Die Heilig-Geist-Kirche in St. Gabriel

St. Gabriel war als das zentrale Ausbildungshaus der Gesellschaft geplant, also musste auch an eine entsprechend große und zweckdienliche Kirche gedacht werden.

Zugleich sollte die Kirche nach dem Willen der beiden Brüder Arnold und Johannes Janssen ein monumentaler Dank an den Heiligen Geist sein dafür, dass er die Missionsgesellschaft in der kurzen Zeit seit ihrer Gründung so sichtbar gesegnet hatte.

Rundgang

Altarraum
Blick von der Seitenempore zum Mittelschiff
Mosaik in der Apsis - die Patrone der Kirche und des Hauses
Neue Chororgel
Der Tabernakel
„Unsere Liebe Frau vom Heiligen Geist“
Altar- und Vortragekreuz
Inneres der Heilig-Geist-Kirche St. Gabriel
 

1. Hauptaltar

Der Hauptaltar hat seinen Platz auf der Altarinsel. Der Altar ist aus verschiedenen alten Teilen zusammengesetzt. Seine Tischform entspricht dem Geheimnis der Eucharistie. Ambo und Gitter an den Stufen zum Hochchor entstammen der ursprünglichen Einrichtung. Der Sitz des Hauptzelebranten, ausgeführt nach einem Entwurf von P. Fräbel, war früher dem Bischof vorbehalten.

2. Tabernakel und Werktagskapelle

In der Apsis des südlichen Querschiffs, das zur Sakraments- und Werktagskapelle adaptiert wurde, steht der Tabernakel, angefertigt in Kevelaer. Die drei Ewig-Licht-Ampeln gehen auf Entwürfe von P. Fräbel zurück. Der kleine Altar ist aus alten Elementen gestaltet.

3. Marienbild

Das Bild "Unsere Liebe Frau vom Heiligen Geist" erhielt St. Gabriel von den bei der Gründung des Hauses äußerst hilfreichen Lazaristen geschenkt. Es soll einst dem 1780 von Josef II. aufgehobenen Wiener Oratorianerkloster gehört haben. Der Künstler ist unbekannt. Dieses seltene marianische Motiv findet sich noch im Wiener Volkskundemuseum, im Stift Rein und im Stift Seitenstetten. Bis in die fünfziger Jahre hatte das Bild seinen Platz im Inneren des Hauses. Bei der jüngsten Umgestaltung erhielt es die neue Fassung, einen vergoldeten Strahlenkranz. Der Baldachin ist der Schalldeckel der ehemaligen Kanzel.

4. Fußbodenmosaik im Hochchor

Das Mosaik aus Fliesen, das die Arche Noes und die fünf Weltteile darstellt, ist umrahmt vom Schriftband: "Geht und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!" An den vier Enden der Weltkarte finden sich die Symbole der Evangelisten. Die Festschrift von 1900 schreibt zu diesem Bild über die Aufgabe der Missionare: "Sie sollen alle in die heilige Kirche, die zweite rettende Arche, einführen." Hier legten Hunderte Mitglieder der Gemeinschaft ihre Gelübde ab, hier wurden die heiligen Weihen gespendet, und bei den Entsendungsfeiern der Missionare wurden über diesen Symbolen die Anfänge der vier Evangelien gesungen. Neben anderen Symbolen sind im Fußboden des Hochchores die Zeichen des Tierkreises und der Planeten dargestellt. Vor den Kapellen der Apsis sind Zahlen in den Boden eingelegt, die für die Geschichte des Hauses und der Gesellschaft von Bedeutung sind. Die roten Marmorsäulen in diesem Bereich stammen aus dem 1881 abgebrannten Wiener Ringtheater.

5. Apsismosaik

Das jetzige Mosaik der Apsis wurde 1957 angebracht: Gottes Geist inmitten der sieben Geister vor Gottes Thron (Tob 12, 5). In der Mitte steht Gabriel, der Überbringer der frohen Botschaft von der Menschwerdung Jesu. Zu seiner Linken - vom Betrachter aus gesehen - Michael mit Schwert und Seelenwaage, zur Rechten Raphael, der Begleiter der Wanderer, mit Stab und Fisch in der Hand, der dem blinden Tobit Heilung brachte. P. Albert Rohner SVD, der wesentlich an der theologischen Gestaltung dieses Mosaiks beteiligt war, deutet diese drei Engel als Sinnbilder der drei großen Erlösungsgaben: Michael als Überwindung des Bösen, Gabriel als Erleuchtung und Raphael als Heilung. Der Engel über Raphael gießt Feuer aus, jener über Michael Wassersymbole der Naturkräfte des Lebens.

6. Fenster

Hl. Joachim, der legendäre Vater der Jungfrau Maria
Der Apostel Andreas
Ein Vertreter der himmlischen Engelchöre
Die hl. drei Könige
 

Die ältesten Fenster der Kirche - sie haben den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt überstanden - sind im Hochchor. Sie zeigen die vier Apostel Andreas, Petrus, Paulus und Johannes, die als Patrone der Gesellschaft angerufen werden. Die Fenster in den Kapellen der Apsis zeigen weitere Patrone der Steyler Missionsgesellschaft und eine Darstellung der neun Engelchöre. Diese Fenster wurden in Steyl und in St. Gabriel angefertigt.
Alle übrigen Fenster - ebenfalls von eigenen Kräften hergestellt - fielen dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Die Entwürfe der neuen Fenster gestaltete Prof. E. Bauernfeind nach Ideen der Patres Albert Rohner und Johann Kraus.
Die Fenster der obersten Region des Gotteshauses weisen ganz auf den hin, dem es geweiht ist. So zeigen die dreigeteilten Fenster im Hochchor stellvertretend vier Charismen des Heiligen Geistes. Die entsprechenden Fenster im Langschiff veranschaulichen die Gaben des Heiligen Geistes. Zwölf Pflanzenmotive bezeichnen die Früchte des Geistes. Sechs Symbole weisen auf das Wirken des Geistes im Alten Bund hin: der brennende Dornbusch, glühende Kohle, die Harfe Davids, usw. Im Querschiff sind an dieser Stelle die Waffen des Geistes dargestellt, wie sie im Epheserbrief genannt werden.

Hl. Johannes de Britto
Petrus Chanel
Jean de Brebeuf und Franz Solanus
Hl. Elisabeth von Thüringen und hl. Vinzenz von Paul
Der brennende Dornbusch
Gaben des Geistes
Werke der Barmherzigkeit
 

Die Fenster im vorderen Querschiff: Das große Radfenster im nördlichen Teil des Querschiffes zeigt die sieben Gaben des Heiligen Geistes (nach Jes 11,2), das gegenüberliegende Rundfenster im Süden stellt die Symbole der sieben Sakramente dar.

Die Doppelbogenfenster im Querschiff zeigen heilige Missionare. Beginnend im Süden (beim Tabernakel), finden sich zuerst die Afrikamissionare Petrus Claver und Raimund Lullus, für Amerika stehen Jean de Brebeuf und Franz Solanus, Europa ist vertreten durch Rupert und Virgil. Auf der Nordseite erinnert das erste Fenster an die heiligen Brüder Cyrill und Method, die Missionare der Slawen. In Asien haben Petrus Perboyre (China) und Johannes de Britto (Indien) missioniert. Für Australien und Ozeanien stehen Petrus Chanel und Johannes Baptista, ein Missionar, der in Japan Märtyrer wurde. Über all diesen Fenstern finden sich - ebenso wie über den entsprechenden Fenstern im Langschiff - lauter verschiedene Kreuzesdarstellungen.

Die Fenster im Langschiff: Die Fenster im unteren Bereich sind den acht Seligpreisungen gewidmet. Bei der Reihung nahm man Rücksicht auf die Heiligen, denen die vier Seitenaltäre geweiht sind. Das hat zur Folge, dass die Seligpreisungen nicht in der biblischen Reihenfolge (Mt 5,1 - 12) geordnet sind.
Das Fenster über dem vorderen südlichen Seitenaltar zeigt zur Textstelle "Selig die Hungernden nach Gerechtigkeit" Franz Xaver und die kleine Theresia, die Patrone der Weltmission. Für die Seligpreisung "Selig die Sanftmütigen" stehen Gertrud die Große und Bernhard von Clairvaux. Caecilia und Bonifatius sind der Verszeile "Selig die Verfolgten" zugeordnet. Hildegard von Bingen und Albert der Große wurden als Vertreter der Friedensstifter ausgewählt.

Auf der nördlichen Seite vertreten Augustinus und seine Mutter Monika die Seligpreisung "Selig die Trauernden". Für "Selig die Armen" hat man Franz von Assisi und Klara ausgewählt. Elisabeth von Thüringen und Vinzenz von Paul sind Patrone der Barmherzigkeit. "Selig die Herzensreinen" - dafür stehen Thomas von Aquin und Theresia von Avila.

Die Rundfenster auf der Empore im Langschiff zeigen im Süden die leiblichen und im Norden die geistlichen Werke der Barmherzigkeit. Durch die große Rosette über dem Hauptportal, in deren Zentrum das Symbol der Dreifaltigkeit und die Taube stehen, fällt kurz vor Sonnenuntergang volles, warmes Licht in die Kirche und lässt sie noch einmal in ihrer ganzen Schönheit erstrahlen.

7. Mosaike über den Portalen im Langschiff

Wiederkehrender Christus als Pantokrator
Evangelist Matthäus
Das
Siegeslamm
Der brennende Dornbusch
Apostel Philippus
Apostel Thomas
Weinreben
 

Im Zuge der jüngsten Renovierung ist in St. Gabriel wieder eine Mosaikwerkstatt entstanden. Vor allem die Brüder Bernhard Fembek und Fritz Tremp haben im vorderen Teil der Kirche zerstörte und fehlende Stücke ergänzt. Im hinteren Teil der Kirche wurden bisher vor allem die Bogenfelder über den Portalen mit Mosaikarbeiten ausgefüllt. Die Entwürfe gestaltete Prof. Hermann Bauch sen. nach Ideen von Mitbrüdern. Das Bogenfeld über dem hinteren südlichen Portal zeigt außen ein Buch und einen Kelch, Symbole, die hinweisen auf die vornehmsten Aufgaben, für die die Kirche errichtet wurde: Verkündigung des Wortes Gottes und Feier der Eucharistie. Über dem gegenüberliegenden Portal steht innen das österliche Siegeslamm. Diese Tür wird in der Osternacht benutzt, durch sie zieht die feiernde Gemeinde mit der brennenden Osterkerze vom Osterfeuer in die finstere Kirche. Über der äußeren Tür sieht man den brennenden Dornbusch. Er weist auf Christus hin, der durch den Tod hindurch Sieger geworden ist.

Das Tympanon des Hauptportales zeigt innen das "himmlische Jerusalem", wie es im 21. Kapitel der Offenbarung des Johannes beschrieben ist. Inmitten der himmlischen Stadt leuchten die Türme von St. Gabriel auf. Sie stehen stellvertretend für all das, was in und durch St. Gabriel an Arbeit im Sinne Gottes geschehen ist und geschieht. Durch dieses Portal zieht die Klostergemeinschaft bei Prozessionen und dann, wenn sie einen Mitbruder zum Friedhof geleitet. Beide Male soll vor Augen stehen, was das eigentliche Ziel unseres Unterwegsseins ist: dass all das Tun der Gemeinschaft an dieser kommenden Stadt des Friedens baut. Über der Außentüre grüßt der auf den Wolken des Himmels wiederkehrende Christus.

Die Mosaike an den Außenwänden des vorderen Querschiffes fassen die großen Rundfenster ein. Sie zeigen im Süden die Symbole der vier Evangelisten mit den Textanfängen der jeweiligen Evangelien, die nördlichen Mosaike stellen Allegorien der vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft mit kurzen Aufrufen zum Gotteslob dar. Sie wurden schon während der ersten Bauphase (bis 1900) nach Entwürfen der Firma Neuhauser, Innsbruck, gelegt.

Unter dem Hochchor befindet sich die Krypta. Sie ist ein schlichter Raum mit wuchtigen Säulen, Monolithen aus einem Steinbruch in der Nähe von Baden. Dieser Raum wird vor allem im Winter für die Gottesdienste genutzt.