Besser beten in „alter“ Messe?

Ratgeber-Glauben

Der Papst hat 2009 die Messe im alten, im tridentinischen Ritus wieder erlaubt. Nur sehr wenige Pfarreien und Priester haben sich darauf eingelassen. Mir sagt dieser Ritus sehr zu, es ist die wohlbekannte Form meiner Jugend. In dieser Liturgie konnte ich mich ins Gebet, etwa den Rosenkranz, versenken. Warum wird sie heute so selten gefeiert? Ist denn die heutige Messe „besser“ oder „angebrachter“?

Pater Fabian Conrad SVD

Grundsätzlich ist keine Messe „besser“ oder „angebrachter“ als eine andere. Unsere heilige Messe ist eine Form der liturgischen Feier, die die Kernpunkte unseres Glaubens vergegenwärtigt: Jesu Leben und Sterben, seine Auferstehung und die uns daraus entstehende unauflösliche Beziehung zu Gott. Die Form, die diese Feier annimmt, ist letztlich zweitrangig. Erstrangig ist das Tun: Das Hören und Auslegen des Wortes Gottes und die Feier der Geheimnisse um Brot und Wein in der Eucharistie. Das wirklich wichtige persönliche Gebet (etwa der Rosenkranz) hat in einer solchen Liturgie nichts mehr verloren, denn das Gebet ist dort Sache der Gemeinschaft, die betet und singt.

 

Es ist nicht mehr allein der Priester, der den Ritus vollzieht, und die Gemeinde kann tun und lassen, was sie will. Der heutige Ritus ist eine heilige Handlung der Gemeinde, die das Mittun aller erfordert. Und das ergibt sich aus dem Kirchenbild, das dieses Konzil in den 60er-Jahren neu und doch wieder ursprünglich gefasst und formuliert hat: Eine Gemeinschaft der Heiligen, wie sie in den Paulusbriefen immer wieder beschworen wird, die eine Trennung zwischen sakral und profan nicht mehr dulden kann. Hinter diese Einsicht von kirchlicher Gemeinschaft dürfen wir nicht mehr zurückgehen. Das ist wohl der hauptsächliche Grund, warum so wenige Priester den doch sehr zeitbedingten und überkommenen Ritus heute bevorzugen. Er verkörpert ein Kirchenbild, das eigentlich niemand mehr will; leider machen sich über diesen Punkt sehr wenige Gläubige ernsthafte Gedanken.

 

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