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Ratgeber-Glauben

Wenn es historisch gesehen kein Paradies, keine Stammeltern und keine Arche Noah gab – was bedeuten dann diese Texte?

Pater Hans Peters SVD

In der Tat, die Anfangsgeschichten der Bibel (Gen 1–11) erzählen keine Begebenheiten im historischen Sinn. Historisch im modernen Sinn wird die Bibel mit der Gestalt Abrahams, also ab dem 12. Kapitel der Genesis. Wobei allerdings auch diese Berichte nicht einfach historische Ereignisse sind, sondern immer und in erster Linie Glaubenszeugnisse der Menschen, die sie aufgeschrieben haben.

 

Wenn die Bibel vom „Anfang“ (Gen 1,1) spricht, geht es ihr nicht um eine naturwissenschaftlich-geschichtliche Aussage über Art und Weise oder Zeitpunkt eines Beginns des Kosmos, sondern es geht ihr um eine Glaubensaussage: Alles, was existiert, steht von Anfang an unter dem Ja Gottes, ist von Anfang an von Gott gewollt. Der Ausdruck „Schöpfung“ bringt die naturwissenschaftlichen Prozesse der Kosmosentwicklung, die wir bis heute nicht vollständig erklären können, in einen Glaubenszusammen- hang. Er befragt alles, was existiert, nach seinem Sinn und versucht aus dem Glauben heraus eine Antwort. Die entscheidende Antwort: Gott sah, was er gemacht hatte, und es war sehr gut (Gen 1,31). 

 

Das Ziel dieser Aussage ist: So sehr die Welt immer wieder auch als gefährdet und gefährlich erfahren wird, es ist gut, dass es sie gibt, es ist gut, dass es uns Menschen gibt, es ist gut, dass es mich gibt. Auch mit den Paradiesgeschichten, mit Kain und Abel, der Arche Noah müssen wir so umgehen: Es sind Deutungsgeschichten über den Ursprung des Bösen, über Gottes Sicht der Dinge, wie das vor allen Dingen in der Regenbogengeschichte beim Opfer Noahs (Gen 8,20–22) zum Ausdruck kommt. 

 

Es gilt, endlich damit aufzuhören, aus den ersten Kapiteln der Genesis irgendwelche historischen Ereignisse konstruieren zu wollen. Sie sind als interpretierende Glaubensgeschichten zu verstehen, die uns den Sinn dessen erschließen wollen, was wir als Schöpfung vorfinden: die Gottgewolltheit dieser Schöpfung, vor allen Dingen des Menschen, die Gefährdung der Schöpfung durch den Menschen und damit verbunden das Geheimnis des Bösen und seine Folgen, aber mehr noch Gottes Treue zu seiner Schöpfung und zum Menschen.

 

In dieser Glaubensaussage haben die Texte auch heute eine ganz neue aktuelle Bedeutung, wenn wir sehen, wie gefährdet die Schöpfung ist und wie immer wieder durch die Entscheidung des Menschen Böses geschieht. Aber entscheidend ist, dass wir glauben, in all dem von Gott gehalten zu sein, der sein Ja zum Menschen und zur Schöpfung nicht zurücknimmt. Zu diesem Glauben wollen uns die ersten Kapitel der Genesis hinführen.

 

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