Novene zum hl. Pater Freinademetz

Neuntägige Gebetsandacht

Freinademetz

Selig seid ihr

Novene nach den
Seligpreisungen Jesu
um die Fürbitte des
heiligen Josef Freinademetz

Der heilige Josef Freinademetz

Josef Freinademetz war ein großer, von der Frohbotschaft Christi durchdrungener Missionar. Er hat dafür gelebt, die Hoffnung, die ihn selbst erfüllte, an andere weiterzugeben. Der Ernst, mit dem er den Glauben lebte und predigte, hat ihm die Achtung der Menschen erworben; ihre Herzen gewann er durch sein bescheidenes Auftreten und die unerschütterliche Güte, die er ausstrahlte.
Josef Freinademetz wurde am 15. April 1852 in Oies, Gemeinde Abtei (Badia) im Gadertal (Val Badia), geboren. Das Gadertal gehörte damals zu Österreich, seit 1919 ist es wie ganz Südtirol Teil Italiens. Freinademetz war Ladiner und gehörte damit zur ältesten Volksgruppe Südtirols.
Nach der ladinischen Volksschule in Abtei, dem deutschen Gymnasium und dem Theologiestudium in Brixen wurde er am 25. Juli 1875 in der Seminarkirche zum Priester geweiht. Von 1876 bis 1878 war er Kooperator (Kaplan) und Lehrer in St. Martin in Thurn, Gadertal. Dann trat er in das 1875 gegründete Missionshaus in Steyl (Niederlande) ein. Er und Johann Baptist Anzer waren die ersten Missionare, die Arnold Janssen, der Gründer des Steyler Missionshauses, am 12. März 1879 in die Mission nach China senden konnte. Nach einer Einführung in die Missionsarbeit im Hinterland von Hongkong übernahmen die beiden Steyler Missionare im März 1882 die Mission in Süd-Shantung. Freinademetz wirkte in den verschiedensten Gegenden des riesigen Gebietes und gründete viele Christengemeinden. Er war als Missionar und als Beter unermüdlich und wurde so zum Vorbild der Neumissionare, die er – vor allem, nachdem er 1900 Provinzial der Steyler Missionare in China geworden war – in die Missionsarbeit einführte. In sechs längeren Perioden leitete er in Abwesenheit des Missionsoberen bzw. Bischofs die Mission. Am 28. Januar 1908 starb er an Typhus.
Am 19. Oktober 1975 hat Papst Paul VI. Josef Freinademetz zusammen mit Arnold Janssen selig gesprochen. Am 5. Oktober 2003 wurde er, wieder zusammen mit seinem Ordensvater, heilig gesprochen.

Was ist eine Novene?

Seit rund 900 Jahren sind Novenen in der Kirche sehr beliebt. Die Gläubigen erbitten in neun (daher der Name) aufeinander folgenden Tagen Gottes Hilfe in bestimmten Anliegen. Dabei wenden sie sich oft an bestimmte Heilige um Fürbitte.
Bei einer Novene kann es genauso wenig wie bei anderen Gebetsformen darum gehen, bei Gott ein Anliegen unbedingt durchsetzen zu wollen; es geht nicht darum, dass Gott unseren Willen erfüllt, sondern dass wir lernen, Gottes Willen zu erkennen, anzunehmen und auszuführen. Solange man keine größeren Sorgen hat, ist es leicht, zu beten: „Dein Wille geschehe...“; wenn uns aber Ängste, Nöte oder Krankheiten bedrücken, möchten wir, dass unbedingt unser Wille geschieht und Gott so eingreift, wie wir es uns vorstellen. Eine Novene kann helfen, uns gleichsam in den Willen Gottes hineinzubeten, uns für den Willen Gottes zu öffnen und so wirklich Jünger/Jüngerinnen Jesu zu werden.
Die wichtigste Gabe, die wir von Gott erbitten können, ist jene, um die Maria mit den Aposteln in der „Ur-Novene“ neun Tage lang in Jerusalem gebetet hat: die Gabe des Heiligen Geistes.
Die vorliegende Novene folgt den Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt, ergänzt durch weitere entsprechende Texte aus den Evangelien. Die Seligpreisungen gehören zum Kern der Botschaft Jesu. Wer Jesus nachfolgen will wie es die Heiligen getan haben, der muss in sich mehr und mehr Raum schaffen für das, was in den Seligpreisungen angesprochen wird. Dabei wird ein Heiliger oder eine Heilige mehr an die eine, der/die andere Heilige mehr an eine andere Selig-preisung erinnern. So denken wir bei Franz und Klara von Assisi spontan an die Armut, bei Martin oder Elisabeth an die Barmherzigkeit. Die Heiligen können uns helfen, zu verstehen, was Jesus mit den Seligpreisungen gemeint hat; sie können uns helfen, uns diesem Gedankengut ge-genüber mehr und mehr zu öffnen und so Jesus ähnlicher zu werden.
Schaut man unter dem Blickwinkel der Seligpreisungen Jesu auf das Leben des Josef Freinademetz, mag man überrascht sein, in welchem Maß er sie verwirklicht hat. Möge er uns helfen, Jesus so treu zu folgen, wie er es getan hat.
P. Lothar Janek

1. Tag

Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.

Ein Mann wollte von Jesus wissen, was er tun müsse, um das ewige Leben zu gewinnen; die Gebote Gottes habe er von Jugend auf gehalten. Jesu Antwort: „Eines fehlt dir noch: Verkauf alles, was du hast, verteil das Geld an die Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber wurde sehr traurig, als er das hörte; denn er war überaus reich. Jesus sah ihn an und sagte: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Die Leute, die das hörten, fragten: Wer kann dann noch gerettet werden? Er erwiderte: Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich“ (Lk 18,22-27).

Reichtum wird leicht zum Götzen, von dem der Mensch alles erwartet und dem er alles opfert. Wer arm ist, setzt eher sein Vertrauen auf Gott. Arme waren es, die Jesus vertrauten und den Großteil der christlichen Gemeinden stellten.
Vor Gott arm sein heißt, nicht wegen eigener Leistungen Gott gegenüber Ansprüche zu erheben, sondern sich im Bewusstsein der eigenen Schwachheit und Sünde auf seine Barmherzigkeit und Güte angewiesen zu wissen. Wer „im Geiste“, wie es Matthäus nennt, arm ist, sagt auch dann ja zum Menschsein, wenn er schmerzlich die Grenzen erfährt, wie zum Beispiel bei Armut, im Scheitern, im Kranksein und im Tod. - Der Sohn Gottes wurde ja selbst Mensch mit allen Konsequenzen des Menschseins.
In Josef Freinademetz lebte der Geist dieser Seligpreisung. Er arbeitete hart und teilte das Leben der Armen: einfachstes Essen, primitivste Unterkunft usw.; trotzdem empfand er sich vor Gott als unverdient Beschenkter: „Missionar zu sein betrachte ich nicht als ein Opfer, das ich Gott bringe, sondern als die größte Gnade, die Gott mir geschenkt hat.“ So wurde ihm China zur Heimat, und die Chinesen wurden ihm zu Brüdern und Schwestern.

  • Zum Nachdenken:

Was bedeutet diese Seligpreisung für mich? Worin bin ich selbst „arm“?

Himmlischer Vater,
hilf mir wie der heilige Josef Freinademetz zu sehen, wie reich du mich beschenkt hast: mit meinem Leben, meiner Familie, meinen Freunden, mit dem Glauben… Du hast uns deinen Sohn und deinen Heiligen Geist gegeben. Ich darf dein Kind sein. Verdienen konnte ich mir das alles nicht. Ich kann Dir nur danken. Für alles danke ich dir von Herzen. Hilf mir, bescheiden zu sein und meine Ansprüche an dieses Leben nicht immer wieder höher zu schrauben. Hilf mir und allen, die sich Christen nennen, das, was du willst und was du verheißt, nicht aus den Augen zu verlieren und die Armen nicht zu übersehen, denen sich dein Sohn Jesus mit besonderer Liebe zugewandt hat.
Guter Vater, du kennst meine Sorgen und Nöte, du weißt, worum ich dich in dieser Novene besonders bitte! Mit dem heiligen Josef Freinademetz bitte ich dich: erhöre mich so, dass ich deine Nähe und Hilfe zu spüren vermag.

Heiliger Josef Freinademetz, ich bitte dich um Beistand und Fürsprache bei Gott für die Menschen und die Anliegen, die mir so am Herzen liegen.

2. Tag

Selig die Trauernden;
denn sie werden getröstet werden.

Der Tod seines Freundes Lazarus traf Jesus tief.
„Als Jesus sah, wie sie (Maria) weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus“ (Joh 11,33-35).

Der Hebräerbrief sagt über Jesus in seinem Leiden: „Als er auf Erden lebte, hat er mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört und aus seiner Angst befreit worden. Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden“ (Hebr 5,7-9).

Jesus hat das Leid nicht verherrlicht und war nicht in die Traurigkeit verliebt. Aber er wusste, dass zum menschlichen Leben nicht nur die Freude gehört, sondern ebenso das Leid. Wer nur die Freude sieht, ist in Gefahr, oberflächlich zu werden. Wer auch Leid erfahren hat, dringt leichter in die Tiefe und überlässt sich eher hoffend und vertrauend Gott.

Josef Freinademetz hat das Leid gekannt: die Trennung von Heimat und Familie hat ihn bis zu seinem Tod geschmerzt; die Einsamkeit hat ihm zu schaffen gemacht; unter Beschimpfungen und Misshandlungen hat er gelitten, mehr noch aber darunter, dass die Neuchristen, die er zum Glauben geführt hatte, verstoßen, ausgeraubt, gequält und manche sogar getötet wurden; jahrelang war er selbst schwer krank. Aber auch im Leid hat er an Gottes Liebe geglaubt; er hat das Kreuz innerlich angenommen, weil es ihn mit dem leidenden Christus verband. Aus Liebe zu Christus und aus Dankbarkeit gegen ihn war er bereit, sogar sein Leben als Märtyrer hinzugeben.

  • Zum Nachdenken:

Was bedeutet diese Seligpreisung für mein Leben? Woran leide und worüber trauere ich?

Himmlischer Vater,
du weißt, was mich bedrückt und traurig macht; du weißt, woran ich leide. Du kennst auch meine Sehnsucht nach Glück. Hilf mir auf die Fürbitte des heiligen Josef Freinademetz über allem, was für mich schmerzlich ist, das Gute und Schöne in meinem Leben nicht zu übersehen und Freude und Hoffnung nicht aufzugeben. Gib mir und allen, die sich zu deinem Sohn Jesus Christus bekennen, die Kraft, ja zu sagen zu unserem Kreuz und zu entdecken, wie es uns mit deinem Sohn Jesus Christus verbindet. Wecke in uns die Bereitschaft zur Solidarität mit den Leidenden. Lass alle Menschen erfahren, welcher Trost in deinem Wort liegt.

Himmlischer Vater, du kennst meine Not; du weißt, worum ich mich sorge und worum ich dich in dieser Novene besonders bitte.

Mit dem heiligen Josef Freinademetz setze ich mein Vertrauen auf dich.

Heiliger Josef Freinademetz, ich bitte dich um deinen Beistand und deine Fürsprache bei Gott für die Menschen und die Anliegen, die mir so am Herzen liegen.

3. Tag

Selig, die keine Gewalt anwenden;
denn sie werden das Land erben.

„Jesus rief die Jünger zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mk 10,42-45).

„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“ (Mt 5,38-39).

Jesus lehrt uns in dieser Seligpreisung nicht eine Methode gewaltlosen Widerstands, sondern eine innere Haltung. Diese Haltung hat mit Schwäche nichts zu tun; sie fordert vielmehr ein großes Maß an innerer Kraft, wie wir an Jesus selbst sehen.
Auch Josef Freinademetz war von dieser inneren Kraft durchdrungen. Er war ein sanfter Mensch. Sein langjähriger Mitarbeiter Bischof Augustin Henninghaus nannte seine „liebenswürdige, heitere Freundlichkeit“ als seine hervorstechendste Eigenschaft. Mitbrüder in China sahen in ihm die „Mutter der Mission“.
Freinademetz machte sich zum Diener aller, der Missionare wie der Christen. „Wir sind ja gekommen, um zu dienen“, mahnte er die Mitbrüder in seinem geistlichen Testament. Streit und Auseinandersetzung lagen ihm nicht; ging es aber um Wesentliches, wich er Konflikten nicht aus, sondern trat entschieden für das ein, was er für richtig hielt. Wer nur seine Güte und Freundlichkeit gekannt hatte, konnte sich bei solchen Anlässen wundern, dass er auch so fest und bestimmt sein konnte.

  • Zum Nachdenken:

Was bedeutet diese Seligpreisung für mein Leben? Wo und wann bin ich versucht, über andere zu bestimmen oder gar Gewalt anzuwenden?

Vater aller Menschen,
es tut mir gut zu wissen, dass du gütig, ein Gott des Friedens, bist. In Jesus Christus zeigst du mir deine Güte; in ihm hast du dich schwach gemacht und menschlicher Gewalt bis in den Tod ausgeliefert. Hilf mir und allen, die an dich glauben, wie der heilige Josef Freinademetz von Jesus zu lernen und auf die Macht der Liebe und der Güte zu vertrauen statt auf Waffen, Zwang und Gewalt. Hilf uns auch der Neigung zu widerstehen, andere immer wieder an den eigenen, oft kleinen Maßstäben zu messen und sie danach zu beurteilen, wie sie unseren Erwartungen entsprechen. Schenk uns die Gabe, wie dein Diener Josef Freinademetz Liebe und Güte auszustrahlen, damit auch durch unser Leben deine Liebe spürbar wird.

Guter Gott, du kennst das Anliegen, das mir auf der Seele brennt; mit Josef Freinademetz bitte ich dich: Lass mich deine Güte erfahren.

Heiliger Josef Freinademetz, ich bitte dich um deine Fürsprache für mich und für die Menschen und die Anliegen, die mir derzeit so am Herzen liegen.

4. Tag

Selig, die hungern und dürsten
nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden satt werden.

Durch den Propheten Amos geißelt Gott mit harten Worten die Führungsschicht Israels wegen ihrer Ungerechtigkeiten: „Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen. Wenn ihr mir Brandopfer darbringt, ich habe kein Gefallen an euren Gaben, und eure fetten Heilsopfer will ich nicht sehen. Weg mit dem Lärm deiner Lieder! Dein Harfenspiel will ich nicht hören, sondern das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“ (Amos 5,21-24).

Gott tritt leidenschaftlich für Gerechtigkeit ein. In sieben von den zehn Geboten geht es um das rechte menschliche Miteinander. Israel als Volk Gottes sollte eine Gerechtigkeit kennzeichnen, die jedem Menschen Lebensraum und ein Leben in Würde garantiert. Wie Amos zeigt, können Gottesdienste Gerechtigkeit nicht ersetzen. Ungerechtigkeit ist Bruch des Bundes mit Gott.
„Gerecht“ ist ein Mensch nach der Bibel dann, wenn er aus ganzem Herzen Gott ergeben ist. Jesus ist „der Gerechte“ schlechthin, weil er ganz im Willen des Vaters gelebt hat.
Diese Form von „Gerechtigkeit“ lebte auch Josef Freinademetz. Als Oberer ging er den Dingen auf den Grund und ließ sich nicht von Emotionen leiten. Er setzte alle seine Kräfte und Möglichkei-ten ein, den Christen, die so vielen Anfeindungen und Verfolgungen ausgesetzt waren, Gerechtigkeit zu verschaffen. Dabei achtete er wenig auf das eigene Wohl und die eigene Sicherheit. Das brachte es mit sich, dass er in seiner Güte auch missbraucht und in viele Prozesse hineingezogen wurde, was ihm Kritik vonseiten seiner Mitbrüder einbrachte. Andererseits setzte er Prozessen auch ein Ende, wenn es um das Wohl der Mission ging und eine gewisse Wiedergutmachung erfolgt war.
Josef Freinademetz war geradezu ängstlich bemüht, Gottes Willen genau zu erfüllen und auch nicht das Geringste zu tun, was dagegen sprach.

  • Zum Nachdenken:

Was bedeutet diese Seligpreisung für mein Leben? Wie suche ich Menschen gerecht zu werden? Wo setze ich mich für Gerechtigkeit ein?

Himmlischer Vater,
gib mir im Umgang mit anderen ein feines Gespür für Gerechtigkeit, wie es Josef Freinademetz ausgezeichnet hat. Hilf mir, dass ich niemandem Unrecht tue; mach mich sensibel für das Unrecht, das andere Menschen erleiden und gib mir Mut und Phantasie, mich für ihr Recht einzusetzen. Hilf uns Christen und allen Menschen, Fremde zu achten und Vorurteile gegen Menschen anderer Religionen, Kulturen oder Hautfarbe zu überwinden; du bist ja der Vater aller Menschen und willst alle zu deinem Volk machen.
Hilf uns, dass wir so wie der heilige Josef Freinademetz auch immer besser begreifen: „Es gibt nichts Besseres im Himmel und auf Erden als den heiligen Willen Gottes.“ Gib uns deinen Heiligen Geist, dass wir stets deinen Willen tun.

Himmlischer Vater, sieh auf die Sorge, die mich umtreibt und die mich diese Tage beten lässt!
Mit dem heiligen Josef Freinademetz bitte ich dich darum, mir zu geben, was gut ist.

Heiliger Josef Freinademetz, bitte Gott für mich. Tritt bei ihm auch ein für die Menschen und die Anliegen, die mir so am Herzen liegen.

5. Tag

Selig die Barmherzigen;
denn sie werden Erbarmen finden.

Jesus mahnt uns: „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist“ (Lk 6,36). Den Pharisäern wirft er vor: „Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz außer acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue“ (Mt 23,23). Und er fordert uns auf: „Lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“(Mt 9,13).

Israels Grunderfahrung war: Gott ist barmherzig. Dieser barmherzige Gott fordert auch von seinem Volk Barmherzigkeit. Jesus hat Gott als Vater verkündet und seine Barmherzigkeit in seinem eigenen Handeln fühlbar gemacht: in der Zuwendung zu den Armen, zu den Rechtlosen, an den Rand Gedrückten; in der Heilung der Kranken und in der Befreiung der Besessenen; in der Vergebung der Sünden und in der Hingabe seines Lebens für uns. Jesus fordert uns, die wir Gottes Barmherzigkeit erfahren haben und davon leben, auf, auch selbst barmherzig zu sein: einander ertragen, einander vergeben, einander beistehen. Freinademetz hat in seinem Elternhaus gelernt, was ein Herz und eine offene Hand für die Armen bedeuten. Für sich selbst war er äußerst an-spruchslos, den Armen gegenüber freigebig. Tat ihm jemand Unrecht, war er schnell und gern bereit zu vergeben. In seinem Bestreben, die jungen Gemeinden auf ein solides Fundament zu stellen, forderte Josef Freinademetz viel von seinen Christen – aber nie soviel wie von sich selbst. Er wollte, dass der Glaube von Anfang an ernst genommen werde. Die Neuchristen mussten fähig werden, ihren Glauben in einer nichtchristlichen und oft christenfeindlichen Umgebung zu leben und auch in der Verfolgung daran festzuhalten. Erwies sich jemand als schwach, machte ihn das traurig, aber er verurteilte ihn nicht. Wor-um es auch ging: Der Heilige hatte ein Herz für seine Mitmenschen.

  • Zum Nachdenken:

Was bedeutet diese Seligpreisung für mein Leben? Gelingt es mir, barmherzig zu sein? Wo und wann fällt es mir schwer? Wie lange brauche ich, um einem anderen zu vergeben?

Gott, Vater aller Menschen,
gib mir wie dem heiligen Josef Freinademetz ein Herz, das den Mitmenschen gegenüber barmherzig ist und verständnisvoll für ihre Schwächen. Befreie mich von der Sucht, andere schnell zu beurteilen und zu verurteilen. Gib mir und allen, die an Jesus Christus glauben, ein Herz, das sich berühren lässt von der Not anderer, so dass wir zu helfen suchen, wo immer unsere Hilfe gebraucht wird. Lass uns erkennen, wie oft wir von dir Vergebung empfangen, so dass wir gar nicht anders können als denen, die uns verletzt haben, zu vergeben, ohne dass wir Bedingungen stellen und ohne auf Rache zu sinnen.

Himmlischer Vater, ich vertraue auf deine Barmherzigkeit; deshalb komme ich auch wieder mit meinen Anliegen zu dir.

Mit dem heiligen Josef Freinademetz bitte ich dich: Lass mich deine Barmherzigkeit erfahren.

Heiliger Josef Freinademetz, bitte Gott für mich. Tritt bei ihm auch ein für die Menschen und die Anliegen, die mir so am Herzen liegen.

6. Tag

Selig, die ein reines Herz haben:
denn sie werden Gott schauen.

Jesus zeigt uns, was innerlich unrein macht: „Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein“ (Mk 7,15.21-23).

Beim „reinen Herzen“ geht es um Treue zu Gottes Weisungen. Diese Treue beginnt im Innern, beim Denken und Reden. Ein reines Herz hat, wer nicht „zwei Herren“ dient (wie immer dieser „zweite Herr“ heißen mag: Geld, Macht, Vergnügen, Erfolg...), sondern sich ungeteilt Gott schenkt, weil er ihm vertraut. Aber wie oft gelingt es uns, ganz Gott zu vertrauen? Wie oft sind wir innerlich gespalten! - Ein reines Herz hat nur, wer es von Gott reinigen lässt.
Das reine Herz zeigt sich in einem wohlwollenden, offenen und ehrlichen Umgang mit den anderen. Das Gegenteil eines Menschen mit reinem Herzen ist ein Mensch, der falsch und hinterhältig ist, Intrigen spinnt, ein doppeltes Spiel spielt, keine Achtung vor anderen hat. Am klarsten sehen wir das reine Herz bei Jesus.

Auch Josef Freinademetz hatte ein reines Herz. Sein Leben war ganz auf Gott ausgerichtet, wie er selbst sagte: „Nur eines liegt mir am Herzen, dass wir uns nie auch nur einen Deut vom heiligen Willen Gottes entfernen.“ Nicht Angst vor einem strafenden Gott steht hinter diesen Worten, sondern dankbare Liebe und tiefes Vertrauen zum Vater im Himmel. Freinademetz’ Wohlwollen anderen gegenüber war ehrlich; er wollte ihnen gut. Er war Missionar geworden, um Menschen zu retten: Möglichst vielen wollte er zum ewigen Leben bei Gott verhelfen. Um auch nur einen Menschen zu retten, war er bereit, sein eigenes Leben herzugeben.

  • Zum Nachdenken:

Was bedeutet diese Seligpreisung für mein Leben? Wo erfahre ich mein reines, ungeteiltes, und wo mein unreines, geteiltes Herz?

Himmlischer Vater, gib mir ein reines Herz wie es den heiligen Josef Freinademetz auszeichnete, damit ich wie er unerschütterlich auf deine Liebe vertrauen und sie auch in deinen Geboten erkennen kann. Gib mir ein reines, ungeteiltes Herz, damit ich mein Leben ganz auf dich ausrichten, deinen Geboten folgen kann und die Kraft habe, Versuchungen zu widerstehen, die mich auf einen anderen Weg locken möchten.
Gib mir und allen Christen ein reines Herz, damit wir im Umgang mit unseren Mitmenschen immer offen und ehrlich sind, so dass man uns jederzeit trauen kann. Hilf uns durch deinen Heiligen Geist, jedem mit echtem Wohlwollen zu begegnen, auch denen, die uns nicht liegen, damit wir in jedem Menschen das Gute entdecken können.

Vater im Himmel, du weißt, was mein Herz bedrückt und worum ich in dieser Novene bete.
Mit dem heiligen Josef Freinademetz bitte ich um deine Gnade.

Heiliger Josef Freinademetz, bitte Gott für mich. Tritt bei ihm auch ein für die Menschen und die Anliegen, die mir so am Herzen liegen.

7. Tag

Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden
Söhne Gottes genannt werden.

Friede ist eine Gabe Jesu: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht“ (Joh 14,27).

Nach der Heiligen Schrift ist Friede die kostbarste Gabe Gottes. Jahwe ist der „Gott des Friedens“. Als rettende Gestalt der Zukunft verheißt Jesaja den „Friedensfürst“. Diese Verheißung sehen wir in Jesus erfüllt.
Was Friede für Israel bedeutete, zeigt sich daran, dass „shalom“ der normale Gruß war. „Shalom“ ist mehr als das Schweigen der Waffen; „shalom“ ist die Atmosphäre, in der die Menschen frei leben und sich entfalten können.
Die Friedensstifter, die Jesus selig preist, sind nicht einfach jene, die durch Nachgeben Streit vermeiden, so wichtig das manchmal sein mag. Es geht wohl zuerst um Menschen, die Gegensätze überbrücken und Frieden „schaffen“. Das braucht einen klaren Blick für die Anliegen aller Seiten, Überzeugungskraft und die Fähigkeit, Vertrauen zu wecken. Friede kann nicht dadurch entstehen, dass Unrecht zugedeckt wird; zum Friedenstiften gehört vielmehr, Unrecht aufzudecken und beim Namen zu nennen.

In Jesus sehen wir, was wesentlich ist, um Frieden zu schaffen und zu erhalten.
Josef Freinademetz hat den Menschen den Frieden Christi gebracht. Er war ein demütiger Mensch, der nicht herrschen, sondern dienen wollte. Allein mit seinem ruhigen, freundlichen Wesen schuf er eine Atmosphäre des Friedens. Doch hat er nicht „um des lieben Friedens willen“ zu Unrecht geschwiegen, wenn Wichtiges auf dem Spiel stand. So hat er, der stets mehr als gehorsam war, auch dem Bischof seine Fehler vorgehalten, so schwer es ihm auch fiel und obwohl er wusste, dass seine Kritik nicht gut aufgenommen werden würde. Es ging nicht um ihn, sondern um die Einheit der Mission.

  • Zum Nachdenken:

Was bedeutet diese Seligpreisung für mein Leben? Gab es Situationen in meinem Leben, in denen ich Frieden gestiftet habe? Gibt es Situationen, in denen ich es tun sollte?

Gott, unser Vater,
du weißt, wie sehr ich mich nach Frieden sehne und wie ich unter Unfrieden und Spannungen leide. Schenke mir wie dem heiligen Josef Freinademetz deinen Geist, dass ich durch mein Verhalten und mein Reden eine gute Atmosphäre schaffen und zum Frieden beitragen kann. Mach mich fähig, zu vermitteln, Spannungen abzubauen und die Aufmerksamkeit auf die Gerechtigkeit zu lenken, damit Streit und Eifersucht, Hass und Vorurteile überwunden werden. Hilf mir Worte finden, die zur Versöhnung führen, und gib mir die Kraft, selbst immer neu denen zu vergeben, die mich verletzt haben. Gib uns Worte, die Verbitterung und Verhärtungen lösen. Führe uns durch deinen Geist Wege des Friedens.

Guter Vater, du weißt, welche Sorge mich unruhig macht und worum ich dich in dieser Novene besonders bitte.
Mit dem heiligen Josef Freinademetz bitte ich: Lass alles gut werden!

Heiliger Josef Freinademetz, bitte Gott für mich. Tritt bei ihm auch ein für die Menschen und die Anliegen, die mir so am Herzen liegen.

8. Tag

Selig, die um der Gerechtigkeit willen
verfolgt werden;
denn ihnen gehört das Himmelreich.

Diese achte Seligpreisung ist doppelt; der erste Satz wird noch einmal variiert: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt“ (Mt 5,11f).

Jesus meint ganz konkret die Jünger, die sein Wort hören - damals wie heute. Offensichtlich rechnet er damit, dass Beschimpfung und Verfolgung zum Alltag seiner Jünger gehören werden.
Jesus steigert das „selig“ mit der Aufforderung: „Freut euch und jubelt!“ Warum? - „Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ Wie in den vorausgehenden Seligpreisungen ist der Lohn das Himmelreich, das aber schon in diesem Leben beginnt. Jesus weiß, wovon er spricht: „Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat“ (Joh 15,20).

Als Josef Freinademetz nach China fuhr, war er voller Idealismus und bereit, sein Leben zu opfern. Aber als man ihn dann mit „europäischer Teufel“ beschimpfte, erschütterte ihn das tief, war er doch gekommen, die Macht des Teufels zu brechen. Er ließ sich aber nicht einschüchtern, auch nicht, als er schwer misshandelt wurde und den Tod vor Augen sah: Er fing an, von der Herrlichkeit des christlichen Glaubens zu sprechen, so dass die Peiniger sich wieder verdrückten. Beim Boxeraufstand zog er sich nicht in eine sichere Hafenstadt zurück, sondern hielt entgegen dem Befehl der chinesischen Behörden und der Empfehlung der westlichen Mächte bei den Christen aus, bereit, mit ihnen zu sterben. Nicht nur das: Er hätte mit Freude sein Leben gegeben für den, der für ihn und für uns alle am Kreuz sein Leben hingegeben hat.

  • Zum Nachdenken:

Was bedeutet diese Seligpreisung für mein Leben? Wie reagiere ich, wo ich für den christlichen Glauben kein Verständnis finde, sondern dafür ausgelacht oder belächelt werde?

Himmlischer Vater,
schenk mir wie dem heiligen Josef Freinademetz Festigkeit im Glauben. Lass mich immer tiefer erkennen, welche Kostbarkeit der Glaube ist und welche Hoffnung und Zuversicht er mir geben kann. Wenn man über meinen Glauben lächelt oder mich des Glaubens wegen nicht ernst nimmt, dann stärke mich durch deinen Heiligen Geist, damit ich mich nicht verunsichern lasse und meine Angst aushalte. Gib mir und allen Getauften Kraft, dich und deinen Sohn Jesus Christus im Alltag, in der eigenen Familie, am Arbeitsplatz, in der Umgebung zu bezeugen. Hilf uns, einander im Glauben zu ermutigen und zu stärken. Sei in deinem Geist mit allen, die wegen ihres Glaubens benachteiligt werden und leiden müssen.

Guter Vater, du weißt, was mich zur Zeit besonders bedrängt und was mich in dieser Novene meine Zuflucht zu dir nehmen lässt.
Mit dem heiligen Josef Freinademetz bitte ich dich: Nimm dich meines Anliegens an.

Heiliger Josef Freinademetz, bitte Gott für mich. Tritt bei ihm auch ein für die Menschen und die Anliegen, die mir so am Herzen liegen.

9. Tag

Selig, die das Wort Gottes
hören und es befolgen.

„Als Jesus das sagte, rief eine Frau aus der Menge ihm zu: Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat. Er aber erwiderte: Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen“ (Lk 11,27-28).

Mit der namenlosen Frau im Evangelium preisen wir Maria als Mutter Jesu. Jesus selbst aber sagt uns: Wichtiger als die engste verwandtschaftliche Beziehung mit ihm ist es, gleichen Geistes wie er zu sein. Wer wie er diesem Geist folgt, lebt in einem ständigen Hinhören auf Gottes Wort, befolgt, was er hört, nicht aus Angst vor Strafe, sondern aus Dankbarkeit und Liebe und aus einem grenzenlosen Vertrauen auf den himmlischen Vater. Dieser Geist schafft die engste Beziehung zu Jesus.

„Meine Mutter und meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln“, sagt Jesus an anderer Stelle (Lk 8,21).

Jedem ist diese Nähe zu Jesus möglich. Das Wort Gottes zu hören, genügt nicht, es muss im Leben umgesetzt werden. Aber erst müssen wir Gottes Wort kennen, müssen wir uns mit der Heiligen Schrift vertraut machen.
Josef Freinademetz hat auf das Wort Gottes gehört. In Vorbereitung auf seine Aussendung als Missionar hatte er – auf Empfehlung von Arnold Janssen – lange und wichtige Passagen der Heiligen Schrift auswendig gelernt. Das Wort Gottes war in seinem Herzen lebendig. Er hat es nicht nur verkündet, sondern auch daraus gelebt und sich durch den Heiligen Geist davon formen lassen. Das bedeutet es ja, den Glauben in den Alltag umzusetzen. Für Josef Freinademetz war das tagtägliche Leben aus dem vom Wort Gottes genährten Glauben die Grundlage allen missionarischen Bemühens.

  • Zum Nachdenken:

Was bedeutet diese Seligpreisung für mein Leben? Wie gehe ich mit dem Wort Gottes um? Was tue ich, um das Wort Gottes immer besser zu verstehen und in meinem Alltag umzusetzen?

Vater im Himmel,
du bist kein stummer Gott, sondern sprichst in vielfältiger Weise zu uns; am klarsten hast du in deinem Sohn Jesus Christus gesprochen; in seinen Worten und durch sein Leben ist deine Stimme zu vernehmen. Vereint mit dem heiligen Josef Freinademetz bitte ich dich: Schenk’ auch mir eine Liebe zu deinem Wort, wie sie ihn erfüllt hat. Wecke in mir und in allen Christen die Neugierde, dem Sinn deines Wortes gerade dann auf den Grund zu gehen, wenn es dunkel und unverständlich scheint. Gib uns im-mer neu deinen Heiligen Geist, dass wir erkennen, mit welcher Liebe du zu uns sprichst und was du uns sagen willst. Gib uns Tag für Tag den Willen und die Kraft, wie der heilige Josef Frei-nademetz aus deinem Wort zu leben.

Guter Gott und Vater, du kennst meine Sorge und die Bitte, die ich in dieser Novene zu dir bringe.
Mit dem heiligen Josef Freinademetz bitte ich: Lass mich deine Güte erfahren.

Heiliger Josef Freinademetz, bitte Gott für mich. Tritt bei ihm auch ein für die Menschen und die Anliegen, die mir so am Herzen liegen.