Der Islam - eine Gefahr für Europa?

Ratgeber-Glauben

Stellt der Islam nicht eine Gefahr für unser christliches Europa dar? Sollte ich deshalb als Christ den Kontakt zu Muslimen lieber meiden?

01.01.2012 | Pater Hans Peters SVD

Gerade weil wir oft den Kontakt zu Muslimen und Andersgläubigen oder -denkenden meiden, sehen wir im anderen eine Gefahr! Das Fremde aber kann seine Bedrohung nur verlieren, wenn ich mir das Fremde näher anschaue. Der Islam ist dann eine Gefahr, wenn er im fundamentalistischen Gewand auftritt als Islamismus. Das heißt, wenn er mit dem Koran und der Scharia, dem islamischen Recht, das alltägliche Leben regeln will und vor allen Dingen Andersgläubige zu einem Leben nach dem Koran zwingen will, wie es in der Geschichte nicht selten passiert ist.  

Christen haben sich oft des gleichen Vergehens schuldig gemacht. Aber sie haben aus der Geschichte gelernt, nicht zuletzt im Zweiten Vatikanischen Konzil, das die Religionsfreiheit ausdrücklich als unaufgebbar zur „Würde der menschlichen Person“ (so der Titel des Konzilsdokumentes) gehörend bezeichnet. Der Islam wird sich die Frage stellen lassen müssen, wie er es mit der Religionsfreiheit hält, ob er zum Beispiel auch die Freiheit kennt, vom Islam zum Christentum zu konvertieren.

Solange eine solche Möglichkeit nicht vorgesehen ist und sogar in strenger Auslegung mit der Todesstrafe geahndet werden soll, ist der Islam nicht mit einer demokratischen Gesellschaftsordnung vereinbar. Dann könnte ein stärker werdender Islam wirklich eine Gefahr sein. Aber solche Tendenzen zum Fundamentalismus gibt es auch im Christentum, wenn man etwa meint, mit der Bibel alle Fragen des Lebens lösen zu können, oder die Lehren des kirchlichen Lehramtes nicht mehr kritisch hinterfragt werden dürfen und sturer Gehorsam verlangt wird. Mit geistloser Buchstabentreue heiligen Schriften gegenüber wird jede Religion zu einer Gefahr für ein Zusammenleben. 

Grundsätzlich gelten für uns als katholische Christen in der Auseinandersetzung mit dem Islam die Aussagen des Konzils: „Der Heilswille (Gottes) umfasst aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslime, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird.“ „... mit uns den einen Gott anbeten“: Miteinander und nicht gegeneinander ist die grundsätzliche Haltung von Christen gegenüber anderen Religionen, auch dem Islam!

 

In , Seite