Hochfest der Erscheinung des Herrn

Predigtimpuls

Ich entdecke …, dass ER der Stern war, …

1. Lesung: Jes 60,1-6
Zwischengesang: www.antwortpsalm.de
2. Lesung: Eph 3,2-3a.5-6
Evangelium: Mt 2,1-12
Zum Kantillieren des Evangeliums: www.stuerber.de

Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde! 

Dafür sind die Weisen, Sterndeuter, Könige, wer immer sie gewesen seid, also den weiten Weg gegangen? Dafür haben sie sich die Augen nach dem Stern fast wund gesehen? - Ein neugeborenes Kind, eine junge Familie, glückliche Eltern, müde, erschöpft und selig zugleich? – Hätten sie das in ihrer Heimat nicht auch finden können, vielleicht gar nicht weit von ihren Häusern und Palästen, ihren Studierstuben und Amtsräumen entfernt?


Ich finde es faszinierend, dass es Menschen gab, denen ihre Arbeit, so interessant sie auch gewesen sein mag, nicht gereicht hat. Ihre Aufgaben, ihr Forschen und Berechnen haben sie nicht festhalten können. Auch dieses Tun hatte etwas von Alltag, zeigte sich eintönig und grau - konnte die Neugier, die Verlockung, dem Stern zu folgen, nicht beruhigen oder für verrückt erklären. Neugier und Sehnsucht waren zu groß. Wach waren sie, sogar nachts … denn tagsüber, zu Bürozeiten und unterm sicheren Dach sieht man die Sterne nicht … 

Wahrscheinlich wurden sie von vielen für verrückt erklärt, als sie aufgebrochen sind, so nach dem Motto: „Wir sind dann mal weg!“ Denn sie konnten ja niemandem erklären, wie lange ihr „Forschungssemester“ dauern würde, wie weit der Stern lockt, wohin er sie führt. Wahrscheinlich konnten sie auch nicht schlüssig sagen, warum ihre Unruhe so groß war, dass sie einfach gehen mussten, aller Vernunft und allen Mahnungen zum Trotz. Denn ungefährlich waren die Wege damals nicht, schon gar nicht für Wissenschaftler, für Kopfmenschen und für „Sterngucker“. 

Und dann werden sie gedacht haben: Das dürfen wir niemandem erzählen, als sie vor dem Baby hinknieten, Geschenke auspackten, mit Tränen in den Augen staunten und im Herzen spürten: Hier sind wir am Ziel!

Sie waren sich nicht zu groß oder zu bedeutend oder zu wichtig, um das Knie vor einem Kind zu beugen. Sie hielten es auch nicht für verrückt, dieses Kind als König der ganzen Welt, als Heiland und Retter, als Zielpunkt für all die unzähligen Suchenden und Fragenden, alle Sehnsüchtigen und Hoffnungsvollen durch ihr Tun auszurufen. Sie bekennen: In diesem Jesus hat der Himmel die Erde berührt, ist Gott Mensch geworden. Sie verweilen und beten an.

Schön wäre es, wenn wir von ihnen den Blick, das Schauen mit dem Herzen, das plötzliche Verstehen und Ganz-klar-Werden lernen könnten, dass in den alltäglichen Situationen des Lebens sehr viel von Gott aufstrahlen kann, ja dass Gott selber im Menschen gegenwärtig ist? 

Außerdem sind sie für mich fast ein lebendiger Vorwurf in all den Zusammenhängen meines Lebens, wo ich am liebsten einfach sitzen bleibe und selbstzufrieden auf das blicke, was schon erreicht ist, wo ich gar nicht mehr aufbrechen und suchen will. Aber diese Weisen sagen mir eindringlich: Du, komm, raffe Dich auf! Es lohnt sich wirklich. Gott lässt sich finden, mitten in der Welt, sogar an Orten, wo Du nie mit ihm gerechnet hättest.

Und für seinen solchen Aufbruch, fürs Suchen nach Gott bist Du nie zu alt oder zu jung. Er wird Dich finden, einmal sogar für immer, denn ER kommt Dir entgegen, mit offenen Armen.

Immer öfter, Schwestern und Brüder, frage ich mich: Was werden sich diese Suchenden und forschenden Menschen über jenen König und jene religiösen Führungsgestalten gedacht haben, die um all dies wussten, es in Schränken eingesperrt, wahrscheinlich zigmal gelesen, aber nie so richtig geglaubt haben? Zumindest sind sie nicht aufgebrochen, haben sie nicht gesucht, sich mit einem „Ja, das kann schon irgendwann und irgendwo vielleicht einmal passieren!“ abgefunden. 

Welches Wort der Heiligen Schrift, welche Botschaft eines Propheten, welche Aufforderung oder Zusage Jesu bringen mich/uns denn auf den Weg? Welches Wort „brennt“ so in mir, dass es mich umtreibt, nicht in Ruhe lässt, konkrete Schritte veranlasst und mich einfach lockt, immer wieder und immer neu?

Wenn ich unsere Zeit anschaue, stelle ich wieder und wieder fest: Da gibt es Menschen, die sagen: Mit dem Evangelium kannst du keine Politik machen! Das überfordert und lässt sich nicht umsetzen. Und dann staune ich, dass sich solche Leute Christen oder christlich nennen, dass Parteien und Einrichtungen, Dienste und Gruppierungen sich so etikettieren, aber einen ganz anderen Inhalt haben, ganz anders handeln. 

Oder es heißt: Unsere Wirtschaft muss nach anderen Regeln leben, sonst funktioniert sie nicht. Und wir schauen zu, wie die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht. Wir meinen, es müsste so sein, dass Ungerechtigkeit und Chancenlosigkeit in vielen Ländern der Erde herrschen, während die anderen in Geld und Reichtum schwimmen. Nicht umsonst hat Papst Franziskus den Welttag der Armen als Folge des Jahres der Barmherzigkeit ausgerufen. Nicht umsonst lebt er, was er im Evangelium findet – und macht durch nichts so sehr auf sich aufmerksam wie durch dieses Tun, durch Gesten der Liebe, die noch im Sträfling, im Obdachlosen, im Ärmsten Jesus Christus ehren und Schlagzeilen auslösen.

Und wie ist das in meinem Leben? Traue ich mich, mich anders zu verhalten, öffentlich durch mein Lieben, durch meinen Einsatz, durch mein Verschenken andere vor den Kopf zu stoßen, und zu begründen: Die Liebe Gottes drängt mich! - In Krippendarstellungen fällt die Reaktion der Weisen auf die Begegnung mit dem Kind in der Krippe sehr unterschiedlich aus: Der älteste kniet und betet an, der Vertreter mittleren Alters wirkt eigenartig berührt, distanziert, voller Fragen, und der Jüngste beobachtet alles genau, wirkt neugierig und offen, möchte wissen …

Vielleicht entwickelt sich da im Lauf der Jahre meines Lebens auch manche Veränderung. Was ich als Kind staunend geglaubt und gefeiert habe, wo ich als Sternsinger von Haus zu Haus gezogen bin, wo für mich Gebet und Glaube selbstverständlich gewesen sind, da wird eine Entwicklung einsetzen, ein Hinterfragen auftauchen. Ich werde mich beschäftigen müssen, mich mit den Dingen des Glaubens auseinandersetzen und einen neuen Zugang zu Gott, zu dem, was meine Berufung durch ihn ist, zu dem, was er mir zutraut und von mir erwartet, finden müssen. Dann werde ich im Alter, gereift und gebeutelt von meiner Lebensgeschichte, vielleicht hinter den Vorhang blicken, manches verstehen und aus dem Blickwinkel deuten können, dass ich mein Leben lang meinen Weg nicht nur mit Menschen gegangen bin, sondern dass mein Herrgott mich geführt, gelockt und bis zu manchem Abgrund begleitet hat. Vielleicht fühle ich mich geprüft und kämpfe mit unzähligen Fragen, auch denen nach dem Warum. Ich entdecke in meinem Herzen, im Blick auf meine Geschichte, im Durchforsten meiner Erinnerungen, dass ER der Stern war, die Unruhe in mir, das Weiterdrängen und Weitersuchen. So lerne ich verstehen, dass ich heute anders vor ihm stehe, mir nichts mehr beweisen muss, sondern mich dankbar seines Daseins in meiner kleinen und auch in der großen und weiten Welt freuen darf.

Vielleicht geht mir auch auf, dass die Punkte, die Begegnungen, die Erfahrungen zahlreich waren, in denen ER aufgeblitzt ist, mich bestätigt hat, die mich heute in das Niederknien und in die Anbetung führen.

Soll das alles gewesen sein? So können wir fragen. Hat sich dafür mein Weg, mein Einsatz, mein Schuften und Überfordern, mein Stress gelohnt? - Vielleicht macht sich ein staunendes JA in mir breit, wenn ich mit den Weisen zu Jesus Christus hintrete und mit ihnen auspacke … 

Es würde uns guttun. Und wenn es andere nicht verstehen, was macht es? Irgendwann ist es auch für sie so weit. Denn dem zu folgen, der uns lockt, das lohnt immer! Und irgendwann ist es für jeden Menschen so weit, dass die Begegnung mit IHM ansteht und ER mich unendlich selig machen wird.

 

Pfr. Albert L. Miorin, Pfaffenhofen a.d. Ilm