Der "Sendungsaltar" in der Heilig-Geist-Kirche

Im gleichen Boot - gesendet von Jesus

Mission hat einen Ursprung, eine Quelle: Das ist Jesus Christus, der sein Leben mit den Jüngerinnen und Jüngern geteilt hat und ihnen auftrug, sein Lebensmodell weiter zu geben.
Arnold Janssen und Josef Freinademetz sind zwei Männer, die uns Steyler Missionaren in ihrer Nachfolge Jesu ein Vorbild sind – Arnold Janssen als Organisator („Ordensgründer“), Josef Freinademetz als Idealist, der den Chinesen ein Chinese wurde, fern seiner Tiroler Heimat („Missionar“).
Im März 1993 wurde in der Heilig-Geist-Kirche des Missionshauses St. Gabriel ein Altar aufgestellt, der zur Meditation der Sendung Jesu einlädt und deswegen „Sendungsaltar“ genannt wird. Er wurde vom Südtiroler Künstler Friedrich Gurschler gestaltet, der dafür das afrikanische faserlose Irokoholz verwendete, um Holzrisse zu vermeiden. Teile der Reliefs betonte er mit dezenten Farbgebungen und Vergoldungen.

Text und Fotos von Christian Tauchner SVD. Der Text verwendet eine ausführliche Bildmeditation von P. Rudi Pöhl SVD 1993 und 2003.


Die Mitte des Altarbilds und Ausgangspunkt der Meditation ist das herzförmige Relief des Zentrums: Drei Männer sitzen hier um einen Tisch. Man kann an die Begegnung Abrahams mit Gott denken (Gen 18,1-33) oder an die Emmausjünger und ihre Erfahrung mit dem Auferstandenen (Lk 24,13-35). Das Bild erinnert auch an Dreifaltigkeitsikonen der orthodoxen Kirche.
Gott selbst ist Gemeinschaft, und sie bildet auf jeden Fall das Zentrum und den Ursprung: Von hier aus gehen die Äste des Lebensbaumes hin zum Wort Gottes (die vier Evangelien), diese Mitte hält das ganze Bild zusammen. Von dieser Gemeinschaft, die Gott ist, geht die Mission aus: „Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach ‚missionarisch’, da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet gemäß dem Plan Gottes des Vaters“, heißt es im Missionsdekret des II. Vatikanischen Konzils (Ad Gentes N° 2).

Daher betete der Heilige Arnold Janssen:
„Erkannt, geliebt und verherrlicht werde von allen Menschen der heilige und dreieinige Gott, die Macht des Vaters, die Weisheit des Sohnes und die Liebe des Heiligen Geistes."


Lebens-Gemeinschaft mit dem Göttlichen Wort

Gott blieb nicht in seiner perfekten Gemeinschaft, sondern entäußerte sich und wurde Mensch wie wir (Phil 2,5-9). Der erste Schritt der Jüngerin, des Jüngers Jesu geht in die gleiche Richtung: Aus der Mitte heraus zur christlichen Menschwerdung. Das Bild zeigt Jesus in seiner doppelten Hinwendung: Zu Gott und zu seinen JüngerInnen hin. Das ist die gleiche Spannung, in der sich die Mission abspielt: Von Gott her, auf die Menschen hin. Wer sich um Jesus schart, wird zum Staunenden, Hörenden, Sehenden.
In der Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger mit Jesus geschieht Lebensschulung, Beauftragung, Besinnung und Lobpreis. Möglicherweise bedeutet diese Szene allerdings auch ein Abschiednehmen.

Die Ordensregel der Steyler Missionare greift in ihrem ersten Satz das Evangelium auf: „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet...“ (Joh 3,17-18).


Sendungs-Gemeinschaft mit dem Göttlichen Wort

Neun Personen – wie im ersten Bild – fahren mit prallen Segeln zu ihrer Mission. Jesus scheint nicht dabei zu sein, aber das Symbol des Kreuzes in der Sonne weist auf seine Gegenwart hin. In diesem Zeichen fahren die Männern und Frauen über das Meer. Ihr Boot wird getrieben vom Sturm des Geistes Jesu.
Die Jüngerinnen und Jünger im Boot tun den nächsten Schritt in ihrer Jesusnachfolge: Sie bleiben nicht beim Hören und Staunen, sondern wagten den Schritt, gemeinsam in ein Boot zu steigen. Sie sind Missionare und Missionarinnen, die hinübergehen zu anderen Menschen, mit ihren Kulturen und Religionen, nah und fern.
Auffällig sind die Männer im Vordergrund. Sie symbolisieren ihre missionarische Tätigkeit: Buch (Wissenschaft, Schrift), Setzling (neues Leben in anderem Boden), Spaten (harte Arbeit für die Saat des Wortes).

Im Prolog der Ordensregel der Steyler Missionare wird die Abhängigkeit von Gottes Geist so beschrieben: „Sein Leben ist unser Leben, seine Sendung unsere Sendung. Geführt vom Heiligen Geist folgen wir ihm, verherrlichen den Vater und bringen den Menschen die Fülle des Lebens."


Geschwisterliche Gemeinschaft mit dem Göttlichen Wort

Die dritte Szene zeigt, wie die Lebens- und Sendungsgeschichte mit Jesus konkret wird: Der Heilige Arnold Janssen (1837-1909) gründete drei Ordensgemeinschaften, durch die das Wort Gottes zu all den Menschen kommen sollte, die es noch nicht kannten. Das Bild zeigt den ersten Steyler Missionar, den Heiligen Josef Freinademetz (1852-1908) und die beiden Mitgründerinnen der beiden Steyler Frauen-Kongregationen, die Seligen Helena Stollenwerk und Hendrina Stenmans.
Das Bild erinnert im Aufbau an die Szene rechts oben, an die Sammlung und Sendung der Jünger durch Jesus. Arnold Janssen wiederholt abgeschwächt die Geste Jesu.

Mission ist die Mitarbeit mit Gott in unserer Welt. Der Heilige Josef Freinademetz sagte das so: „Der göttliche gute Hirte hat mich in seiner Güte eingeladen, mit Ihm hinauszugehen in die Wüste, um ihm zu helfen bei der Suche nach den verirrten Schafen“ (11.8.1878).


Versöhnte Vielfalt

Das letzte Bild wiederholt in anderen Farben das Zentralbild von der Gemeinschaft Gottes: Hier sitzen Menschen verschiedener Kulturen, Religionen und Rassen an einem Tisch. Es ist die Utopie einer versöhnten Welt. Ein Jude, eine Afrikanerin (als Vertreterin der Stammesreligionen), ein Christ (mit Brustkreuz) und ein Mönch (für Buddhismus/Hinduismus) teilen das Leben und feiern den Frieden. Jeder Mensch in dieser Welt lebt seine eigene Identität, aber unter dem Symbol des göttlichen Lichts (die Sonne, Zeichen für Christus) ist ihre Verschiedenheit kein Hindernis für die Gemeinschaft und Einheit, auch wenn sie die Welt auf unterschiedliche Weise sehen, begreifen, berühren und gestalten.
Wenn dieser Dialog des Lebens Wirklichkeit wird, hat die Mission ihr Ziel erreicht.
So sieht die Ordensregel der Steyler Missionare die Aufgabe der Mission: „Wohin auch immer die Kirche uns sendet, dort verkünden wir die Heilsbotschaft, damit alle Völker durch das Licht des Wortes und den Geist der Gnade von der Finsternis der Sünde befreit werden und so den Weg zum Heil finden."


Gütiger Gott, du willst, dass alle Menschen dich in Jesus Christus als ihren Vater erkennen und lieben. Zu jeder Zeit berufst du Menschen zur Mitarbeit an diesem deinem Werk. Die Heiligen Arnold Janssen und Josef Freinademetz hast du dazu ausersehen, einer großen Gemeinschaft Vorbild und Führer zu sein, damit sie durch ihr Leben das Evangelium Jesu Christi allen Völkern verkünden.
Höre auf die Fürsprache der beiden Heiligen und segne dieses Werk. Lass seine Mitglieder dem Geist ihres Gründers verbunden bleiben und ihre Aufgaben in Heimat und Mission treu erfüllen. Führe ihnen immer wieder Menschen zu, die in ihrer Gemeinschaft die Nachfolge deines Sohnes leben. Schenke ihnen Hilfe aus der Mitte deiner Gläubigen und schütze ihr Werk.
Herr, du bist unsere einzige Hoffnung. Erhalte uns in deinem Dienst und in deinem Lob – heute, alle Tage und in Ewigkeit. Amen.