Sind Mormonen Christen?

Ratgeber-Glauben

Was ist von den Mormonen zu halten? Sind sie eine christliche Konfession?

01.04.2012 | Pater Hans Peters SVD

Nein, die Mormonen sind keine christliche Kirche, auch wenn sie den Namen „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ tragen und sich selbst als christliche Gemeinschaft verstehen. Ihren Ursprung führen sie auf ein direktes Eingreifen Gottes zurück. Dabei spielt ihr Gründer, der Amerikaner Joseph Smith (1805–1844), eine entscheidende Rolle. Ihm wurden nach eigenen Angaben häufig Visionen zuteil, in denen Gott ihn angeblich beauftragte, die Urkirche wiederherzustellen: Alle anderen Kirchen seien im Laufe der Zeit von der Wahrheit abgewichen, ja sie seien geradezu „verderbt“. Auch Engelvisionen spielen eine große Rolle.  

Diese Offenbarungen, festgehalten im „Buch Mormon“ und anderen Schriften, werden der Bibel gleichgestellt, ja sie sind für die Mormonen der Schlüssel, um die Bibel überhaupt richtig verstehen zu können. Benannt sind sie nach einem gleichnamigen amerikanischen „Propheten“ des 5. Jahrhunderts. Es können jederzeit neue Offenbarungen hinzukommen, die dem jeweils amtierenden Leiter der Gemeinschaft gegeben werden. Durchweg werden christliche Begriffe verwendet, die jedoch einen völlig anderen Inhalt bekommen als in den christlichen Kirchen.   

Auffallend ist das Gottes- und Menschenbild der Mormonen: „Wie der Mensch heute ist, war Gott einst – wie Gott heute ist, kann der Mensch einst werden“, so eine ihrer wichtigsten Überzeugungen. Hier wird der grundlegende Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf, wie er für ein christliches Gottesbild maßgebend ist, völlig verwischt. Auch die Lehre von der Dreifaltigkeit wird strikt abgelehnt. Allein diese Tatsachen, abgesehen von den bisweilen mehr als seltsamen Offenbarungsinhalten, machen deutlich, dass wir es hier nicht mit einer christlichen Konfession zu tun haben.

 

Die Besonderheiten der Mormonen

Bekannt wurden die Mormonen durch die Besiedelung des Gebietes „Großes Salzseetal der Rocky Mountains“, das sie zur Kulturlandschaft mit dem Zentrum Salt Lake City umgestalteten, eine enorme Kulturleistung. Aber erst nachdem sie die Vielehenpraxis aufgegeben hatten, konnte ihr Gebiet 1890 als Bundesstaat Utah Teil der USA werden. 

Sehr konkrete Speisevorschriften, ein besonders gepflegtes Familienleben und andere das alltägliche Leben bestimmende Regeln lassen sie oftmals in einer konsumorientierten Umwelt als fleißige und erfolgreiche Menschen auffallen. Heute gehören weltweit knapp zehn Millionen Menschen zu ihnen, in Deutschland nur etwa 30 000. Im Laufe der Geschichte gab es immer wieder Abspaltungen.

Wer als Christ zum Mormonentum übertritt, wechselt nicht die Konfession, sondern er fällt vom christlichen Glauben ab und wendet sich einer eigenständigen synkretistischen Religion, einer Vermischungsreligion, einer Neu-Religion, zu. Darum ist ein wie auch immer gearteter ökumenischer Dialog mit ihnen nicht möglich.

 

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