Fest der Taufe des Herrn (B)

Besinnung

Textbetrachtung Apg 10,34-38

Apg 10,34-38


Der Text 

10,34 Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, 

35 sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.

36 Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus; dieser ist der Herr aller. 

37 Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:

38 wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.


Textbetrachtung 

Die Passage Apg 10,34-38 stammt aus dem längsten Erzählzusammenhang der Apostelgeschichte, in dem es um die Taufe des römischen Hauptmanns Kornelius in Caesarea geht (Apg 10,1-11,18). Noch bevor der „Heidenapostel“ Paulus unter den Völkern missioniert, werden hier sowohl der gottesfürchtige Centurio als auch Petrus von Gottes Geist dahingehend geführt, dass mit Kornelius der erste Nichtjude die Taufe empfängt. 

Die VV. 10,34-38 stellen den Einstieg in die Predigt dar, die Petrus im Hause des Kornelius hält. An deren Ende steht das „Pfingsten der Heiden“ – die Erfahrung, dass auch den Heiden die Gabe des Heiligen Geistes zuteil wird (Apg 10,44-46). Petrus zieht ein für den weiteren Verlauf der Kirchengeschichte entscheidendes Fazit: „Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?“ (Apg 10,47)


10,34f Der Predigt des Petrus geht eine Begegnung mit dem Hauptmann Kornelius voran, der als „Gottesfürchtiger“ (Apg 10,2) jüdischem Glauben und jüdischer Ethik ohnehin schon nahesteht. Auf eine Vision und Engelserscheinung hin (Apg 10,3-8) hat er Petrus in sein Haus geladen – und dieser ist allen Reinheitsvorschriften zum Trotz und seinerseits durch eine Vision vorbereitet (Apg 10,9-16) – seiner Einladung gefolgt. 

Die beiden Verse formulieren die grundsätzliche Erkenntnis des Petrus: Gott schaut nicht auf äußere Charakteristika wie die Volkszugehörigkeit – ein jeder ist ihm willkommen, der Gott fürchtet und Gerechtigkeit wirkt (zur Vorbildhaftigkeit des Kornelius vgl. auch Apg 10,2).

10,36 Die Universalität dieser Botschaft wird in den folgenden Versen mit Blick auf das Christusereignis heilsgeschichtlich entfaltet: Die frohe und friedenstiftende Botschaft (das „Wort“), das zunächst dem Volk Israel durch Jesus Christus gesandt worden ist, gilt allen – denn Christus ist der Herr aller (vgl. die Anlehnung an Joel 3,5: „Jeder, der den Namen des HERRN anruft, wird gerettet…“).

10,37f Der lukanische Petrus beginnt seinen heilsgeschichtlichen Abriss (in dem Jesu Leben, Sterben und Auferstehen als wohlbekanntes und öffentliches Geschehen geschildert wird) bei der Taufe Jesu durch Johannes und bei seinem Wirken in Galiläa: In der Taufe ist Jesus der Christus (= der Gesalbte) mit Kraft und mit Heiligem Geist gesalbt worden. Aus dieser seiner engen Verbindung mit Gott heraus, der „mit ihm“ ist, entfaltet er sein heilendes, befreiendes, lebenspendendes Handeln.

 

Fr. Dr. Rita Müller-Fieberg, Bergisch Gladbach