„Ich bin hier am richtigen Ort“

Seit Februar 2014 ist Pater Hans Weibel getreu seinem Primizspruch „Gott führt mich hinaus ins Weite“ wieder als Missionar in Kuba tätig. Besonders am Herzen liegt ihm die Bibel- und Jugendarbeit.

Pater Hans Weibel auf dem Dach der Kirche in Mayari 
Pater Hans Weibel auf dem Dach der Kirche in Mayari

Pater Hans Weibel ist dort angekommen, wo er immer schon hin wollte: In die Mission auf Kuba. Wenn ihn Verwandte und Freunde heute, 18 Monate später, in Mails fragen, ob er diesen Schritt inzwischen nicht bereut habe, braucht der Luzerner nicht lange zu überlegen. „Wir Steyler Missionare haben in diesem Land eine wichtige Aufgabe: Die armen Menschen zu begleiten, aber auch unsere Bibelkurse in den Pfarreien und Diözesen anzubieten.“ 

An das Ungewohnte, Neue hat er sich schnell gewöhnt. Etwa an die zwei Geldwährungen, die es hier gibt - den kubanischen Peso und den CUC. Letzterer entspricht einem Dollar…und wird vor allem in den Tourismusorten verwendet. Immer wieder sei mal im Gespräch, dass es bald nur noch eine Währung geben soll. „Das bereitet den Leuten grosse Sorgen, weil es bedeutet, dass die Preise steigen und die Not noch grösser wird.“ Die eigentlichen Überraschungen im Alltag liegen für Pater Hans jedoch in den Dingen, die in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit sind. Als Beispiel nennt er die Kapazität des Internets. Schnell merke man aber, dass der Alltag letztlich auch ohne diesen Komfort funktioniere. Halt einfach anders.

Café Cubana

Pater Hans lebt und arbeitet im Osten des Landes, in Mayari. Das ist eine Stadt mit über 100.000 Einwohnern, die aber trotzdem sehr ländlich wirkt. Zu seiner Pfarrei gehören mehrere Gemeinschaften. Zwei Mitbrüder, Pater Oliver Noclam aus Vanuatu und Pater Remigius Laka Putra aus Indonesien arbeiten in der Gemeinde mit. „Ich wurde überall mit offenen Armen empfangen“, erzählt er. „Die Menschen hier schätzen es sehr, dass ein Missionar aus einem fernen Land zu ihnen kommt, um mit ihnen das Leben zu teilen. Sie sind sehr fröhlich und gastfreundlich. Du kannst die Leute zu jeder Zeit besuchen. Sie sagen dir zur Begrüssung: <Estás en tu casa> - du bist in deinem Haus. Das heisst, dass du dich wie in deinem eigenen Haus fühlen kannst. Dann offerieren sie dir den typischen süssen Café Cubano.“  

Der ehemalige Schweizer Provinzial geht jeden Tag „auf die Strasse“ und macht viele Besuche, um von den Kubanerinnen und Kubanern aus erster Hand zu erfahren, wie sie leben und arbeiten. Laut Pater Hans braucht es viel Hintergrundwissen, um gute Projekte aufzubauen.

Bibelkurse

Der Schweizer ist zuständig für die Jugendarbeit, zusammen mit einer Steyler Missionsschwester aus Indonesien. Er bietet Besinnungstage, Bibelkurse, Fortbildungen sowie Kurse für die Leiter der Basisgemeinschaften, Jugendgruppen und Leiter der Familienkatachese an. Die Jugendlichen zeigen grosses Interesse, vor allem auch an den Bibelkursen. 

Das grösste Problem sieht er darin, dass die jungen Leute in Mayari, eigentlich überall in Kuba, keine Perspektive haben. „Sie wollen auswandern.“ Die Arbeitslosigkeit sei sehr hoch, was für die betroffenen Familien schwere Sorgen und Nöte mit sich bringe. Ungenügend sei auch die medizinische Versorgung. Sehr oft fehlten Medikamente.

Pater Hans Weibel im Gespräch mit Pfarreiangehörigen 
Pater Hans Weibel im Gespräch mit Pfarreiangehörigen

System „Fidel Castro“

Es gibt aber auch Hoffnungen. Sie beruhten, so Pater Hans, auf dem verbesserten Verhältnis zur USA, aber auch der angekündigte Besuch von Papst Franziskus im September dieses Jahres gebe vielen Menschen einen Funken Zuversicht. Der Papst werde als „Botschafter der Hoffnung“ bezeichnet.

Die Politik (das System „Fidel Castro“) sei im Hintergrund aber immer noch sehr präsent. „Als ich hier ankam, meldete sich das politische Büro, um mich zu begrüssen. Und: Für die Prozession am Karfreitag oder am Patronatsfest müssen wir die Genehmigung des politischen Büros einholen. Seit den Besuchen der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ist aber, wie mir meine Mitbrüder erzählten, eine grössere religiöse Freiheit spürbar, was die Bevölkerung sehr begrüsst.“


Wie können Sie Pater Hans Weibel unterstützen? Er selber sagt: „An erster Stelle durch das Gebet und die Verbundenheit mit meiner Arbeit.“ Für seine verschiedenen Pastoralprojekte (u. a. Bibelkurse) und die Jugendarbeit benötigt der Schweizer aber auch finanzielle Unterstützung. Jede noch so kleine Spende ist wichtig…helfen Sie mit!

Projektspenden sind auch an folgende Bankverbindungen möglich:

Deutschland  Österreich Schweiz 
Steyler Mission
Konto-Nr. 11 009
Steyler Bank
BLZ 386 215 00
BIC: GENODED1STB
IBAN: DE77 3862 1500 0000 0110 09
Missionsprokur
St. Gabriel International Mödling
BIC: OPSKATWW
IBAN: AT19 6000 0005 1005 9565
Steyler Missionsprokur
Maria Hilf
6312 Steinhausen
Postcheck 90-13192-2
IBAN: CH16 0900 0000 9001 3192 2
Pater Hans Weibel

Pater Hans Weibel, 50, aufgewachsen in Schongau LU, wird 1993 - nach dem Studium der Philosophie und Theologie - zum Priester geweiht. Von 1994 bis 1999 arbeitet er als Seelsorger im Elendsviertel der Hafenstadt Guayaquil in Ecuador. Zurück in der Schweiz besuchte er eine dreijährige Weiterbildung zum dipl. Erwachsenenbildner. Er war zuständig für die Steyler Berufungspastoral und Jugendseelsorge. Von 2007 bis 2013 war Pater Hans Provinzial der Steyler Missionare in der Schweiz. Gleichzeitig betreute er die Alpwochen und Orientierungstage für junge Menschen.

Xaver Schorno
 

Kuba

Einwohner: 11,2 Millionen, Hauptstadt: Havanna (2 Millionen). Regierungssystem: Sozialistisches, autoritäres Einparteiensystem. 1992 wurde der Inselstaat in der Karibik durch Verfassungsänderung von einem atheistischen zu einem säkularen Staat. Damit wurde Gläubigen die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei ermöglicht. Nach Angaben des Vatikans sind 60 Prozent der Bevölkerung Katholiken.

Steyler Missionare in Kuba

Steyler Missionare in Kuba

Zurzeit leben und arbeiten in Kuba 20 Steyler Missionare. Die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit liegen in der Bildungs- und Erziehungsarbeit sowie in zahlreichen pastoralen und sozialen Projekten.