerprozess gehört ja gerade diese Art des Sich- Mitteilens, und der sollte über eine längere Zeit möglich sein. Vielleicht wäre es sogar gut, wenn Ihre Schwester eine Selbsthilfegruppe von Menschen, die ein ähnliches Problem zu verarbeiten haben, aufsucht. Dort könnte sie sich aussprechen und von anderen Erfahrungen hören, die ihr weiterhelfen könnten. Schließlich würde ich sehr vorsichtig darauf hinweisen, dass nun einmal Sterben zum Leben gehört. Den Zeitpunkt des Todes kann gewöhnlich niemand selbst bestimmen. Aber es ist davon auszugehen, dass, wenn einem das Sterben und der Tod zugemutet wird, dies auch der richtige Zeitpunkt ist. Das ist natürlich nur vom Glauben her zu sagen: Wenn unser Leben in Gottes Hand liegt, dann auch unser Sterben. Das ist für diejenigen, die zurückbleiben, schwer zu ertragen und oft nur in einem längeren Trauerprozess zu verarbeiten. In diesem Prozess müssten Sie aber Ihrer Schwester den Raum geben, die ganze Skala der Gefühle, die sie bewegt, zuzulassen, und das ist oft nicht einfach. Letztlich hilft es den Menschen, die den Verlust eines lieben Menschen zu ertragen haben, wenn sie andere finden, die sie in diesem schweren Stück Leben, das sie zu durchschreiten haben, begleiten – und das nicht nur mit Worten.

In Ausgabe 11-2010, Seite