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Advent 2017/18

Advent und Kirchenjahr 

In diesem neuen Kirchenjahr ist das „Lesejahr B“ mit dem Markusevangelium (MkEv) an der Reihe. Leider hat das Johannesevangelium kein Lesejahr, es wird nur zu bestimmten Zeiten und Anlässen eingeschaltet. 

Das MkEv ist die erste und älteste Schrift des frühen Christentums über Jesus und sein Wirken. Es ist kurz nach dem Jahr 70, also nach der Einnahme Jerusalems und der Zerstörung des Tempels durch römische Truppen, erschienen. Zum ersten Mal verwendet der Evangelist das Wort „Evangelium“ = Frohbotschaft. Der Evangelist hat sich am Apostel Paulus orientiert, der seine Verkündigung an die Heiden eine Frohbotschaft Jesu Christi = Evangelium, nannte.

Im MkEv ist „Evangelium“ der Titel: Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, Gottes Sohn. 

Wir werden sehen, dass dieses Evangelium dem Advent einen besonderen Akzent verleiht.


Bedeutungen von Advent 

Dem Wortsinn nach besagt „Advent“ Ankunft. Wir denken in erster Linie an die Ankunft des Messias in seiner Geburt. Doch gerade davon spricht das MkEv am ersten Sonntag nicht. Es erzählt keine Geburt Jesu, sondern beginnt mit dem Auftreten des erwachsenen Jesus.

Die Ankunft Jesu ist dem MkEv durchaus wichtig. Am ersten Adventsonntag lesen wir von der Ankunft, wenn der verherrlichte Jesus wiederkommt – am Ende der Zeit. 

Die Homilien am ersten Adventsonntag werden wohl erklären, dass „Ankunft nicht gleich Ankunft“ ist. Und sie werden versuchen, den Unterschied von erster und zweiter Ankunft Jesu zu erklären. Ob das Kirchenvolk (von der übrigen Bevölkerung zu schweigen) dadurch den Advent differenzierter sieht?

Werfen wir einen Blick auf die „Ankunft“ und die damit verbundene mehrfache Bedeutung.


Erste Ankunft

Sie ist die gängige Auffassung von Advent als der Ankunft des Messias und seiner Geburt. Die Ankündigungen der Propheten, besonders des Jesaja, sind auf diese Ankunft ausgerichtet. Eine große Rolle spielt die Sehnsucht des jüdischen Volkes, dem Gott in der Zeit größter Not den Messias verheißen hat. Dieses Thema kommt in Liedern und vielen Gebräuchen zur Sprache. 

Die Menschen sind auch heute voller Erwartung und großer Sehnsucht. In der Adventzeit haben die Menschen weniger Scheu, ihre Gefühle und ihre Sehnsucht nach Gemeinschaft und Geborgenheit zu bekennen. Zu keiner Zeit im Jahr ist die Stimmung so aufgeheizt wie im Advent: Adventkränze auf Plätzen und in Straßen, die Werbung heizt den Kaufrummel an und erzeugt Hektik und Stress, dazu die Weihnachtssterne und -krippen, Lieder, vorweihnachtliche Feiern…. 

Alles steuert auf den Höhepunkt, das Weihnachtsfest, zu, das Sinne und Gefühle anspricht. Freilich ist diese geladene Atmosphäre weit entfernt von der Messiaserwartung. Selbst noch so intensive Versuche, das Festgeheimnis aus dem Glauben zu erklären, werden nur schwer gegen „Xmas“, das sich verselbstständigt hat, aufkommen.


Die zweite Ankunft 

Im MkEv ist diese Ankunft das Thema des ersten Adventsonntags. Es geht um die Vollendung der Erlösung. Wir bekennen uns dazu im Ruf bei jeder Messe nach der Wandlung: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit

Die frühen Christen feierten vielleicht gar nicht Weihnachten. In der Verfolgung war diese zweite Ankunft des Herrn dringlicher. Sie gleichen darin den verfolgten Christen heute in den Kriegsgebieten des Nahen/Mittleren Ostens, die in ihrer Not nur mehr von Gott Hilfe erwarten. 

Uns, in unserer sicheren und satten Welt, erinnert das Evangelium am ersten Adventsonntag daran, dass die Erlösung noch nicht vollendet ist. In den Nöten unseres Lebens (politische Ereignisse, Krankheiten, Alter, Jugend ohne Perspektive…) macht aber die „zweite Ankunft“ unseres Erlösers Sinn. Der Ruf nach der Wandlung ist daher mehr als eine bloße rituelle Gewohnheit.


Die dritte Ankunft 

Hier sind wir auch am ersten Sonntag im Advent angesprochen: Das MkEv schärft uns ein, achtsam und wachsam zu sein

Der Unterschied zur Erwartung des Festes der Geburt ist deutlich. Bei der ersten Ankunft, der Geburt, sind wir die Erwartenden. Die dritte Ankunft spricht von der Erwartung an uns, gemeint ist unsere Ankunft: Wir sind es, die ankommen, wir werden erwartet und wir werden empfangen. Es ist unsere Ankunft am Ziel unserer Lebensreise: Dort ist es Gott, der uns erwartet und empfängt. Unser Erdenleben, von der Geburt bis zum Tod, ist unser Advent. 

Der Ausblick auf das Ziel unseres irdischen Lebens ist oft von Angst geprägt. Das Evangelium sagt aber, dass uns Gott erwartet. Er erwartet uns nicht, um abzurechnen, sondern, wie wir im Gleichnis vom verlorenen Sohn lesen, er empfängt uns als barmherziger, liebevoller Vater, der sich nach uns sehnt.

So beginnen wir den Advent mit der Mahnung zur „Wachsamkeit“ und „Nüchternheit“. Es ist eine Frohe Botschaft zu wissen, dass wir schon vom Augenblick unserer Geburt an Erwartete und Willkommene sind.

P. Dr. Jakob Mitterhöfer SVD


Ihnen allen eine Adventszeit, in der es immer wieder ruhige und besinnliche Momente geben möge!

Für die Redaktion 

P. Karl Jansen SVD

 
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