Wie soll man Gott anbeten?

Ratgeber-Glauben

Wie ist das Wort Jesu von der Anbetung „im Geist und in der Wahrheit“ (Joh 4,23) zu verstehen?

Pater Hans Peters SVD

Das Wort ist gesprochen am Jakobsbrunnen, wo Jesus eine Samariterin bittet, ihm zu trinken zu geben. Eine äußerst ungewöhnliche Bitte, da die Juden im Allgemeinen jeden Kontakt mit den Samaritern vermieden haben, weil diese nicht auf den Tempel in Jerusalem als den Ort des rechten Gottesdienstes ausgerichtet sind und in ihren Augen somit nicht rechtgläubig sind. Im Laufe des Gespräches kommt die Frage auf, wo denn der wahre Ort der rechten Anbetung sei. 

 

Letztlich ist es die Frage, wie und wo der Mensch mit Gott in Kontakt treten kann. Jesu Antwort: Weder Jerusalem noch der Garizim als Berg der Samariter ist Ort der Anbetung, sondern dass „der Vater im Geist und in der Wahrheit“ angebetet werde. Abgesehen von der Auseinandersetzung zwischen Juden und Samaritern spielt dieses Wort auch auf die Absatzbewegung der jungen Gemeinde von der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Diese war zur Zeit des Johannesevangeliums (ca. 100 n. Chr.) mehr oder weniger abgeschlossen, lieferte aber immer noch Stoff für polemische Auseinandersetzungen. 

 

So sehr Gottes Handeln an den Menschen mit konkreten geschichtlichen Orten verbunden ist, es ist nicht an diese Orte gebunden, weil der Geist alle Orte überschreitet. Die wahre Anbetung Gottes ist durch Jesu Tod und Auferstehung und die Geistsendung nicht mehr an ein Volk (Juden) und damit nicht mehr an einen Ort (Jerusalem) gebunden, sondern für alle geöffnet, die sich der Wahrheit öffnen. So müssen wir uns von Jesus in die rechte Anbetung einweisen lassen, denn er ist der Einzige, der Gott wirklich und wahrhaft anbetet, weil er Gott wirklich und wahrhaft kennt und liebt.

 

Anbetung geschieht somit immer in Gemeinschaft mit Christus und seinem Geist. Zutiefst ist Christus selbst jener „Tempel“, in dem fortan angebetet wird. Die Liturgie drückt das dadurch aus, dass sie die Gebete immer enden lässt mit „durch Christus unseren Herrn“. Zugleich wird damit die geistbegabte Gemeinde als „Leib Christi“ zum Ort, an dem diese Anbetung geschieht.

 

So kann solche Anbetung „im Geist und in der Wahrheit“ nicht auf einen rituellen Akt beschränkt bleiben, auch nicht auf den Akt der eucharistischen Anbetung, so kostbar und unersetzbar diese Praxis ist, sondern das ganze Leben soll davon geprägt werden: in einem Lebensstil, der Gott den ersten Platz gewährt, wie es in Röm 12,1 ausgedrückt wird. Der wahre Gottesdienst, die wahre Anbetung wird darin gesehen, sich selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen. Ob solche von Jesus geforderte Anbetung „im Geist und in der Wahrheit“ geschieht, hängt also davon ab, ob das Leben in Gottes- und Nächstenliebe Zeugnis gibt von Gottes Geist und seiner Wahrheit.

 

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