Warum lehnen Protestanten den Papst ab?

Ratgeber-Glauben

Warum haben Protestanten Schwierigkeiten mit dem Petrusamt, obwohl es heißt: „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen.“

01.03.2012 | Pater Hans Peters SVD

Die Kirche hat etwa 300 Jahre gebraucht, bis sie anfing, diese Worte im Sinne des uns vertrauten katholischen Papsttums zu verstehen. So eindeutig sind sie also nicht, wie wir Katholiken oft vorgeben: Notwendig waren „Interpretationszeit“ und ein entsprechender Interpretationsrahmen. Als Matthäus sein Evangelium schrieb, wollte er die bleibende Bedeutung des Petrus im Kreis der anderen Apostel für die Weitergabe des Glaubens herausstellen. 

 

Von einer etwaigen Ausformung dieser Petrusfunktion in Richtung eines Papstamtes hatte er keine Vorstellung. Der Gedanke eines Petrusdienstes im Sinne eines Papsttums für die Gesamtkirche hat sich erst unter Papst Leo dem Großen im 5. Jahrhundert voll durchgesetzt. Zwar spielte schon ab dem 2. Jahrhundert die Kirche Roms mit ihrem Bischof eine besondere Rolle, gerade auch in der Auseinandersetzung mit den Irrlehren der damaligen Zeit; die römische Kirche galt als Garant der apostolischen Lehre, aber nicht im Sinne einer auch rechtlich fundierten Vorrangstellung gegenüber anderen Kirchen. 

 

Um diese geschichtlichen Entwicklungen zu wissen, ist wichtig. Die Schwierigkeiten der Protestanten mit dem Papsttum haben konkrete geschichtliche Wurzeln. Zur Zeit Luthers war das Papsttum auf einem der erschreckendsten Tiefpunkte moralischer und spiritueller Art in seiner ganzen Geschichte angelangt. Aus dieser konkreten Erfahrung formulierte Luther seine Papstkritik, die dann allerdings im Laufe seiner Entwicklung zu einer generellen Ablehnung des Papstamtes führte und damit zur Spaltung der Kirche. Auch wenn ein Petrusdienst an der Einheit der Kirche nicht mehr auf totale Ablehnung stößt, so ist doch die Frage, wie dieser Einheitsdienst des Papstes auszusehen hat.   

 

Papst Johannes Paul II. hat in seiner Enzyklika „Ut unum sint“ (Sie mögen eins sein) vom Mai 1995 dieses Anliegen s0 ausgedrückt: Es gehe darum, „eine Form der Primatsausübung zu finden, die zwar keineswegs auf das Wesentliche ihrer Sendung verzichtet, sich aber einer neuen Situation öffnet … Der Heilige Geist schenke uns sein Licht und erleuchte alle Bischöfe und Theologen unserer Kirchen, damit wir ganz offensichtlich miteinander Formen finden können, in denen dieser Dienst einen von den einen und anderen anerkannten Dienst der Liebe zu verwirklichen vermag.“

 

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