Fest der Taufe des Herrn (B)

Predigtimpuls

Wer getauft ist, sieht den Himmel offen

1. Lesung: Jes 42,5a.1-4.6-7 oder: Jes 55,1-11
Zwischengesang: www.antwortpsalm.de
2. Lesung: Apg 10,34-38 oder: 1Joh 5,1-9
Evangelium: Mk 1,7-11
Zum Kantillieren des Evangeliums: www.stuerber.de

Liebe Mitfeiernde, liebe Schwestern und Brüder! 

Wenn in unseren Pfarreien eine Taufe stattfindet und Kinder dabei sind, stelle ich gerne zwei Fragen. Die erste lautet: „Wenn ihr ein Bild vom Meer malt, mit welcher Farbe malt ihr das Wasser?“ Die Antwort kommt meistens sehr schnell: „blau“. Dann frage ich weiter: „Warum ist das Wasser blau?“ Oft dauert es ein wenig, aber einer kommt immer drauf: „Weil sich der Himmel darin spiegelt.“ 

Genau, das Wasser ist blau, weil sich der Himmel darin spiegelt. Und schon sind wir bei zwei wesentlichen Begriffen des heutigen Evangeliums: „Wasser“ und „Himmel“. Jesus kommt an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. „Und als er aus dem Wasser steigt, sieht er den Himmel offen.“ Wie kann man sich das vorstellen? Ich glaube, dass Jesus hier so eine Art Vision hat, dass ihm plötzlich ganz klar vor Augen ist: „Der Himmel ist offen!“ Gott ist nicht da oben in seinem Kämmerlein und wir sind da unten, sondern Gott hat seine Himmelstür weit geöffnet und er ist da, hier, in dieser Welt und er ist hier spürbar und erfahrbar. Und das zeigt Jesus dann auch, wenn er im Namen Gottes Kranke heilt oder Sünden vergibt oder Ausgestoßene besonders beachtet. Da zeigt sich, dass der Himmel offen ist. 

Wasser ist blau, weil sich der Himmel darin spiegelt. Ein wunderbares Bild, das nicht nur für Jesus gilt. Jeder, der getauft wird, wird bis heute mit Wasser übergossen, dem Element, in dem sich der Himmel spiegelt. Und so ist jedem bei der Taufe dieser unglaubliche Zuspruch Gottes geschenkt: „Für dich ist der Himmel offen“. In der Taufe sagt Gott zu mir: „Ich öffne mich dir, weil du mein geliebtes Kind bist.“ 

Und das gilt nicht erst für die Ewigkeit, sondern für das ganze Leben. Für mich ist das ein unheimlich wichtiger Satz. Denn das Leben ist ja beileibe nicht nur himmlisch; manches ängstigt mich, macht mir Sorgen. 

Zum Beispiel, dass zunehmend Menschen mit dieser komplizierten Welt und dem Druck, der vielerorts herrscht, nicht mehr zurechtkommen und krank werden. Oder wie schäbig und herablassend manchmal Fremde und Flüchtlinge behandelt werden. In mir steigt Wut und Ärger auf, wenn ich sehe, wie ungerecht es in der Welt zugeht und Menschen in anderen Ländern ausgebeutet werden. Ich mache mir Sorgen um die Zukunft der Schöpfung. Mit all dem und auch mit persönlichen Schicksalsschlägen werde ich ja tagtäglich konfrontiert, das ist nicht einfach weg. 

Aber gerade deshalb tut es mir gut, mich immer wieder daran zu erinnern, was mir in der Taufe zugesagt worden ist: „Für dich steht der Himmel offen.“ Warum ist das für mich so wichtig? Es lässt mich zum einen ruhiger und gelassener werden, weil ich mich von Gott getragen fühle. Dieser Satz erinnert mich zum andern auch daran, nicht alles negativ zu sehen. Es gibt auch vieles, was gut ist und schön. Ich schaue mich um und entdecke, wo der Himmel schon offen ist; das baut mich auf. Und schließlich ist dieser Satz nicht nur Zuspruch, sondern auch Anspruch, oder besser: Ansporn, mich im Namen Jesu dafür einzusetzen, dass der Himmel sich immer mehr öffnet; indem ich mich zum Beispiel für eine gerechtere Welt engagiere, für die Achtung der Schöpfung, indem ich versuche, achtsam mit mir und meinen Mitmenschen umzugehen.

Das Fest „Taufe des Herrn“ heute erinnert mich also daran: wer getauft ist, sieht den Himmel offen. Das gilt für jetzt als Zuspruch und Ansporn zugleich und als große Verheißung natürlich auch für die Ewigkeit. Amen.

Pfr. Stephan Eschenbacher, Haßfurt - ZDF-Fernsehgottesdienst 2017