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Liebe Freunde 

jetzt, wo fast alle Urlaub haben und Erholung suchen, möchte ich die Aufmerksamkeit auf einen Heiligen lenken, der in unseren Breiten praktisch unbekannt und in unserem kirchlichen Leben kaum eine Rolle spielt: der Hl. Kajetan. Er ist der Patron für Brot und Arbeit. Seinen (nicht gebotenen) Gedenktag feiert die Kirche am 07.08.

Warum hat dieser Heilige bei uns kaum Bedeutung? Der Grund dafür liegt wohl zum Teil darin, dass die Lokalkirche sehr lange auf der Seite der Reichen und Wohlhabenden gestanden hat bzw. steht und zu Beginn der Industrierevolution bis heute die Arbeiterschaft verloren hat und nicht mit ins Boot holen konnte. Da helfen auch keine katholischen Arbeiterbewegungen (Wilhelm Emmanuel von Ketteler – KAB und Adolf Kolping) und die Einführung eines Festes „Josef der Arbeiter“ wirken da als Unbeholfen oder als „Feigenblatt“. Bei den Arbeitern ist dies alles kaum angekommen. Da mobilisieren die Gewerkschaften am Tag der Arbeit mehr Menschen für ihre Kundgebungen.

Ganz anders in verschiedenen Ländern Lateinamerikas. 

Ich erinnere mich in den 90ger Jahren an einen Arbeiterstreik um gerechtere Löhne in São Paulo, der von den städtischen Behörden untersagt wurde. Als Reaktion auf dieses Verbot öffnete Kardinal Paulo Evaristo Arns die Kathedrale: „Wenn ihr draußen auf der `Praça da Sé´ (Platz vor der Kathedrale in São Paulo) nicht demonstrieren dürft, kommt hier in die Kathedrale!“ - Unfassbar, was alles möglich ist! Kirche und Arbeiter – die Botschaft wurde verstanden.

Unglaublich, wie viele Menschen sich am Gedenktag des Heiligen auf den Weg machen, um ihm die Sorge um das tägliche Brot vorzutragen. Wenn man sich Fotografien im Netz von der Verehrung des Hl. Kajetan (San Cayetano) anschaut, packt einen die Hoffnung, die sich in den Blicken und Gesten der Gläubigen widerspiegelt. Aber auch die Liedtexte, die bei den aktuellen Texten abgedruckt zu finden sind, geben der Not, und der Hoffnung Ausdruck, sprechen Bände von Leid und Entbehrung der Menschen. Der Text von Teresa Parodi macht darüber hinaus deutlich, dass die „Religion kein Opium für das Volk“ ist und das Volk genau weiß, wo die verantwortlichen für Leid und Elend zu suchen sind. Die Teilnahme am Fest des Heiligen ist vielfach Quelle des Trostes: `ich bin nicht allein. Ich treffe mich mit so vielen Leidensgefährten im gemeinsamen Gebet und Gott steht an unserer Seite, er weiß um unsere Not.´ Diese Solidarität drückt Papst Franziskus in der Videobotschaft von 2013 an die Pilger in Liniers, BsAs, aus, und versichert, dass er im mit ihnen unterwegs sein wird.

Hier bei uns herrschen andere Verhältnisse. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass in Deutschland die Armut immer mehr zunimmt. Und hier wie da müssen wir feststellen, wie Konzernleitungen mit Verlogenheit operieren, in die eigene Tasche wirtschaften, das Los der Menschen, Gefährdung von Arbeitsplätzen, etc. scheint sie nicht zu interessieren.

Vielleicht ein Grund sich einmal im Gebet an Sankt Kajetan zu wenden.

Allen eine gesegnete Sommerzeit!

Für die Redaktion
Karl Jansen SVD

 
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